Freunderlwirtschaft

Es ist wieder Zeit für kleine Auszüge aus meinem Tagebuch. Diesmal steht der Monat August an. Leider ist es so, dass ich mit diesen Teilveröffentlichungen gleich gegen mehrere meiner Prinzipien verstoße.

Erstens mache ich nämlich dabei implizit Werbung für die Veranstaltung „Dogma.Chronik.Arschtritt“, eine Lesebühne, die jeden 13. im Monat in der Adria Wien beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet und bei der mein Alter Ego mitwirkt. Zweitens mache ich auch implizit Werbung für den Roman „Mia Messer“ von Mieze Medusa. Die ist bei besagter Lesebühne auch dabei, ja hat sie eigentlich mit Markus Köhle und Nadja Bucher erfunden. Es riecht also alles ein bisschen nach Eigengefälligkeitsjournalismus und Freunderlwirtschaft. Wobei, was die High-End-Checker bei The Gap mit ihren hochtalentierten Elektro- und DJ-Wapplern hinkriegen, kann ich schon lange, vor allem aber zu meinem Gaudium, um ein Hauseck weniger subtil.

1. August: Habe gerade für die Lesebühne am 13. August abgesagt. Bin nämlich auf Urlaub in New York. Eine glatte Lüge. Zwar hab ich Ferien, bin aber in Wien. Will nur nicht schon wieder dort hin. Mieze Medusa war gar nicht enttäuscht ob der Absage. Sie und Köhle sind nämlich auch nicht da. Sie leiten einen Poetry-Slam-Förderkurs oder Workshop in Griechenland.

4. August: War gestern auf einem Konzert von Thurston Moore, der sich von seiner Frau Kim Gordon scheiden hat lassen und deswegen momentan solo und nicht mit Stammband Sonic Youth unterwegs ist. Konzert war ziemlich bestuhlt. Ich dachte vorwiegend an andere Menschen, die auch Moore heißen. Roger Moore, Michael Moore, Demi Moore, Julianne Moore. Aber auch mein Steuerberater Herr Muhr und Murauer Bier fielen mir ein. Ich hatte das Gefühl Thurstons Midlifecrisis mit aufsaufen zu müssen. Jemand sollte dem Mann ein Fax schicken, dass die 90er vorbei sind. Am Heimweg bin ich ein bisschen mit dem Rad gestolpert. Beim Aufwachen war das Bett voller Blut und auf meinem ganzen linken Oberschenkel ist ein blauer Fleck in Form und Farbe des Bodensees. Lebensabschnittsdingsbums schimpfte sehr, als ich ihr die Schwellung in meiner Unterhose zeigte.

5. August: Ich schmiere mir Topfen aufs Hämatom. Es kühlt, stinkt und schwillt noch mehr an. Liege hauptsächlich herum und versuche „Mia Messer“ von Mieze Medusa zu lesen. Ich ärgere mich grün und blau.

6. August: Lebensabschnittsdingsbums wirft mich raus. „Blöd auf der Couch herum liegen kannst du bei deiner Mutter auch. Um 13.27 Uhr fährt ein Zug. Und nimm das Kind mit.“

8. August: Ich weigere mich ins Krankenhaus zu gehen. Stattdessen bestehe ich auf Parkemed, die ich mit Bier runter spüle. Ich muss sagen: Der beste Urlaub seit langem.

10. August: Langsam geht die Schwellung an Hüfte und Oberschenkel zurück. Kann das ziemlich genau beurteilen, da ich täglich zur gleichen Zeit ein Foto mit dem Handy mache. Mittlerweile sieht man von der Seite sogar meine Eier wieder. Schicke diese Erkenntnis als SMS an Lebensabschnittsdingsbums. Postwendend die Antwort: „Mein lieber Freund, das kann nicht sein. Du hast deine Eier vor sechs Jahren bei mir abgegeben.“ Schlucke noch ein Parkemed und ziehe mich wütend aufs Klo zurück: Zum Rachewichsen.

