Ariel Blau

Ariel Pink krönte den ersten Tag der blauen Songwritervögel. Bei seinem Glamrock-Kindergeburtstagswahnsinn wurden fast die Stühle aus dem Porgy geschmissen.

Das Blue Bird Festival findet jetzt schon zum elften Mal statt und wie jedes Jahr beweist die Vienna Songwriting Association ihr Gespür für ein hochwertiges Line-Up, das auch über Singer und Songwriter hinausgeht.

Das Porgy & Bess war am ersten und einzig nicht ausverkauften Tag schon gut gefüllt, was vielleicht auch den Stühlen vor der Bühne geschuldet war. Den Auftakt machte die Grazer Band Polkov, die vor allem Lieder ihres neuen Albums vorstellte. Die „alten Hadern“ seien ja gar nicht mehr so interessant, witzelte Sänger Laurenz Jandl. Ihrem Folk-Rock blieben sie trotzdem noch treu und das ist gut so. Das Publikum, obwohl noch etwas verhalten, stimmte dem ebenso zu.

Ein Mann und seine Gitarre

Mit Rhob Cunningham aus Irland folgte der erste „klassische“ Singer-Songwriter. Sprich: alleine mit Akustikgitarre und seiner großartigen Stimme, die auch erstaunlich einfach die obersten Lagen erreichte. Diese half ihm auch seine klassischen Folk-Songs etwas spannender zu gestalten. Als kleine Vorschau holte er sich Bernhard Eder und dessen Band auf die Bühne, die ihn für einen Song gesanglich unterstützten. Das funktionierte zwar erst im zweiten Anlauf, doch dem charmanten Iren hatte man so etwas schnell wieder vergeben.

Bernard Eder holte sich für das Blue Bird Festival eine österreichische Allstar-Band auf die Bühne mit Mitgliedern von Velojet, Garish und Nowhere Train. Dementsprechend ausgezeichnet war dann auch ihr Auftritt. Bernhard selber übte sich als geschwätziger Frontman, ertappte sich dabei jedoch selber des Öfteren in eher peinliche Ansagen abzuschweifen.

Ein Stern, der Ariel heißt

Den Abschluss machte Ariel Pink, der für alles andere als gemütliche Folk-Musik steht. Sein avantgardistischer Pop bzw Fake-Glamrock, falls man Genrebezeichnungen bemühen will, wirft mit Tempo- und Rhythmuswechseln nur so um sich, wechselt innerhalb eines Songs dreimal das Genre und bleibt dabei trotzdem noch irgendwie tanzbar. Für Jazzkonzerte eher der Normalfall, wirkte die Bestuhlung direkt vor der Bühne bei Ariel Pink dann doch eher hinderlich. Zwischen den Stühlen haben dann aber zum Ende hin doch noch einige Leute Platz gefunden um zu tanzen. Es war laut, verwirrend und großartig. Der Drummer im Bikini und Cowboy-Hut sollte dabei auch noch erwähnt werden, immerhin verkörpert der an diesem Abend Ariel Pinks Musik fast besser als Ariel Marcus Rosenberg selbst, der mit schwarzem T-Shirt, Wohlstandsbauch und Jeans zumindest optisch nicht so recht in den grandiosen Kindermelodie-meets-Kunst-Wahnsinn passt.

Das Blue Bird findet noch Freitag und Samstag im Porgy und Bess statt. Beide Tage sind bereits ausverkauft.

Fotos von Tag 2 gibt es hier.

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