Wie man dem Leben nach einem Schicksalsschlag neu begegnen kann, das ergründet Adrian Goiginger in »Vier minus drei«. Zwischen dem Verlust ihrer Familie und ihrem Dasein als Clownin findet Barbara, gespielt von Valerie Pachner, einen Weg, mit ihrer Trauer umzugehen.

Barbara und ihr Ehemann Heli sind professionelle Clown*innen – sie im Krankenhaus, er auf der Bühne. Mit ihren beiden bezaubernden Kindern Fini und Thimo führen sie ein von Liebe und Lachen erfülltes Familienleben. Dass sich das innerhalb weniger Sekunden schlagartig ändern kann, muss Barbara schmerzlich feststellen, als Heli und die beiden Kinder bei einem tragischen Verkehrsunfall sterben. Das Leben, wie sie es kannte, gibt es nicht mehr. Doch als Clownin weiß Barbara, dass man diesem Verlust auch auf Umwegen begegnen kann.
»Vier minus drei«, unter der Regie von Adrian Goiginger, basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Barbara Pachl-Eberhart. Eine wahre Geschichte über Liebe, Hoffnung und die Grenzen von Kunst, die bei aller Komik tragischer nicht sein könnte.
Was hat dich an der Rolle der Barbara interessiert?
Valerie Pachner: Adrian (Goiginger, Anm.) kam schon vor Jahren bei der Berlinale auf mich zu und pitchte mir die Idee zum Film. Schon damals fand ich diesen Kontrast einer Clownfigur und einer Person, die so einen krassen Schicksalsschlag erleidet, überaus spannend. Als ich dann Barbara Pachl-Eberharts Buch las und mich mit ihrer Geschichte näher auseinandersetzte, beschäftigte mich vor allem auch der Gedanke, wie jemand überhaupt auf diese Weise mit so einem Schicksalsschlag umgehen kann. Wenn mir das passieren würde, würde ich, glaube ich, ganz anders reagieren. Ich wäre wohl eher wütend und würde mich fragen, »warum ich?«, weil es mir schon bei kleineren Dingen so geht. Dieser Zugang hat mich also wahnsinnig fasziniert.
Wie hast du dich für diese emotionale und schmerzerfüllte Geschichte vorbereitet?
Lustigerweise habe ich mich gar nicht konkret auf die emotionale Sphäre vorbereitet, sondern mehr auf das Clownsein, die Familiendynamik und das Mindset, das diese Figur haben muss. Für mich war schon allein die Vorstellung dieser Situation, in der Barbara ist, so berührend und traurig, dass ich mir da emotional gar nicht viel mehr holen musste. So funktioniere ich aber generell in meinen Rollen. Mir geht es mehr um das große Ganze und das Eintauchen und das Sein in einer Welt. Wenn das für mich alles klar ist und ich weiß, wie meine Figur funktioniert, dann kann ich gemeinsam mit ihr durch diese Geschichte gehen, und alles andere kommt von selbst.
Gab es während der Dreharbeiten einen intensiven Austausch mit Barbara Pachl-Eberhart, deren wahre Geschichte der Film ja erzählt?
Barbara war vor allem auf Drehbuchebene sehr stark involviert und sprach viel mit Senad (Halilbašić, Anm.) und Adrian. Auch ich traf mich mit ihr und wir tauschten uns viel über unsere jeweiligen Leben aus. Dadurch, dass sie ihre eigenen Emotionen in ihrem Buch schon genau beschreibt, gab es für mich gar nicht mehr so viele offene Fragen. Sie half mir aber sehr dabei, zu verstehen, wie man in einer derart tragischen Situation trotzdem noch positiv bleiben kann.

»Vier minus drei« nimmt uns mit in ein Universum, das den meisten doch sehr fremd ist. Wie ist dein Verhältnis zur Clownwelt und wie hast du das Eintauchen in diese erlebt?
