„Ich komm ja nicht ins Gefängnis"

Josef Hader dreht aktuell in Wien seinen Film „Wilde Maus“. Als Schauspieler, Drehbuchschreiber und Regisseur. Wir haben am Set mit ihm geredet.

Morgens 9 Uhr am Praterstern in Wien: Neben alkoholisierten oder zur Arbeit hetzenden Menschen beginnen hier die Dreharbeiten zum neuen Film „Wilde Maus“ mit und von Josef Hader. Im Film geht es um George, der nach seiner Kündigung versucht, sich an seinem ehemaligen Chef zu rächen. Außerdem restauriert der Protagonist tagsüber eine Achterbahn im Prater.

Josef Hader hat ja heuer bereits ganz wesentlich zum weitaus erfolgreichsten österreichischen Kinofilm des Jahres – die Brenner-Verfilmung "Das ewige Leben" – beigetragen. Die letzten drei Jahre lang hat er aber auch am Drehbuch von "Wilde Maus" gearbeitet. Bei diesem Film übernimmt er zum ersten Mal die Regie, spielt aber auch die Hauptrolle. „Momentan ist beides sehr toll“, sagt er zur Doppelfunktion. Nachdem das Drehbuch fertig war, hat er sich gedacht, dass das doch eine gute Idee wäre, um sich in den Regiestuhl zu setzen. Die Vorbereitungen laufen bereits seit mehr als sechs Monaten und dabei genießt er alles, was für andere Filmschaffende schon langweilige Routine ist. Den ganzen Tag Aufgaben eines Regisseurs erledigen ohne Schauspiel, ist aber nicht so sein Ding. Die Abwechslung macht’s.

Hader wechselt den gesamten Morgen über professionell zwischen der Rolle des Regisseurs, Hauptdarstellers und Interviewpartners. Sobald es eine kurze Pause gibt, kommt er auf die Leute von der Presse zu und stellt sich den Fragen. Unser Interview wird dreimal unterbrochen, weil er in anderen Positionen andauernd wieder gebraucht wird. Multitasking ist gefragt. Den Job scheint er aber souverän und gelassen hinzubekommen. Das hat auch einen Grund. „Es ist so, dass das Ganze funktioniert, weil ich mir Mitarbeitende ausgesucht habe, denen ich vertraue“, meint Hader. Das Drehbuch, das er sich in seinem Kammerl zuhause ausgedacht hatte, versucht er loszulassen und gibt sich offen für Veränderungen.

Auto schrotten

Aber nicht nur Hader hat bei diesem Projekt ein Debüt. Bei der Szene, die wir uns mit angesehen haben, stand Taro Morikawa, der sonst als Sänger und Model arbeitet, zum ersten Mal als Schauspieler vor der Kamera. Er spielt einen wütenden japanischen Koch, der aus Rache das Auto des Protagonisten mit einer Pfanne demoliert.

Doch bevor es losgeht, wird noch geprobt und das Set vorbereitet. Einen Tag vorher konnte Taro an einem anderen Auto proben und es zerstören, am Drehtag tut es eine Küchenrolle zum Warmwerden. Skurriler Anblick, auch weil zwischendurch jemand laut nach der Assistentin Lena ruft, die doch bitte „die Vogelscheiße wegmachen“ soll, die am Auto ist. Wichtige Einzelheiten für den Film. Als Lena dann angerannt kommt, wird sich kurzerhand dafür entschieden die Vogelscheiße doch so zu lassen. Wirkt wahrscheinlich authentischer. Taro meint, dass er beim Drehen sehr nervös war. Anzusehen war es ihm beim Autoschrotten nicht. Es war aber sichtlich schwierig, wie einige Schnittwunden an den Händen zeigen. Gehört wohl zum Berufsrisiko der Branche. Die Scheiben des Autos beim Dreh waren hartnäckiger als beim Probeauto.

Hader entspannt

Veit Heiduschka und Michael Katz sind als Produzenten beim Projekt dabei und waren auch mit am Set. Heiduschka dreht mit seiner eigenen kleinen Kamera das Making Of des Films und schwärmt zwischendurch von Hader. Schon vor Jahren wollte er ihn als Regisseur gewinnen und zu dem Job überreden. Jetzt ist es endlich so weit. Ob Hader die Aufgabe gut gemacht hat, wird sich natürlich am Ende zeigen. Er wirkt jedenfalls relativ entspannt: „Ich komm ja nicht ins Gefängnis, wenn ich einen schlechten Film mache“.

"Wilde Maus" kommt 2016 in die Kinos. Genauer Start ist noch nicht bekannt.

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