Mit Eulen nach Athen raven

Einer der großen, aktuellen, internationalen Trends ist die Renaissance von Drum’n’Bass. Wien hat in dem Bereich aber bereits eine sehr große, traditionelle Szene. Was nun?

Wäre Drum’n’Bass der Papst, dann wäre Wien vielleicht nicht der Vatikan, aber zumindest seine Sommerresidenz. Während die 170bpm in anderen Städten kamen, gingen, wieder auftauchten und verschwanden, verteidigten sie in Wien ihre gallischen Dörfer, ob in der Arena oder am Donnerstag im Flex. Das unterscheidet diese mittlerweile recht konservative Szene von den anderen zahlreichen elektronischen Trends, von denen man in monatlichen Abständen in englischsprachigen Onlinemedien lesen kann (»Guys, it’s true: Jungle/Ragga/Calypso is back«). Für die war Wiens Szene an Spezialisten dann doch immer zu klein. Ein internationaler Trend musste schon sehr groß sein, um hier Fuß zu fassen und nicht wie eine Armee, die im Feindesland vom Nachschub abgeschnitten wird, langsam auszubluten. In einer Stadt, in der man selbst den viel gelobten und viel geposteten Grime im Club nur punktuell in Sets einstreuen kann, ist es – rein ökonomisch – immer noch klug, auf halbwegs bewährte Pferde zu setzen.

Die Drum’n’Bass-Renaissance bringt jetzt aber tatsächlich eine interessanten Aspekt hinein. Hier schwappt aus UK, wo man ja mittlerweile schon wieder an dem Punkt ist, mit Übernummern wie »How Love Begins« von DJ Fresh & High Contrast Drum’n’Bass mit cheesy Pop und Grime zu vereinen, langsam eine Welle hinüber. Und trifft – anders als bei früheren Trends – auf eine Stadt, in der es eine genuine Szene dafür gibt. Das ist ein bisschen wie mit Eulen nach Athen raven, wo im Untergrund allerdings seit knapp 20 Jahren eine lokale Population ihren Eulen-Geschäften nachgeht. Bei HipHop, dem letzten großen Wiener Partytrend, gelang es vor drei Jahren, die Traditionalisten gemeinsam mit den Hipstern und Studenten anzulocken. Wird das bei Drum’n’Bass funktionieren? Keine Ahnung. Wer unsichere Prognosen will, sollte sich den Wetterbericht für nächsten Sonntag anschauen, keine Partykolumnen. Aber ich schau es mir gerne an.

Bild(er) © Nina Keinrath
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