Auf ihrem neuen Album »The Label« zeigt Farce zwischen warmen Gitarren, Clubsounds und hämmernden Beats unnachahmliche Intimität.

Ein flehendes Sehnen, ein intimes Gefühl von Übertreibung. Die erste Singleauskopplung »Big Swiss« – benannt nach dem gleichnamigen Roman von Jen Beagin – hat bereits den Takt für das neue Farce-Album »The Label« vorgegeben. Bei dem Alt-Pop-Track vibrieren die Bässe, während mit süßer Stimme von Verführung und Begehren gesungen wird. Farce thematisiert das berauschte Gefühl eines Crushes: so sehr zu wollen und gleichzeitig so sehr gewollt zu werden.
Dieselbe Stimmung zeigt sich bei »Migraine Sex«. Die Mischung aus Over-Stimulation und liebevoller Nähe drückt sich textlich wie klanglich aus – etwas, das sich durch das ganze Album zieht. Durch die laut dröhnende Verletzlichkeit des Songs werden die Lyrics zu einer Offenbarung der eigenen Ängste: »I can’t see anything / Out of my reach / And I can’t be anything, anything / Unfortunately«. Auch der Track »Going to the People Museum« dreht sich um das Gewolltwerden, wenn auch über mehere Ecken: »Like a second hand shiver from a nicotine pen«.
Clubsounds und Attitüde
Der Opener »Deeply Strange People« thematisiert hingegen elterliche Einflüsse sowie die Frage, wie man diese tiefsitzende Prägung überwinden kann. Die energetischen Strophen fügen sich in die Grundstimmung des Albums ein und werden durch den zurückgenommenen Refrain konterkariert. Weiter hinten auf »The Label« nimmt »Skin on Skin« dann eine gereiftere, abgeklärtere Perspektive auf Elterneinflüsse ein. Über Clubsounds bittet Farce ihr Gegenüber dort um große Vertrauensversprechen.
Auf »Culture Vulture« wiederum begibt sich Farce in die Position der kontrollierenden Szeneinsiderin, die ihr eigenes Ding durchzieht und wenig für die titelgebenden Geier übrig hat. Diese selbstsichere Attitüde ist auch beim abschließenden »Tar« hörbar. Nun melancholischer, aber weiterhin mit starker Stimme: »Why would I even bother / To explain to you / What I can and cannot do«. Somit beendet Farce ein Album, auf dem sie sich verletztlich zeigt, gestärkter denn je – nicht trotz, sondern wegen der merklichen Vulnerabilität.

Das Album »The Label« von Farce erscheint am 26. Juni 2026. Die nächsten Konzerttermine der Musikerin: 26. Juni, Wien, Titanic — 10. September, Wien, Flucc — 22. Oktober, Graz, Orpheum — 24. Oktober, Salzburg, Arge Kultur.