Ein Königreich für einen Pilz

Wie ein kleines Schwammerl auszog, seine Freundin zu retten. Und ganz nebenbei zu einem Star am Nintendo-Himmel wurde.

Nintendo wird gerne vorgeworfen, keine frischen Ideen mehr zu besitzen. Manche böse Zungen behaupten gar, die Japaner veröffentlichen ihre alten Spiele einfach wieder. Mit "Captain Toad: Treasure Tracker" wird nun ein altbekannter Nebencharakter erstmals zum Helden gemacht, der seinen ganz eigenen Stil mitbringt – und Kritiker Lügen straft.

Captain Toad bewegt sich durch dioramaähnliche, meist viereckige Mini-Levels, wo er durch Röhren flutscht, Schalter aktiviert und Rüben aus dem Boden rupft, die er anschließend auf seine Gegner schleudert. Ziel eines jeden Levels ist, den dort versteckten bzw. nur schwer erreichbaren goldenen Stern zu erhaschen. Die Geschichte ist ähnlich rudimentär gehalten wie bei Mario – Freundin wird entführt und muss gerettet werden.

Von wegen Jump’n’Run

Erstaunlicherweise wars das aber auch schon mit der Gemeinsamkeit. Denn der tollpatschige Pilzkopf muss ohne Sprungfähigkeit auskommen – allein deshalb passt es nicht in gängige Jump’n’Run-Kategorien. Anstelle präziser Sprünge und schneller Reflexe verlangt das Game nach räumlichem Vorstellungsvermögen und ein wenig Rätselaffinität.

Da das pummelige Schwammerl ein ordentliches Handicap in puncto Bewegung aufweist – träge, langsam, keine Springkraft – , hat Nintendo das Verhalten der Feinde klug angepasst: Fische schwimmen in gleichen Bahnen, Vögel picken auf dieselbe Stelle und Geister lassen sich praktischerweise mit der Stirnlampe abwehren.

Nintendo-Charme statt Spannung und Action

Das alles ist alles andere als aufregend oder besonders fordernd, aber stets unterhaltsam und – das ist beinahe das Wichtigste – versprüht den berühmten Nintendo-Charme. Und dem kann man sich bekanntlich nur schwer entziehen; das kann nicht jeder Titel der Japaner von sich behaupten.

"Captain Toad: Treasure Tracker" hat das Zeug, eine neue, eigenständige Serie einzuläuten. Eine ohne Allüren und (leider) auch ohne große Innovationen, dafür mit Herz und Charme. Ein bisschen Saft scheint Big N jedenfalls noch zu besitzen.

"Captain Toad: Treasure Tracker" ist bereits für Nintendo erschienen.

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