Das Wiener Popduo Tauchen veröffentlicht mit seinem Erstling »Alles« Indiepop für die vielen.

Bunt gestrichen ist das Puppenhaus, das das Wiener Popduo Tauchen (Eva-Maria Kehrer und Marten Kaffke) auf seinem Debütalbum gebaut hat. »Alles« ist ein bisschen lieb. Den Zeitgeist lutscht man aus dem Eis im gleichnamigen Track – wahrscheinlich in Caorle. Denn »alles ist easy, alles ist nice«. Die Neue Deutsche Welle hallt im oberen Geschoß. Im Keller paraphrasiert man zwei, drei Mal mit launigen Gitarrenriffs die Punkidylle der Neunziger. Dazwischen die verspielte Lesart eines lakonischen Indiepop oder Referenzen auf altbekannte Hitradio-Schmonzetten.
Der popkulturelle Aktionsradius soll ein möglichst breites Publikum ansprechen. Die coolen Festivals wollen bespielt werden. Das Repertoire dafür ist beachtlich und vorhanden. Die Synth-Hooks sind markant. Bass und Schlagzeug laden zum Hinternwackeln ein. Die Gitarrenarrangements sind reduziert und glasklar. Eva-Maria Kehrers Gesang hat hohen Wiedererkennungswert. Ihre Intonation ist in perfektem hannoverschen Fernsehdeutsch, also eh wie im BORG Hegelgasse oder mit Schulranzen am Rücken in den Wiener Öffis. Die Melodien sind mitreißend. Das Songwriting ist pointiert. Die Exekution präzise.
Das Banale und die großen Gesten
Und im Puppenhaus hat jeder Raum seine eigene Farbe. Nachdenklich, hedonistisch, die Weltlage sollte man noch erwähnt haben und auch das Herz tut mal weh. Das Handwerk der Banalität und die großen Gesten beherrschen Tauchen dabei vorzüglich. Textlich verhandelt man das Poetische im Alltag oder das Überwältigende in Liebe und Freundschaft.
Musikalische Experimente findet man trotz kompositorischer Finesse und breit aufgestelltem Genrespektrum eher keine. Man hat vieles schon an anderen Stellen gehört. Der etwas konstruiert wirkende Parforceritt durch den zeitgenössischen Indiepop bleibt aber legitim – weil man es kann. Ein Debüt, das vielen gefallen wird.

Das Album »Alles« von Tauchen erscheint am 13. März 2026 bei Sad Wellness Records. Live zu erleben ist die Band tags darauf bei der Releaseshow im Club Luzia in Wien.