Vor dem Clownsein hatte ich tatsächlich am meisten Respekt, weil ich das zuvor noch nie gemacht hatte. Ich kannte zwar Clowntheater und hatte in der Schauspielschule auch kurz Clownunterricht, aber richtig an einer Figur zu arbeiten, die außerdem an jener von jemand anderem angelehnt ist, war dann doch noch mal was anderes. Diese Clownwelt, in der so viel Poesie und auch Widerstandskraft steckt, war während der Dreharbeiten ein sehr wichtiger Aspekt.
Und wie viel von dir persönlich steckt in der Rolle drinnen?
Mir war klar, dass diese Figur etwas sehr Feines und auch Persönliches haben muss. Aber natürlich versuchte ich auch, mich an Barbara und »ihrer« Clownin Heidi Appenzeller zu orientieren. Das war darstellerisch schon eine Herausforderung – gerade auch der Schweizer Akzent. Die Clownszenen waren alle improvisiert, und ich wusste, wenn das nicht aus mir selbst kommt, dann wird das schnell merkwürdig. Ich musste meine eigene Clownin finden, sie für mich kreieren. Und mich dennoch Barbaras originaler Figur annähern.
Komik und Tragik lösen sich im Film ständig ab und sind so beide stets präsent. Inwiefern habt ihr diese beiden Ebenen während der Dreharbeiten voneinander getrennt?
Es wurde schon versucht, das ein bisschen auseinanderzuhalten, aber im Endeffekt mussten wir ziemlich hin- und herspringen. Wie das so ist beim Film, hängt das natürlich von sehr vielen Faktoren ab und richtet sich oft nach den Locations. Die Aufnahmen im Krankenhaus zum Beispiel, die in Deutschland stattfanden, sind auf der einen Seite diese lustigen Clownszenen, auf der anderen aber diese tragischen Momente mit Fini und Thimo, die viele Emotionen abverlangten. Es war also tatsächlich immer beides sehr präsent.
Fühlt man sich als Schauspielerin von so intensiven Emotionen selbst manchmal überwältigt? Wie holt man sich da wieder raus?
Ja, es nimmt mich immer wieder mit. Man gewöhnt sich auch nicht wirklich daran. Gerade bei so einem Film, bei dem es auf emotionaler Ebene sehr intensiv werden kann, lasse ich das Raustreten während des Drehs teilweise sogar weg. Ich nehme diese Gefühle dann eher mit, weil auch gar nicht so viel Zeit dafür ist, immer wieder neu einzusteigen. Das große Loslassen findet für mich dann erst im Anschluss an die Dreharbeiten statt. Das braucht dann auch seinen Raum.
An einer Stelle im Film sagt deine Figur: »Ich wünschte, ich wäre manchmal wirklich Heidi Appenzeller. Die wüsste, was zu tun wäre.« Inwiefern hat diese Rolle deinen Blick auf das Leben verändert? Was können wir alle davon mitnehmen?
Abgesehen davon, dass der Film von tiefer Trauer erzählt, und davon, wie man mit schweren Schicksalsschlägen umgehen kann, geht es für mich auch darum, wie man das Leben so annehmen kann, wie es ist. Es erzeugt enormen Druck, ständig sein Leben neu gestalten und Träumen hinterherjagen zu müssen. Wie bei Heli, der in einer seiner Clownszenen von einem riesigen Ballon erdrückt wird. Für mich geht es ganz stark darum, das Leben so anzunehmen, wie es kommt – und das, was nicht ist, auch loslassen zu können. Deshalb ist das Clownsein für mich so etwas Besonders: ein einfaches Menschendasein, das nicht davon geprägt ist, dass alles perfekt und optimiert sein muss. Clown*innen arbeiten mit ihren Fehlern, ihrem Scheitern und damit, was sie nicht können. Ihre Stärke ist, das Leben und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und im kleinen Wunder etwas Positives für das eigene Dasein zu finden.
»Vier minus drei« feierte im Februar 2026 bei der Berlinale seine Weltpremiere. Am 6. März läuft der Film in den österreichischen Kinos an.