Schnaps und Ständchen – Konzertfotos: Wolf Alice in Wien

Dass Sängerin Ellie Rowsell am Tag des Wolf-Alice-Gigs in der Arena Wien Geburtstag hatte, ist einer der Gründe dafür, dass der Konzertabend zu einem besonderen werden sollte.

© Stephan Brückler

Das nach einem Regenguss frisch gewaschene Open-Air-Areal der Arena Wien ist gut gefüllt, das bunt gemischte Publikum schon bei Konzertbeginn in bester Stimmung. Mit dem Opener »Bloom Baby Bloom« wird gleich mal die Richtung des Abends vorgegeben: Es wird schnell und laut. Die Band rund um Ellie Rowsell und Joff Oddie blüht auf, von Fragilität keine Spur. Bei »White Horses«, einer der stärkeren Nummern des neuen Albums »The Clearing« und getragen von Schlagzeuger Joel Ameys Stimme, brillieren Wolf Alice.

Dann ein besonderer Moment: Bassist Theo Ellis, der das gesamte Set über eine solide, groovende Bassline liefert, fordert die mehr als willige Menge dazu auf, Ellie Rowsell ein Geburtstagsständchen zu bringen. Ein Glaserl Schnaps wird auf ex getrunken und in alter Rock-’n’-Roll-Manier über die Schulter entsorgt – und weiter geht’s.

Mit dem etwas überproduzierten »Just Two Girls« wird es zunächst ruhiger, wodurch spürbar Energie verloren geht. »Bros« führt die Band dann zurück zum Indierock. Aus dem Publikum werden Rosen auf die Bühne gereicht, die Rowsell mit Verve mitten im Song zurück in die Menge pfeffert. Auch »The Sofa« dreht den Pegel etwas runter, wobei diesmal die Stimmung nicht einbricht: Vielmehr wirkt es wie ein kurzes gemeinsames Durchatmen.

Auffällig und lautstark

Mit blau-rotem Stroboskoplicht und Megafon wird die Stimmung anschließend wieder angeheizt. Die Energie von »Yuk Foo« überträgt sich unmittelbar auf das mithüpfende Publikum. Rowsells Bühnenpräsenz – diesmal ist sie komplett in Schwarz gekleidet – trägt einiges zur Ausgelassenheit bei. Auffällig und lautstark präsent ist auch ihre Flying-V-Gitarre, die bei »Smile« eindrucksvoll zum Einsatz kommt.

Einer der schönsten Momente des Abends: »The Last Man on Earth«. Das Klavier zu Beginn und vor allem die Interaktion mit dem Publikum erinnern an einen »Coldplay-Moment«. Plötzlich wird aus der Menge ein kleines Lichtermeer, positive Energie breitet sich aus. Sie überträgt sich von der Bühne ins Publikum, erreicht jeden Einzelnen.

Eine weitere Beobachtung, die bleibt und zum Nachdenken anregt: drei Songs, die beim Konzert in umgekehrter Reihenfolge gespielt werden, thematisch aber die Geschichte einer Person fortsetzen, nämlich »Don’t Delete the Kisses«, »The Last Man on Earth« und »The Sofa«: mit 24 die Angst, etwas zu verlieren, das noch gar nicht da ist, mit 28 das »ich gegen die Welt« und mit 33 schließlich das Aufhören, sich selbst ständig zu hinterfragen. Darüber lässt sich ausgiebig grübeln, was in starkem Kontrast zum energiegeladenen Konzert steht.

Mit vier Zugaben und zwei Stunden Spielzeit gibt es in Wien nicht das reguläre Tourprogramm, sondern einen echten Ausnahmeabend. Sechs Songs aus dem aktuellen Album, dreizehn aus dem Archiv und das Nirvana-Cover »Smells Like Teen Spirit«. Ein Statement. Und das Set bot jene Ecken und Kanten, die speziell das aktuelle Album etwas vermissen lässt. Während die Songs, die in den Charts und bei Awards reüssieren, oft auf Perfektion getrimmt sind, kommen die schnellen, lauten Nummern – bei denen die Band merklich besonderen Spaß hat – live umso besser zur Geltung.

Das Konzert von Wolf Alice fand am 19. Juli 2026 am Open-Air-Gelände der Arena Wien statt.

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