Fever

Glitzerstep
Dubstep-Freigeist 2562 wühlt sich durch die Disco-Platten seiner Kindheit und zaubert durch feinfühliges Sampling eine der schillerndsten Dubstep-, Post-Dubstep-, Electronica-, Whatever-Platten der Gegenwart.

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Dubstep und sämtliche Spielarten davon haben schon längst das, was gemeinhin als Electronica firmiert, vom Thron der angesagten Home-Listening-Elektronik gestoßen. Beatbastler wie 2562 verkörpern den Zeitgeist einer sich im Wandel befindenden Electronica-Kultur und sind deren neue Stars. Der Terminus Wunderkind wurde in den letzten Jahren so oft in Zusammenhang mit jungen Dubstep bzw. Post-Dubstep-Produzenten strapaziert, dass man meinen könnte, es handle sich hierbei schon um ein neues Subgenre. Acts wie Pariah, James Blake, Floating Points oder Joy Orbison, die quasi direkt nach dem Schulabschluss von der Musikpresse hofiert wurden, verkörpern die Speerspitze der englischen Wunderkinder-Armee.

Ein bisschen älter als die eben Genannten, kein Brite, aber ebenfalls ein Dubstep-Produzent mit überaus virtuosem Output ist der Holländer 2562. Auf seinem bereits dritten Album werkelt er an einer höchst originellen Symbiose aus alten Disco-Samples, verspielt subtilen Melodiefiguren und reduziert stolpernden Beats mit Durchschlagskraft. Der Dubstep von »Fever« lebt nicht nur von der Kraft seiner reduzierten Beats, Claps und Hi-Hats, sondern vor allem von sehr überzeugendem Sampling. Die Disco-Versatzstücke verkommen auf »Fever« nie zu platter Retro-Emotion, sondern werden schlau und nuanciert eingearbeitet. Besser gesagt besteht die Musik zur Gänze aus diesen Samples – jeder einzelne Ton von kleinsten Background-Noise bis zum fettesten Sub-Bass. Diese Sound-Fragmente sind meistens nicht mal als Samples der Disco-Ära erkennbar, sondern werden zu post-dubsteppigen Chords, Flächen und Beats gemorpht, die im internationalen Beatbastler-Rennen mindestens gleichauf mit Joy Orbison und Konsorten liegen.

Hier schwingt so viel Musikverständnis und Soul mit, dass sogar Zuschreibungen wie Dubstep schwer fallen. Viel eher handelt sich um ein genre-übergreifendes Electronica-Album, das Broken Beats, HipHop, House und Groove zu einem atemberaubenden Sound vermengt. Ja, selbst beim Schielen Richtung Techno landet 2562 nicht im Gatsch, sondern schlägt große Wellen. Sogar der Vergleich mit Meistern wie Aphex Twin liegt nahe. Ja, so wurde Disco bisher noch nie zitiert.

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