Dildos zum Selbermachen

Woodsaw – das sind ein Tischler und ein Innenraumgestalter, die unter anderem Workshops anbieten, bei denen man nicht nur seine handwerklichen Fähigkeiten verbessern, sondern auch gleich sein eigenes Sexspielzeug herstellen kann. Mit uns haben sie über cheesy Dildos, handwerkliche Fähigkeiten und Worst-Case Szenarios gesprochen.

Woodsaw

Sebastian Rahs und Rainer Wachter haben im „Breaking-Pattern-Modus“ ihre eigene Firma namens Woodsaw auf die Beine gestellt und lassen sich nicht sagen, was geht und was nicht. Die beiden haben sich zusammengetan, um Arbeitsprozesse zu verkürzen, Gestaltung und Handwerk zu verdichten, und um ihre KundInnen selbst zu Makern zu machen – indem sie ihnen handwerkliches Know-How bei Workshops näherbringen. Kunde glücklich – Jungunternehmer glücklich. Wir sprachen mit den beiden Selbstständigen.

Wie entstand eure Firma, deren Erfolg anderen Start-Uppern wirklich Mut machen kann?

Sebastian Rahs (SR): Wir haben uns beim Projekt „Vollpension“ – das Kaffeehaus in der Schleifmühlgasse – das erste Mal kennengelernt. Rainer ist über unseren ehemaligen Kollegen Benjamin als Aushilfe dazu geholt worden – wahrscheinlich die einzige qualifizierte Kraft, die da mitgearbeitet hat. (Beide lachen)

Benjamin wollte dann eine Zusammenarbeit anzetteln und schlußendlich haben wir uns überlegt, ob es vielleicht Sinn machen könnte, wenn man meinen Part, sprich den gestalterischen, konzeptionellen und den handwerklichen einfach zusammenführt – daraus entstand Woodsaw.

Dass dieser Schritt sinnvoll war, lässt sich ja nun nicht mehr bestreiten. Jetzt habt ihr ein neues Projekt: Ihr ladet Leute in eure Werkstatt ein, um im Rahmen eines Workshops ihr eigenes Sexspielzeug zu produzieren – aus Holz. Kann man das so zusammenfassen?

SR: Ja, wobei neben Holz, aus verschiedensten Naturmaterialien Sexspielzeug produziert werden kann. Es soll ja eine ganze Workshopreihe entstehen und wir haben uns gefragt, mit welchem Unisex-Workshop wir beginnen könnten – ein Projekt, das Mann und Frau genauso anspricht und gleichzeitig auch den Konflikt thematisiert, dass Workshops immer entweder für das eine oder das andere Geschlecht konzipiert sind. Zur eigentlichen Idee sind wir durch einen Ausschrieb der Wirtschaftskammer inspiriert worden, die darauf hingewiesen hat, …

RW: …, dass es einen neuen Zweig im Gewerbe der Tischlerei geben wird, der sich darauf spezialisiert hat, Sexspielzeug aus Holz herzustellen. Wir haben uns das dann angesehen, aber da hier alles nur gedrexelt und ziemlich banal und cheesy gemacht wurde, haben wir uns überlegt, wie man das ein bissl wertiger und spezieller machen könnte.

Ihr habt von einer ganzen Reihe an Workshops gesprochen. Unter welchem Aspekt sollen diese stattfinden?

RW: Du kannst diverse Kurse beispielsweise an den VHS belegen, wo du lernst deinen eigenen Hocker zu bauen und dann kannst du nichts, außer eben einen Hocker bauen. Die Idee hinter unserem Konzept ist es, einfache handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln – um hinterher sagen zu können, ich kann mit Basic-Werkzeug umgehen und mir selbst etwas bauen.

Ihr beginnt jetzt mal mit der Herstellung von Sexspielzeug. Geht es hier um Deko-Penisse oder soll man die auch verwenden können? Wenn ja, dann braucht man dafür doch eine Oberflächenbehandlung?

RW: Ja, das soll schon durchaus zum benützen sein. Man schnitzt’s aus einem rohen Block heraus und dann wird es solange geschliffen bis es glatt ist.

SR: Und es gibt natürlich auch eine spezielle Oberflächenbehandlung, die eigentlich aus dem medizinischen Bereich kommt, die nicht nur nicht-gesundheitsschädlich ist, sondern auch keimtötend, antibakteriell…

Es ist also sogar gesundheitsfördernd…

RW: Quasi doppelt gesund – für den Körper und die Seele. (lacht)

B: Ok, wann beginnen diese Workshops?