11. August: Wieder in Wien. Der Schaffner im Zug war aus Kärnten. Er sagte nicht „Vorteilscard“ sondern „VC“, eigentlich reibelautverweichlicht „Fo-cee“. „Ihre Fo-cee ist abgelaufen und Sie sitzen im Damenabteil.“ Ich muss lachen und entschließ mich eine neue Sprache zu lernen. Serbisch vielleicht? Lebensabschnittsdingsbums kommentiert mein Vorhaben lapidar: Lern besser gescheiteres Deutsch.

15. August: Komme bei „Mia Messer“ nicht weiter. Aber die Suppe hab ich mir im Juli selbst eingebrockt, weil ich nicht gleich gemerkt habe, wie mich diese Mieze Medusa böse reingelegt hat. „Warum bespricht bei The Gap eigentlich niemand mein Buch. Und das vom Markus auch nicht.“ „Weil niemand will“, war zwar die korrekte Antwort, aber die Medusa weiß wie sie mich nehmen muss. Sie erzählte mir, dass nicht einmal die Weiber vom feministischen „Anschläge“-Magazin ihr Buch rezensieren. Und das, obwohl es um eine Kunstdiebin geht, die ausschließlich Werke von Feministinnen aus den Museen stiehlt. Ich schimpfte, Mieze wies mich aber darauf hin, dass „verbitterte Neidfotzen“ etwas überzogen ist. Ich sagte es sei im Rahmen der Kolumne Platz für ein Buch. Sie solle entscheiden, ob ihres, oder das ihres Mannes Markus Köhle. „Meines“, sagte Medusa. Nun, jetzt haben wir den Salat.

17. August: Das wird was mit dem Serbischen. Scheint eine sympathische Sprache zu sein. Kleine Kotkügelchen, die im Arschhaar hängen bleiben, nennt man Tarzancic – „der kleine Tarzan“. Wie schön – ich seh’ die Bröckerl direkt vor mir, wie sie sich in der engen, verwucherten Schlucht von Liane zu Liane hangeln und dabei tosende Urwaldlaute ausstoßen. Da können wir mit unseren Winterkirschen echt einpacken.

19. August: Habe Notiz auf einem Einkaufszettel entdeckt: „Kolumne schreiben, über einen, der eine Gurke am Naschmarkt kauft, die 1:1 aussieht wie sein Pimmel.“ Stutzig macht mich aber die Notiz zur Notiz: „0676 54 xxx xx anrufen, O. K. einholen.“ Rufe an, hebt niemand ab. Kann auch nicht, ist meine eigene Nummer.

22. August: Ich werde von Frauen verfolgt, die in der Öffentlichkeit den Sadomasosoftschmarren „Shades of Grey“ lesen. Ich frage mich, ob es denen und mir besser ginge, wenn ich die mal ordentlich windelweich prügelte.

25. August: Habe bald meine erste Million. Allerdings nicht so, wie man sich das vorstellt. Mein Buch, rangiert bei Amazon auf Verkaufsrang 954.576. Zum Vergleich: Mia Messer steht bei Rang 389.068

26. August: Soda, war einkaufen. Mit Liste, weil ich immer die Hälfte vergesse zwingt mich Lebensabschnittsdingsbums dazu alles aufzuschreiben. Das Problem dabei. Ich kann meine eigene Schrift oft nicht lesen. Darf man in so einem Fall um Hilfe fragen? Besser nicht, kann peinlich werden: Ich: „Tschuldigung, wo find ich denn hier bitte Litauen?“ Verkäufer: „Da steht Zitronen“.

27. August: Böses Omen? Zufall? Oder einfach nur effektiv? Die H-Milch im Kühlschrank läuft am 21. 12. 12. ab.

29. August: Habe gerade eine Liste unverfänglicher Verkaufsempfehlungen für Mia Messer angefertigt. Weiß aber nicht warum. 1. „Dieses Buch ist ein Milieuzeichen, schon der Besitz zeichnet einen aus und man kann es „denen da unten“ damit ordentlich zeigen.“ (besser nicht, zu kämpferisch) 2. Lest dieses Buch. Und dann gleich noch einmal. Schafft ihr eh nicht.“ (spornt an). 3. Kauft einfach dieses Buch, damit ich eine Ruhe habe.

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