Der Jazz macht die Musik

Der edelste Beat-Ritter aus ganz Los Angeles hört auf den Namen Flying Lotus. Ihn großartig zu finden gehört zum guten Ton. Und seine guten Töne wurden gerade noch viel edler.

Sein neuestes Album ist der musikalischste elektronische Blockbuster des Jahres. Und auf allen Kanälen wird kräftig mitgehypt. An Flying Lotus kommt irgendwie niemand mehr vorbei. Alle Lager können sich auf ihn einigen. Flying Lotus ist Konsens. Statt Beat-Wunderkinderei steht jetzt eher Jazz auf der Speisekarte. Haute Cuisine ist nun nicht jedermanns Sache, aber FlyLo kann sich das leisten.

Jazz-Fusion

Der Anfang der 80er geborene Steven Ellison alias Flying Lotus ist nicht nur der Großneffe von Jazz-Ikone Alice Coltrane, sondern auch der berühmteste Vertreter seiner Zunft. In seinem Fall handelt es sich um feinspitzige Beatbastelei. Gefühlt machte Flying Lotus schon L.A.-Beatmusik, bevor L.A.-Beatmusik ein hippes Ding war. Sogar EDM-Wasteln wie Skrillex finden Flying Lotus aktuell "totally awesome". Adel verpflichtet. Meistens zumindest. "You’re Dead" zeigt schön, wie Flying Lotus seine Fertigkeiten über die Jahre verfeinert hat und seinen Sound kontinuierlich schleift und weiterentwickelt. Am Massengeschmack schießt FlyLo dieses Mal mitunter wohl auch vorbei. Jazz gibt auf "You’re Dead" maßgeblich den Ton an.

Die so beliebten Beats weichen deutlich in den Hintergrund, umspülen die Musik teilweise nur mehr. Sie sind nicht mehr zentrales und tonangebendes Element der Musik von Flying Lotus. Das schafft Raum für Anderes. Jazz in seinen schillerndsten Farben zum Beispiel. Oder Fusion- und Psychedelic-Verkreuzungen. Ob Beatheads diesen Sound auf Anhieb schlucken, ist fraglich. Vordergründiger Andockpunkt für viele Hörer werden wohl die ab und an darübergestreuten Rap-Parts sein. Diese kommen von prominenten Stimmen wie Kendrick Lamar, Snoop Dog oder FlyLo himself als Captain Murphy. Sie holen den Hörer ein Stück weit zurück in die Jetztzeit. Plötzlich weiß man, dass man sich gerade kein 60er-Jahre-Jazz-Album anhört. Kein Wunder, dass diese Tracks als erste Singles ausgekoppelt werden.

Über alldem thront der Tod, das große Überthema der Platte. Locker flockig geht anders. Aber Warp und vor allem Flying Lotus brauchen sich über einbrechende Sympathiewerte wohl keine Gedanken zu machen. Seinen Status als coolster und gleichzeitig kredibelster Producer der Neuzeit wird er durch eine Jazz-Fusion-Platte nicht einbüßen. Das Album ist nebenher hoch musikalisch, dicht und lotet auf subtile Art neue Soundsphären aus. Man wird das klarerweise feiern. Wenn Flying Lotus Jazz-Fusion zum heiligen Gral erklärt, dann werden ihm seine Jünger sicher folgen. Jazz-Fusion. Ja. Warum eigentlich nicht.

"You’re Dead" von Flying Lotus erscheint am 6. Oktober auf Warp Records.

Bild(er) © Warp
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