Verführung und Konfrontation – »The Label« von Farce

Auf ihrem neuen Album »The Label« zeigt Farce zwischen warmen Gitarren, Club­sounds und hämmernden Beats un­nach­ahm­liche Intimität.

© Ela Kielhorn

Ein flehendes Sehnen, ein intimes Gefühl von Über­treibung. Die erste Single­auskopplung »Big Swiss« – benannt nach dem gleichnamigen Roman von Jen Beagin – hat bereits den Takt für das neue Farce-Album »The Label« vorgegeben. Bei dem Alt-Pop-Track vibrieren die Bässe, während mit süßer Stimme von Verführung und Begehren gesungen wird. Farce thema­tisiert das berauschte Gefühl eines Crushes: so sehr zu wollen und gleichzeitig so sehr gewollt zu werden.

Dieselbe Stimmung zeigt sich bei »Migraine Sex«. Die Mischung aus Over-Stimulation und liebe­voller Nähe drückt sich textlich wie klang­lich aus – etwas, das sich durch das ganze Album zieht. Durch die laut dröhnende Verletz­lich­keit des Songs werden die Lyrics zu einer Offen­barung der eigenen Ängste: »I can’t see anything / Out of my reach / And I can’t be anything, anything / Unfortunately«. Auch der Track »Going to the People Museum« dreht sich um das Gewollt­werden, wenn auch über mehere Ecken: »Like a second hand shiver from a nico­tine pen«.

Clubsounds und Attitüde

Der Opener »Deeply Strange People« thematisiert hingegen elterliche Einflüsse sowie die Frage, wie man diese tief­sitzende Prägung über­winden kann. Die ener­getischen Strophen fügen sich in die Grund­stimmung des Albums ein und werden durch den zurück­genommenen Refrain konterkariert. Weiter hinten auf »The Label« nimmt »Skin on Skin« dann eine gereiftere, abgeklärtere Perspektive auf Eltern­ein­flüsse ein. Über Club­sounds bittet Farce ihr Gegenüber dort um große Vertrauens­versprechen.

Auf »Culture Vulture« wiederum begibt sich Farce in die Position der kontrollierenden Szene­insiderin, die ihr eigenes Ding durchzieht und wenig für die titel­gebenden Geier übrig hat. Diese selbst­sichere Attitüde ist auch beim abschließenden »Tar« hörbar. Nun melan­cholischer, aber weite­rhin mit starker Stimme: »Why would I even bother / To explain to you / What I can and can­not do«. Somit beendet Farce ein Album, auf dem sie sich verletztlich zeigt, gestärkter denn je – nicht trotz, sondern wegen der merk­lichen Vulnerabilität.

Farce »The Label« (Bild: Ela Kielhorn)

Das Album »The Label« von Farce erscheint am 26. Juni 2026. Die nächsten Konzert­termine der Musikerin: 26. Juni, Wien, Titanic — 10. September, Wien, Flucc — 22. Oktober, Graz, Orpheum — 24. Oktober, Salzburg, Arge Kultur.

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...