Dem Schund aufrichtig verpflichtet

Im Gemeindbautheater der besten Wahl zelebriert Erwin Steinhauer fidel die berüchtigten Moff-Comics des Gerhard Haderer – am 22. und 23. Oktober.

Moff. Das klingt schon nach dem ungeliebten Hund, der draußen vor dem Haus im Regen sein tristes Dasein führen muss. Und schon auf Rache per Reinkarnation sinnt. Oder ist es gar die nächste Steigerung der Prädikats-Suchenden nach dem MILF-Boom? Moff, das sind die kleinen Pulp-Zeichnungen des Gerhard Haderer, schnelle Heftln zum Durchblättern und Wegwerfen voller derber Alltagsbeobachtungen – und in ihren besten Momenten gezeichnete Aphorismen übers Leben sozusagen.

Der begnadete Zeichner Gerhard Haderer bezeichnet seine regelmäßigen Publikationen voller Comic-Strips selbst als Schundhefte. Und lebt sich ungeniert mit Attacken auf den simplen Alltag wie weithin wenig geliebte Mitmenschen aus. Die wachsende Gemeinde der Schmökernden geht da schon als Adelung durch. Die Fama besagt, dass Erwin Steinhauer mal so nebenbei im Gespräch feststellte, dass die Comics einen Gutteil der politischen Bildung seines Sohnes übernehmen. Natürlich fachkundig erläutert vom Vater selbst. Dem folgte der Gedanke seitens Haderer, ob man das nicht für eine breitere Audienz mit gehobenem alter auch so halten könnte. Aus dem Versuch einer Interpretation der Strips auf offener Bühne entwickelte sich dieses Jahr dank regem Zuspruch „Moof – die Scherz & Schund Revue“ . Steinhauer liest und lebt alle Personen, Geräusche-Künstler Wodo gibt die Beschallung. Dazu werden die von den Sprechblasen gesäuberten Zeichnungen groß projiziert. Ja, das funktioniert. Sehr gut sogar.

Erwin Steinhauer im Gespräch:

Monty Python gingen mit immer mehr Geld langsam vom Kabarett zum Film. Zeichnungen wurden zunehmend szenisch umgesetzt. Ein Weg, den MOFF des Weiteren von der Bühne weg gehen könnte?

Nein. Das ist so wie es ist. Jeder Comic-Strip ist für sich selbst eine Theaterszene und bringt die eigene Phantasie ins Spiel. Ich synchronisiere nur die Handelnden. Denn der eigene Kopf hat noch immer die beste Phantasie.

Wie wurde an der Weiterführung der ersten Umsetzungen gearbeitet?

Wir machen keine Wiederholung, es ist eine Fortsetzung mit neuen Strips. Natürlich arbeiten wir daran. Das Publikum spricht das Urteil und wir feilen daran, dass der Ablauf richtig ist.

Schundheftln müssen nichts können. Wobei manche der klassischen Schundromane ja fast schon wieder ein Qualitätszertifikat haben müssten.

Für mich sind das gute politische Aufklärungshefte.

Neben der Politik ist auch die Kirche immer wieder Thema in den Strips. Liegen sie auch in dieser Ebene auf einer Linie mit Haderer?

Absolut. Wir treffen und da sehr schön.

Auf der kirchlichen Ebene laufen ja schon länger Diskussionen um die Art des Unterrichtes in Schulen. Inwieweit ist politische Bildung in der heutigen Schule noch adäquat umgesetzt und damit relevant?

Politische Bildung ist mehr denn je wichtig als Teilnahme an der Res Publica. Interessiert dich die Politik nicht, interessiert sich die Politik nicht für dich.

Sie sind mittlerweile auf einem Status eines Doyens der heimischen Szene angelangt. Vom Kabarett über das Theater, den Film bis zu Politik und ORF hatten sie viel Einblick. Zuviel davon versaut einem oft die ungetrübte Liebe zum Objekt. Was lebt für sie noch fidel?

Mir wird schnell fad und zuviel Routine macht eben keinen Spaß. Ich habe darauf geachtet, mir den homo ludens zu erhalten. Der kindliche Mensch bewahrt, hält jung und gibt Energie.

Moof – die Scherz & Schund Revue

22. & 23. Oktober, 20 Uhr

Rabenhof Theater

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