Die zwölf chinesischen Tierzeichen und die Legende vom Wettrennen

Das chinesische Tierkreissystem umfasst zwölf Tiere, die gemeinsam einen Zyklus von zwölf Jahren bilden. Die Reihen­folge lautet: Ratte, Ochse, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund und Schwein. Anders als beim europäischen Tierkreis geht es hier nicht um Abschnitte eines Himmels­bogens, sondern um eine Abfolge von Jahren, die sich nach zwölf Durchgängen wiederholt.

Die zwölf chinesischen Tierzeichen und die Legende vom Wettrennen
© White Label Link Building Agency — Die zwölf chinesischen Tierzeichen und die Legende vom Wettrennen

Wer sich für die Bedeutungen von »sign« und »signs« im Deutschen interessiert, von den Stern­zeichen über die Verkehrs­zeichen bis zu den Gebärden, findet eine geordnete Übersicht auf signs-at.com.

Woher das System stammt

Der Ursprung des Zwölf­jahres­zyklus wird meist in der Han-Dynastie verortet, also in der Zeit von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr. Einzelne Elemente sind allerdings älter und lassen sich bis in frühere Epochen zurück­verfolgen. Eine exakte Jahreszahl für die Entstehung des Systems in seiner heutigen Form gibt es nicht.

Für die Zeitrechnung hatte diese Einteilung einen hand­festen Nutzen. Ein wieder­kehrender Zyklus aus zwölf benannten Einheiten lässt sich leichter merken und weiter­geben als eine fortlaufende Zählung, und die Tiernamen funktionierten dabei als Merkhilfe.

ZUR INFORMATION! Der chinesische Tierkreis und der westliche Tierkreis sind zwei voneinander unabhängige Systeme. Sie lassen sich nicht ineinander umrechnen, und ein Zeichen aus dem einen System hat keine Entsprechung im anderen.

Die Legende vom Wettrennen

Zur Entstehung der Reihenfolge gibt es eine Erzählung, die bis heute weiter­gegeben wird. Einer Le­gende nach wollte der Jade­kaiser die Zeit­rechnung ordnen und lud zu diesem Zweck alle Tiere zu einem Wett­rennen ein. Die ersten zwölf, die den Fluss überquerten, bekamen einen Platz im Tierkreis.

Damit erklärt die Erzählung nicht nur, welche Tiere überhaupt auf­genommen wurden, sondern auch, in welcher Reihen­folge sie stehen: Die Position im Zyklus entspricht der Reihen­folge der Ankunft. Die Ratte eröffnet den Zyklus, das Schwein be­schließt ihn.

Geschichten dieser Art sind keine historischen Berichte. Sie liefern eine nach­trägliche Begründung für eine Ordnung, die bereits bestand, und genau das macht sie als Merkhilfe so brauchbar. Die Reihen­folge der zwölf Tiere ist willkürlich, sobald man sie aber als Wettlauf erzählt, bleibt sie hängen.

Die zwölf Zeichen im Überblick

Für die folgende Übersicht wurden neben den deutschen Tier­namen auch die Pinyin-Umschrift und das jeweilige Schrift­zeichen zusammengestellt. Das hat einen ein­fachen Grund: Mit den deutschen Namen allein kommt man bei der Suche nach weiter­führenden Quellen kaum weiter.

ENDEPinyin (字符)Kurz
RatRatteshǔ (鼠)Cleverness, Beginn des Zyklus
OxOchseniú (牛)Fleiß, Verlässlichkeit
TigerTigerhǔ (虎)Mut, Impulsivität
RabbitHasetù (兔)Sanftmut, Takt
DragonDrachelóng (龙)Kraft, Glück
SnakeSchlangeshé (蛇)Intuition, Weisheit
HorsePferdmǎ (马)Energie, Tempo
GoatZiegeyáng (羊)Kunstsinn, Sanftheit
MonkeyAffehóu (猴)Erfindungsgabe
RoosterHahnjī (鸡)Genauigkeit, Direktheit
DogHundgǒu (狗)Treue, Gerechtigkeitssinn
PigSchweinzhū (猪)Großzügigkeit, Behaglichkeit

Die Kurzcharakteristik in der letzten Spalte gibt wieder, welche Eigen­schaften dem jeweiligen Tier traditionell zugeschrieben werden. Sie ist als Merkhilfe gedacht und nicht als Deutung.

Unterschied zum westlichen Tierkreis

Die beiden Systeme unterscheiden sich schon in dem, worauf sie sich beziehen.

Der westliche Tierkreis teilt die Ekliptik, also jenen Himmelsbogen, auf dem die Sonne im Lauf eines Jahres von der Erde aus zu sehen ist, in zwölf Abschnitte. Welches Zeichen einer Person zuge­ordnet wird, hängt vom Sonnen­stand im Moment der Geburt ab. Die Zu­ordnung wechselt daher innerhalb eines Jahres zwölfmal, und die Grenzen verlaufen mitten durch die Monate.

Das chinesische System arbeitet dagegen mit einem Zyklus von zwölf Jahren. Die Zu­ordnung bleibt für ein ganzes Jahr gleich und wechselt erst mit dem nächsten.

Auch die Namen decken sich nur teilweise. Im west­lichen Tierkreis stehen Widder, Stier, Krebs, Löwe, Skorpion und Fische, im chi­ne­sischen Ochse, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Schwein und Ratte. Dass in beiden Systemen Tiere auftauchen, ist die einzige Gemeinsamkeit.

ACHTUNG! Im Deutschen heißt es auch hier Zeichen, nicht Bild. Die For­mu­lierung »chinesisches Tierzeichen« ist korrekt, »chinesisches Tiersternbild« dagegen nicht, weil es sich eben nicht um Sternbilder handelt.

Was man sich merken sollte

Ehrlich gesagt, ist der interessanteste Teil an diesem System nicht die Deutung der ein­zelnen Tiere, sondern die Konstruktion dahinter. Zwölf Namen, eine feste Reihenfolge, ein Zyklus, der sich alle zwölf Jahre wiederholt, und eine Erzählung, die genau diese Reihenfolge begründet. Das er­gibt ein Ordnungs­system, das ohne Schrift und ohne Kalender auskommt und trotzdem über Jahr­hunderte stabil bleibt.

Wenn du mit englischsprachigen Quellen arbeitest, hilft die Tabelle oben beim Übersetzen. Wenn du chinesische Quellen suchst, kommst du mit Pinyin und Schrift­zeichen deutlich weiter als mit die deutschen Tiernamen.

Verantwortlich für den Inhalt: White Label Link Building Agency, Pirmahal, Punjab, Pakistan

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