Kunst am Cover

Musik trifft auf Fotografie, Grafik-Design und bildende Kunst, die Rolling Stones auf Andy Warhol, Pink Floyd auf Hipgnosis – das Plattencover vereint Kunst aus mehreren Richtungen. Im Kunstraum Nestroyhof widmet man sich nun den allen andere als leeren Hüllen im Rahmen der Ausstellung „33⅓ – Cover Art“.

© Juan Maiquez

„Pink Floyd – Dark Side Of The Moon“ ist wohl eines jener Werke, bei der die meisten Personen durchaus ein Bild zur im Gehirn ertönenden Musik abgespeichert haben. Verantwortlich dafür zeigte sich die Agentur Hipgnosis, die in Abstimmung mit der Band die Cover gestaltete. So viel Selbstbestimmung wurde Musikerin aber nicht immer zu Teil – einige Plattenfirmen, wie etwa Blue Note oder ECM, versuchten dafür beispielsweise auf ein einheitliches gestalterischen Erscheinungsbild ihrer Cover zu achten.

Und trotzdem ist die Kunst der Album-Cover vor allem eins: abwechslungsreich. In Zeiten, in denen man das musikalische Wunschprodukt noch tatsächlich in der Hand hielt, war das Album Cover das Aushängeschild des jeweiligen musikalischen Produkts. Dabei ging es nicht nur um den „Kauf-mich!“-Anreiz: Bei vielen KünstlerInnen symbolisierte das Album-Cover kreativen Inhalt, bot kontextuelle Inspiration und fasste manchmal gar so große Dinge wie den Zeitgeist. Jetzt ist es ein kleines, buntes Viereck irgendwo in der Ecke des Musik-Players deiner Wahl. Zeit diese Werke, die eine Fusion aus verschiedensten kreativen Disziplinen bilden, wieder ins Rampenlicht zu rücken.

Genau das wird im Rahmen der Ausstellung „33⅓ – Cover Art“ umgesetzt. Ganzen 250 Plattencover von KünstlerInnen wie Sonny Rollins, Janis Joplin, Bob Dylan, Grace Jones oder André Heller wird Raum geboten, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Wir haben uns vorab mit Christine Janicek, künstlerische Leiterin des Kunstraum Nestroyhof  getroffen und über die Ausstellung gesprochen.

Welchen persönlichen Zugang haben Sie zu Fotografie, bildender Kunst und Musik?

Ich bin Musikliebhaberin, solange ich denken kann – schon meine Kindheit war geprägt von den Schallplatten meiner älteren Schwester, dich ich viel öfter gespielt habe als sie selbst. Mein erstes Konzert mit 13 Jahren waren die Rolling Stones in der Stadthalle und spätestens ab da war die Musik eine tragende Säule in meinem Leben. Das Interesse für bildende Kunst kam mit den Jahren – und schließlich habe ich dann auch Kunstgeschichte studiert. Vor allem aber waren für mich die Verbindungen zwischen verschiedenen Kunstsparten immer schon eine spannende Sache. Die Fotografie im Speziellen fällt nicht direkt in meine engere Kompetenz, darum habe ich auch bei dem Fotografen und Jazzliebhaber Arne Reimer um Mitarbeit für diese Ausstellung angefragt.

Welche künstlerischen Besonderheiten sehen Sie in der Gestaltung von Plattencover?

Das Interessante bei einem Plattencover ist, dass der Künstler/die Künstlerin für ein vorgegebenes Format zwar ein eigenes Kunstwerk schaffen muss, das aber zugleich auch die Musik auf der Platte visualisieren soll. Vom Optimum kann man sprechen, wenn Kongenialität zwischen Musik und der Coverkunst erreicht wird. Ab dem „Siegeszug“ der CD waren für die KünstlerInnen auf Grund des viel kleineren Formats die gestalterischen Voraussetzungen ganz andere – deshalb lassen wir die Ausstellung mit den frühen 1990er Jahren enden.

Inwiefern ist die Gestaltung vielleicht auch von der Erscheinungszeit bzw. dem Erscheinungsjahr abhängig? Gibt es gewisse Stile, die sich durch bestimmte Jahre oder Jahrzehnte durchziehen?

