7 Highlights im »Heiligen Frühling« der Wiener Festwochen

Die Wiener Festwochen erklären sich im Jubiläums­jahr zur »Republic of Gods«. Welche alten Mythen sprechen noch zu uns? Sind Allah, Jahwe, Thor und Co überhaupt noch relevant? Welche neuen Gött*innen müssen wir gemeinsam erfinden? Eine mythische Feier der Gotteskritik und Gottes­sehnsucht im »Heiligen Frühling«. Die folgenden Programm­punkte solltet ihr euch keinesfalls entgehen lassen!

© Soju Studio / Sirene Studio

Eröffnung

Zum 75-jährigen Jubiläum erwartet uns bei der Eröffnung eine spiri­tuelle wie skurrile, eine spekta­kuläre wie zutiefst menschlichen Show. Patti Smith, die »Godmother of Punk«, mu­siziert mit dem Schmusechor und der neu gegründeten Festwochen-Band Gods Republic. Gospel trifft auf Punk, Klassik auf Schlager, neue auf alte Gött*innen: schamloser Synkretismus in guter alter Wiener Tradition. Eintritt frei. Live im ORF und auf 3sat.

22. Mai, 21:20 Uhr, Heldenplatz

Christoph Schlingensief »Bitte liebt Österreich – Erste österreichische Koalitionswoche« (Bild: David Baltzer / bildbuehne.de)

»Christoph Schlingensief: Es ist nicht mehr mein Problem!«

Zum ersten Mal widmet sich in Österreich eine umfas­sende Einzelausstellung dem visionären deutschen Radikal­künstler Christoph Schlingensief (1960–2010). Bei den Wiener Festwo­chen hat er im Jahr 2000 mit seiner Container­-Aktion »Bitte liebt Österreich – Erste österreichische Koalitions­woche« die fremden­feindliche Regierungs­politik der FPÖ zum Thema gemacht und mit einer Vermischung von Wirklichkeit und Kunst die ganze Stadt in Aufruhr versetzt. Die Ausstellung zeigt, wie Schlingensiefs radikal persön­liche Kunst zwischen Provokation und Kunst­vertrauen auch heute noch irritiert und inspiriert.

13. Mai bis 13. September, MAK – Museum für angewandte Kunst

Narcissister »Voyage into Infinity« (Bild: The Tinfoil Biter)

Narcissister »Voyage into Infinity«

Für ihre neueste installative Arbeit stellt die US­-Perfor­mance­-Ikone Narcissister eine übergroße Ketten­reaktions­maschine aus recycelten All­tags­gegen­ständen auf die Bühne. Drei maskierte Performerinnen treiben sie stetig an: ein fallender Diskuswerfer (Pin-­up-­Boy der Nazi­propaganda), eine in Flammen aufgehende Kugelbahn, ein vaginales Feuerwerk – Elemente eines choreo­grafierten Spiels um Ursache und Wirkung. Ein unheimli­cher Kommentar zu tief verwurzelten Schönheits­idealen und zur Objekti­vierung von Frauen.

20. bis 22. Mai, jeweils 20:30 Uhr, Halle G im Museumsquartier

Inna Schewtschenko (Bild: Matt Observe / VGN)

Inna Schewtschenko »State of Faith«

»Der Glaube begann als Ver­sprechen. Doch er wurde zu einer Grenze, die quer durch die Köpfe der Menschen geht«, so die ukrainische Aktivistin und Femen-­Ikone Inna Schewtschenko. Mit einer performativen Rede, in deren Zen­trum der Körper der Frau steht, eröffnet sie die diesjährige Republic of Gods. »State of Faith« ist die Forderung, den Glauben neu zu er­finden und das Heilige als Quelle des Widerstands zurück­zuerobern. »Wenn der Glaube überleben soll, muss er auf­hören, vor der Macht zu knien und sich mit denen verbünden, die sich weigern, überhaupt zu knien.«

17. Mai, 19:30 Uhr, St. Elisabethkirche zur Frohen Botschaft

Rébecca Chaillon »La parabole du seum«

Mit Mitgefühl, Humor und Poesie entwickelt die nach eigener Aussage »Schwarze, fette, kinderlose, alternde Lesbe« Rébecca Chaillon, eine der einfluss­reichsten neuen Stimmen der französischen Kultur­landschaft, mit ihrer aktuellen Inszenierung eine rebellische Science-Fiction-Performance. In Anlehnung an Octavia Butlers visionären Roman »Die Parabel vom Sämann«, in dem ein heranwachsendes Mädchen eine eigene Religion entwirft, ist »Die Parabel von der Säure« eine inspirierende Fabel über die Magie des Glaubens. Die genauso witzige wie radikale Eroberung einer menschen­würdigen Zukunft.

11. bis 14. Juni, jeweils 20 Uhr, Odeon

Gob Squad (Bild: Christine Fenzl)

Gob Squad »Doppelgänger/Doppelganger«

Mit feiner Melancholie umtanzen Gob Squad in ihren Arbeiten das anarchische Chaos des Seins. So haben sie sich in die Her­zen des inter­nationalen Publikums ge­spielt und wurden kürzlich mit dem Silbernen Löwen der Theater­-Biennale in Venedig ausgezeichnet. In »Doppelgänger/Doppelganger« kippt eine Geburtstags­gesellschaft in eine surreale Vision voller unerwarteter Wendungen, in der verschiedene Iden­titäten und Stimmen unerbittlich darum kämpfen, gehört zu werden.

18. bis 21. Juni, jeweils 19:30 Uhr, Halle G im Museumsquartier

Club der Republik

Das Haus der Republik ist das pulsierende Herz der Wiener Festwochen. Es ist dieses Jahr auf dem Badeschiff Wien zu finden. Jeden Freitag (außer 22. Mai) gibt es dort ein Konzertprogramm, das von der Festwochen-Band Gods Republic kuratiert worden ist und Acts wie Enesi M., Vereter und Cute Aggression präsentiert. Ein weiterer Fixpunkt: der Samstag als Partytag – zwischen Ritual und Hingabe. Mit Tanzbarem von »Halal Beats & Haram Nights« bis Dark Wave. Eintritt frei.

jeweils freitags und samstags, Haus der Republik – Badeschiff

Die Wiener Festwochen 2026 finden von 15. Mai bis 21. Juni statt. Für Personen unter 30 Jahren gibt es auch heuer wieder ermäßigte Vorverkaufstickets um nur 15 Euro.

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