SR: Wir haben vor im Frühjahr 2017 damit zu starten – inoffiziell haben wir aber schon mit ausgewählten Personen begonnen, um im Vorfeld gewisse Issues, die auftreten könnten, abzufangen.

Die da wären?

SR: Wir haben uns im Vorhinein sehr viele Gedanken gemacht – beispielsweise ob wir vielleicht falsch verstanden werden könnten, beziehungsweise wie andere das Thema rezipieren. Wir haben dann ein Worst-Case Szenario kreiert und sogar überspitzt schriftlich ausformuliert: „Wir Hawis müssen Frauen etwas beibringen, dass sie etwas selber machen können, (Thema hospitaler Sexismus) und das Produkt, das uns dazu einfällt sind Dildos“ – also das wäre schrecklich! Nein, wir wollen lediglich allen Menschen zu gleichen Teilen die Möglichkeit geben, etwas zu produzieren, das einen schnellen, sichtbaren und messbaren Erfolg zeigt.

Euer Konzept habt ihr ja ziemlich eindrücklich vorgestellt?

RW: Wir wurden zum „Breaking Patterns“ eingeladen, weil unser Firmenkonzept ein wenig untypisch ist. Diese Gelegenheit haben wir dazu genutzt, um unsere Workshopreihe, speziell den ersten Workshop,  unter dem Titel „Billy, betrayed you?“ anzupreisen – mit Bezug auf das Ikea-Regal, über das sich bestimmt schon jeder mal geärgert hat. Dann gestalteten wir ein Diorama, in das wir die grundlegenden Werkzeuge und ein paar im Vorfeld angefertigte Exponate – das heißt konkret riesige Holzdildos – plakativ eingebettet haben. Über aktuelle Formen- und Materialtrends haben wir uns dazu bei der Konkurrenz – also in Sexshops – ein paar Ideen geholt. (lacht)

SR: Eine 80cm hohe Schaumstoffvagina sollte als Guckloch in das Diorama, sprich den Workstationraum, dienen und die Schwelle symbolisieren, die es eventuell dabei gibt, so einen Workshop zu besuchen – wir haben auch extra darauf hingewiesen, dass jeder der ein Problem damit hat, seinen Kopf durch eine Vagina zu stecken, sich vorher einen Wodka genehmigen und darüber nachdenken kann.

RW: Da gibt es viel nachzudenken, denn in diesem speziellen Workshop geht es nicht nur um Sexspielzeug, sondern auch um Themen wie Upcycling von Altholz, Konsumkritik und eben auch Prüderie – laut Feedback hat’s gut funktioniert.

SR: Es geht aber auch um die Tatsache, dass man sehr viele Sachen selber produzieren könnte – unter Umständen mit viel weniger Kosten und Aufwand, in viel besserer Qualität – und vor allem auch einfach.

Zu eurem Arbeitsalltag, wie sieht der aus? Das bekommt ja unter Freunden manchmal eine Eigendynamik: Seid ihr beide um neun Uhr arbeitsbereit?

RW: (lacht)

SR: Da fangen die Stichelein schon an! (lacht)

RW: Wir sind grundsätzlich schon um 9 entweder in der Werkstatt, oder auf der Baustelle.

SR: Unsere Projekte sind aber in Inhalt und Ablauf so unterschiedlich, dass wir eigentlich gar keinen richtigen Alltagstrott hineinbekommen, wir sind eher sogar darum bemüht.

Hört der Job auch irgendwann mal auf oder ist es ein fließender Übergang in den Privatbereich?

SR: Am Ende des Tages vermischt sich Persönliches und Arbeit,  wenn man dann bei einem Bier Privates und Berufliches bespricht. Als Selbständiger bist du einfach nie weg von deiner Arbeit.

RW: Ist es noch Arbeit, oder schon Freizeit – so lange es Spaß macht ist es egal!!

Spaß macht es aber eben leider nicht immer – nehmt ihr eure Sorgen auch mit in den Schlaf, sprich sind Dildos in den Träumen vorgekommen?

RW: Ja, aber das sind sie davor auch schon.

(Alle lachen)

 

Hier könnt ihr die Woodsaw Jungs kontaktieren und euch gegebenenfalls zu einem ihrer Workshops anmelden.

Bild(er) © Marlene Mautner
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