Zum einen gibt es klassische Sujets, die sich durch die Jahrzehnte durchziehen – wie etwa die Porträtfotografie – zum anderen gibt es zeittypische Erscheinungen wie z.B. die psychedelische Kunst Ende der 1960er Jahre oder die Hochglanzästhetik der 1980er Jahre. Gegen Ende der 1960er Jahre begannen die Coverdarstellungen oft moralische Tabus zu brechen und wurden vor allem auch in Amerika zumeist zensuriert – wie z.B. das Cover von Jimi Hendrix´ „Electric Ladyland“ aus dem Jahr 1968, das circa 20 nackte junge Frauen abbildet. Heutzutage würde sich über dieses Cover niemand mehr aufregen – oder wenn, dann aus feministischer Sicht.

Wie unterscheidet sich die Gestaltung je nach Musikrichtung? Welche Genres weisen Ihrer Meinung nach die kreativsten Gestaltungen auf?

Die Klassik hat – abgesehen von Ausnahmen natürlich – eine eher konventionelle Bildsprache: Foto vom Orchester oder vom Dirigenten oder vom Solisten. Deshalb haben wir uns dann dafür entschieden, die Klassik überhaupt auszusparen. Beim Jazz haben Labels oft ihre eigene Bildsprache – wie z.B. Blue Note oder ECM, was man an den von uns ausgestellten Cover gut nachvollziehen kann. In der Rockmusik hingegen ist fast alles möglich – bis hin zu Comics oder sogar auch dreidimensionalen Objekten. Innovative Designergruppen wie Hipgnosis haben für viele Rockgruppen die unterschiedlichsten Cover gestaltet. Es ist auch offensichtlich, dass sich besonders im Rockbereich viele MusikerInnen selber in die Covergestaltung eingebracht haben – zumal nicht wenige von ihnen ja auch ehemalige Kunststudenten waren.

Nach welchen Kriterien wurden die Plattencover ausgewählt?

In erster Linie wollten wir Cover zeigen, die einem künstlerischen Anspruch genügen. Viele Cover der Ausstellung sind von bedeutenden MalerInnen, FotografInnen oder GrafikerInnen gestaltet worden – Keith Haring oder Andy Warhol sind in einer Plattencover-Ausstellung ja direkt Pflicht. MusikerInnen wie Laurie Anderson, die sich gleichermaßen als Performance- und bildende Künstlerin versteht, gestalten ihre Cover mitunter auch selbst, wie schon gesagt.

Einer der Schwerpunkte der Ausstellung sind von österreichischen Künstler gestaltete Cover, wie z.B. Ludwig Attersee oder Gottfried Helnwein. Welche Stücke sind Ihre persönlichen Lieblingsstücke in der Ausstellung?

Es gibt natürlich einige Cover, die mir sehr ans Herz gewachsen sind…. z.B. Blue Train von John Coltrane oder A Swingin’ Affair von Dexter Gordon, beide Musiker wurden von Francis Wolff für das Plattenlabel Blue Note fotografiert. Oder auch die Coverserie von Peter Gabriel, Covergestaltung Hipgnosis, auf denen er sehr ausdrucksstark darstellt ist. Und, um vielleicht ein Plattencover besonders hervorzuheben: das Cover von David Clayton-Thomas, dem schon verstorbenen Sänger von Blood, Sweat and Tears, der von dem legendären Beat-Poeten Allen Ginsberg im Central Park in einem offenen kuppelüberdachten Rundbau fotografiert wurde. Es wirkt, wie ein eher privat gemachtes Foto. Da ich finde, dass David Clayton-Thomas eine Jahrhundertstimme war, wird für mich auf dieser Platte die musikalische, künstlerische und literarische Atmosphäre im New York der 1960/70er Jahre in idealerweise zum Ausdruck gebracht.

Die Ausstellung „33⅓ – Cover Art“ wird von 22. Juni  bis 7. Oktober 2017 im Kunstraum Nestroyhof gezeigt. 

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