In Bestform

Das Wiener Festival für audio-visuelle Kultur Sound:frame startet heuer bereits in die fünfte Runde. Gestern war Pressekonferenz. Acts, Ausstellungen, Performances und Workshops – alles hier.

"Wir thematisieren den prozesshaften Charakter der Live-Performance und das Enstehen von Inhalt und Form in Echtzeit." So fasste Veranstalterin Eva Fischer am 13.01. im Salon 5 im Brick 5 in der Fünfhausgasse 5 im fünfzehnten Wiener Gemeindebezik die Ausrichtung des heurigen Sound:frame-Festivals zusammen. Soll heißen, man wird sich theoretisch und künstlerisch mit dem Schwerpunkt Performance auseinandersetzen.

Auffällig: das Festival wird jedes Jahr besser. Wo andere die Ernte einholen, Luft holen, stagnieren, sich auf einem Titel wie "Kreative des Jahres 2010" ausruhen, scheint das Sound:frame mit einem kleinen Team rund um die Uhr am bestmöglichen AV-Erlebnis zu arbeiten. Die Grafik ist im Unterschied zum letzten Jahr wirklich eigenständig und erstklassig (und das, obwohl vom selben Grafiker gemacht), einzelne Festival-Höhepunkte klingen nach einzigartigen Lichtspielen (visualisiertes Free Running, LED-Ballon-Ballett), es gibt viele richtige Kooperationen, die Bookings sind solide bis – für die Grösse des Festivals – hochklassig, man hält am Prinzip des anspruchsvollen, manchmal schwierigen, aber stilsicheren Technoprogramms fest; und überhaupt ist es erstaunlich, dass jedes Jahr eine ordentlich Schaufel Visualkultur nachgelegt wird.

Zum Programm: Was die Visuals betrifft soll das Mixen von Video-Content und digital generiertem Content und die Auswirkungen dieser Mischung auf die Live-Performance im Vordergrund stehen. Wechselwirkungen von Audio und Video und deren genauere Beleuchtung gehören sowieso zu den Sound:frame-Statuten. Im schön gestalteten Präsentationsraum des Salon 5 wurde aber nicht nur über Thema und Ausrichtung des Festivals gesprochen, sondern auch das diesjährige Line-Up präsentiert. Unsere persönlichen Höhepunkte hören auf Namen wie Lindstrom, Pariah, Teebs, Anton Kubikov aka Scsi-9, Machinedrum, John Roberts, Margaret Dygas, Strukt, Ogris Debris, Ryoichi Kurokawa, Luma&Launisch, AntiVJ und zu guter Letzt ATOM (Robert Henke aka Monolake & Christopher Bauder), die ihre einzigartige Luftballon-Visual-Sound-Performance zeigen werden. In Locations wie Market, Ottakringer Brauerei, Fluc+Fluc Wanne, Rinderhalle Neu Marx, Loft und Kunsthalle Project Space ist man heuer auch sehr gut aufgehoben. Das Festival findet von 25 März bis 10. April statt.

Das spannendste des Abends war aber die Vorstellung des neuen Labels Sound:frame AV, das sowohl für physische Veröffentlichungen, Vermarktung und Booking sowie auch als Plattform für Artists fungieren soll. Ein an sich wichtiger Schritt, auch wenn trotz noch so vieler Synergiebemühungen in Richtung Agentur, Sync, etc. Labelgründungen nicht immer und überall als schlaue Entscheidung gelten. Nicht nur unzählige junge Künstler wie Montage Sauvage, Bildwerk, Super E:V/A oder Channel-F werden Teil des Labels sein, sondern auch etablierte Größen wie Strukt oder Ex-Kraftwerk-Mitglied Karl Bartos. Eine Besonderheit repräsentieren die Live AV-Acts. Also audiovisuelle Acts, die gemeinsam speziell choreografierte AV Performances zeigen werden. Dies ermöglicht ihnen Sound und Bild bereits im Vorhinein aufeinander abzustimmen und gemeinsam an Inhalten zu arbeiten. Bei der Pressekonferenz war bereits eine kleine Kostprobe von den AV-Acts Depart, Channel-f, Dandario und deren VJs zu sehen und zu hören. Es gab bei der Veranstaltung allerdings nicht nur Vorausblicke, auch Rückblicke waren in Form zweier Videos dabei. Eines über das letztjährige Festival und eines über die Sound:frame-Reise zur Expo in Shanghai.

“Viele Errungenschaften, wenig Fehler” meinte ein Bekannter anschliessend. So sehen wir das auch und wünschen dem Sound:frame ein unter diesem Stern stehendes Festival 2011.

Weitere Information unter i>www.soundframe.at

(Alle Fotos von Claudio Farkasch – i>www.belichten.com / i>www.lichtschalter.tv)

sound:frame festival trailer 2011 ::: perFORMance from sound:frame on Vimeo.

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