Straßenmusik für mehr Sicherheit

Stadträtin Ulli Sima will Straßenmusiker in Zukunft auch in den U-Bahn-Stationen spielen lassen. Das Ziel dabei: Die Menschen sollen sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln sicherer fühlen.

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Egal, ob in der Innenstadt, auf der Mariahilfer Straße oder am Schottentor: Besonders in den warmen Jahreszeiten spielen Straßenmusiker an den belebten Stellen der Hauptstadt. Der Weg dorthin ist nicht einfach, denn für „Straßenkunst“ gibt es strikte Vorschriften. Wo gespielt werden darf, ist genau festgeschrieben. Die besonders belebten Orte wie zum Beispiel die Kärntner Straße oder der Karlsplatz dürfen außerdem nur mit einer gültigen Platzkarte bespielt werden. Diese kostet 6,54 Euro und muss von den Musikern bei der MA36 beantragt werden. In und um öffentliche Verkehrsmittel ist Straßenkunst verboten. „Lärmen, Musizieren, lautes Musikhören und der Betrieb von lärmerzeugenden Geräten ist in den Anlagen und Fahrzeugen der Wiener Linien nicht erlaubt“, hieß es bisher seitens der Wiener Linien.

Vorbild London

Diese Vorschrift möchte Ulli Sima jetzt ändern. Die Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke (SPÖ) schlug kürzlich im Rahmen des Sicherheits- und Servicepakets der SPÖ vor, in Zukunft Straßenmusiker in U-Bahn-Stationen spielen zu lassen. Der Grund dafür: Die Menschen sollen sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln sicherer fühlen. Ähnliche Projekte gibt es bereits in anderen Großstädten wie Hamburg, München oder London. Die britische Hauptstadt war auch Vorbild für Simas Idee. „Ich habe in London gesehen, wie positiv Musiker in der U-Bahn wahrgenommen werden. Ich habe mich mit den Verantwortlichen von Transport Of London über ihre Erfahrungen unterhalten. Die machen das seit Jahren, mit genauen Regeln und Anforderungen. Danach haben wir beschlossen, das auch in Wien auszuprobieren.“

Der Vorschlag ist Teil eines Gesamtpakets für Sicherheit. Livemusik und verstärktes Personal in den Wiener Linien sollen dabei für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl der Fahrgäste sorgen. „Die Öffis sind der sicherste Ort der Stadt und das soll auch so bleiben. Und es gibt bei manchen Fahrgästen – trotz objektiver Sicherheit in den Öffis – ein subjektives Unsicherheitsgefühl. Dem wirken wir entgegen – mit mehr Personal der Wiener Linien und auch mit Musik. Denn es ist ein erfreuliches Gefühl, wenn man am Abend aus der U-Bahn aussteigt und man zum Beispiel Gitarrenklänge hört.“

Casting mit bunter Jury

Das Projekt soll am Westbahnhof starten, zwischen den Bahnsteigen der U3 und U6 sollen die Musiker spielen können. Wer auftreten darf, soll dabei in mehreren Castings entschieden werden – ein genauer Termin dafür ist noch nicht bekannt. „Wir werden die Fahrgäste voten lassen und dann eine bunte Jury einsetzen. Wir entwickeln das Projekt gerade und ich freue mich schon sehr auf das Casting. Es haben sich übrigens schon etliche Künstlerinnen und Künstler gemeldet, das Interesse am Projekt ist erfreulicherweise enorm!“, so Sima.

Musiktherapeut Stefan Klar kann sich vorstellen, dass dieses Konzept funktioniert. „Für das subjektive Gefühl der Menschen kann es durchaus dazu beitragen, dass sich mancher U-Bahn-Benutzer sicherer fühlt. Musik von Straßenmusikern kann im Zuhörer – oder im nur unbewusst Wahrnehmenden – ein Gefühl hervorrufen, frei nach dem Sprichwort ‚Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder!‘“ Er ist überzeugt von einer „zumindest subjektiv empfundenen, leicht befriedigenden Wirkung von Livemusik“. „Musik beeinflusst uns immer. Unsere physischen, psychischen und seelischen Reaktionen werden durch Lärm in Alarm versetzt. Bei Ängsten und Panik kann beruhigende, fröhliche oder auch melancholische, auf jeden Fall ‚friedvolle‘ Musik, dem Betroffenen eine gute Unterstützung sein, zu sich zu kommen, wieder Boden unter die Füße zu kriegen, sich dem ‚guten Leben‘ angeschlossen zu fühlen“, erklärt Klar.

Wir haben uns in der Stadt umgehört, um zu erfahren, was die Zuhörer und Musiker von Ulli Simas Vorschlag halten.

 

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