Christian Fuchs lebt auf »Aura Nera« seinen dystopischen (Alb-)Traum. Ein unheilvoller Roadtrip durch die Dunkelheit unserer Gegenwart.

Die Weltuntergangsuhr steht auf 85 Sekunden vor zwölf. Genau für dieses Gefühl von Dread scheint Christian Fetish aka Christian Fuchs, FM4-Urgestein und ehemaliger Frontman der Gruppe Fetish 69, einen Soundtrack entworfen zu haben. »Aura Nera« setzt an zu einem fiebrigen Roadtrip an Orte der Verrohung. Vor dem inneren Auge breitet sich eine dystopische, in dichte Nebelschwaden gehüllte Landschaft aus, voll von Rauch, Benzingeruch und dem Gefühl, dass etwas Unheilsames in der Luft liegt.
»Ghost in a Machine« und der Titelsong zeichnen eine Welt voller Dunkelheit: »There’s a hell / You can’t ignore it.« Das besungene Unheil ist kein klar umrissener Gegner, sondern eine unsichtbare Bedrohung. Wie ein Schatten im Nebel, etwas, das sich nicht vertreiben lässt. Wer »Twin Peaks« gesehen hat, kennt diese Form des Bösen: diffus, allgegenwärtig – und oft dort auftauchend, wo Menschen am verletzlichsten sind.
Mechanisch und kalt
Nicht nur das abstrakte Böse wird hier verhandelt. Das Album bewegt sich auch zwischen Erschöpfung, Nihilismus und Angst. In »Survival Diary Pt. 2« und »Minus Man« beschreibt Fuchs ein Feststecken: in Partys, Wohnungen, Gedanken. »Mother Insomnia« wirkt hingegen wie ein Protokoll seiner innersten Gedanken bei Schlaflosigkeit. Musikalisch pendelt der Langspieler zwischen postpunkigem Pessimismus (»No Life in Outer Space«), leidenschaftlichem Roadmovie-Rock (»White Line Fever«) und hypnotisch-romantischem Industrial (»Snake Charmer«). Dabei fühlt sich »Aura Nera« wie eine nächtliche Fahrt ohne Ziel an – mechanisch und kalt rollt der Langspieler dahin, Scheinwerfer schneiden durch den Nebel. Im Depeche-Mode-haft minimalistischen »I Will Be Gone« öffnet sich das Album dann in Richtung Postapokalypse: brennende Welten, fliehende Massen, die Katastrophe. Und doch ist es ausgerechnet dieser Song, der einen schaurig schönen Kern freilegt und den Nebel kurz lichtet. Denn selbst im Angesicht des Weltuntergangs bleibt ein Gedanke bestehen – jener an einen anderen Menschen: »Somewhere out there I’ll be thinking of you.«

Das Album »Aura Nera« von Christian Fetish erscheint am 27. Februar 2026 bei Noise Appeal Records. Die nächsten Livetermine: 17. April, Wien, Chelsea — 18. April, Graz, Styrian Sounds — 7. Mai, Innsbruck, PMK.