Dadaistische Blockflöte

Ein ehemaliger spanischer Torero, der sich nach einer Zeichentrick-Figur benennt und Bass-Drops mit Blockflöten nachäfft. Wir haben DJ Detweiler interviewt.

Bevor du DJ Detweiler wurdest, verdingtest du dich unter anderem als Online-Bettler. Konntest du damit deinen Lebensunterhalt bestreiten?

Das ist schon so lange her. Am liebsten würde ich diesen Abschnitt meines Lebens einfach vergessen. Ich habe mich eben von der Straße hochgearbeitet und mit allem Möglichen Geld verdient. Auch mit vielen schlechten Dingen – wie Snopp Dogg. Heute verdiene ich mein Geld anders: Ich spiele ausverkaufte Shows auf der ganzen Welt und bin nebenbei noch als Ghostproduzent für einige große Namen tätig.

An welchen Projekten wirst du in der Zukunft arbeiten?

Nach meiner ausgedehnten US-Tour werde ich wieder mehrere "Flutedrop Bangers" veröffentlichen. Sonst habe ich eigentlich noch keine wirklichen Pläne. Ich bräuchte dringend einen Manager, falls du mit jemanden empfehlen kannst, gib bitte Bescheid.

Was für ein Zufall! Ich beginne gerade als Manager für junge, aufstrebende Künstler zu arbeiten. Zudem verfüge ich über ausgezeichnete Kontakte zur deutschsprachigen Musikindustrie.

Ja klar, warum nicht? Schick mir doch bitte dein Portfolio und dein LinkedIn-Profil. Ich werde das dann mit meinem Produzententeam besprechen. Ich glaube, ich kenne schon einige wichtige Menschen aus der deutschen Musikindustrie, doch ich will sie alle schnappen. Wie Ash in Pokémon.

Abschließend will ich die einzig hier legitime Frage – die sich mir zu deinem Schaffen aufdrängt – stellen. Ist deine Kunst dadaistisch?

Obwohl ich sicher bestimmte Einflüsse der dadaistischen Bewegung verarbeite, will ich mich nicht auf ein bestimmtes Gedankenmodell festlegen.

An dieser Stelle des Interviews verweist Detweiler zu meiner Verwunderung auf einen Printartikel der selbstdarstellerischen Managerin, Fashion-Bloggerin und Twitter-Trendsetterin Lil Government – und beendet das Interview. Verdutzt bleibe ich zurück. Eben noch war mir Detweiler so schön verständlich, eindeutig und durchschaubar. Alles – der flapsige Ton während des Gespräches, der groteske Humor und dieses Abzielen auf billige Lacher – machte so viel Sinn. Jetzt stellt sich die Frage: Steckt hinter dieser lächerlichen Kunstfigur mehr? Doppelbödigkeit, gar Subversion?

In ebendiesem Essay führt Lil Government die viralen Kurzphänomene – wie Detweiler nun mal auch eines ist – auf deren enorme Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit zurück. Nennt diese Vielseitigkeit den essentiellen Teil dieser absurden "Spektakels". DJ Detweiler nähme das Niemandsland zwischen subversiven Memes und postmodernen Träumereien ein. Die Unterschiede zwischen Performance, Porträt und digitaler Collage nivellierend, sei er am besten Weg, ihr Nachfolger zu werden.

Ob diese Zeitgeist-Analyse Detweilers Wirkung schlichtweg überschätzt sei dahingestellt. Einen überlegenswerten Ansatzpunkt liefert sie allemal. Vielleicht ist der Typ ja eine große Nummer im Musikgeschäft und lebt mit diesem Projekt kindliche Blödheit aus. Vielleicht ist er aber auch einfach nur ein Typ aus der spanischen Pampa der nicht Flöte spielen kann. Egal, für die nächste Party reicht der Gag bestimmt.

DJ Detweiler kann man am 12. April live im Roxy Club bestaunen.#Flutedrop bangers by D.J. Detweiler

Bild(er) © facebook.com/DJDetweilerOfficial
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