Ohne Gesichtsverlust

Der stets querdenkende Künstler Arnulf Rainer und seine Sichtweisen von Antlitzen werden im ihm gewidmeten Museum zu Baden ab 20. November mit einer Ausstellung geehrt.

„Malerei, um die Malerei zu verlassen: Am Beispiel der Malerei diese Art Welt zu verlassen, ihre Kultur, ihre Malerei zu enthüllen durch sie selbst, ohne sich mit ihr zu vermischen, zu enthüllen als Ersatz für die mangelnde und verlorengegangene metaphysische Bindung (in deren Sein es weder Handeln, noch Missionen, noch Beweise, noch Künste gibt), sie zu enthüllen als bloße Verbindung zwischen den Ästhetischen und Metaphysischen. Künstler sein und die Kunst verachten.“ (Arnulf Rainer, Hirndrang 1980)

Baden. Baden bei Wien. Nicht gerade der Ort des ersten Einfalles, wenn man an Moderne in den eigenen Gehirnzellen googelt. Und doch wäre da ein unerwarteter Faktor mit Querverweis. Es ist die Heimatstadt von Arnulf Rainer. Jener, der als einer der wenigen über Jahrzehnte hinweg international geachteter wie gehandelter Künstler Österreichs ein Wörtchen in der Moderne gestaltete. Mit seinen „Über-Malungen“ forcierte der den Ansatz, durch das Verdecken das Verdeckte sichtbar zu machen.

Rainer bekam vor ein paar Jahren ein eigenes, schönes Museum im Frauenbad, das schon rein architektonisch einen sinnigen Kontrapunkt zur biedermeierlich schönen Stadt bildet. Zweimal jährlich wechseln die offen gestalteten Ausstellungen und nun ist es wieder an der Zeit, eine Facette des Meisters himself zu beleuchten. Vom 20. November 2010 bis 31. Mai 2011 widmet man sich den „Visages“. Kurator Jean-Michel Foray, der sich als einer der profundesten Kenner von Marc Chagall einen Namen machte geht in die Tiefe der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Gesicht. Anhand von 80 Exponaten unterschiedlicher Fertigung und Arbeitstechnik seit den 1950er Jahren nähert man sich der Materie. Anschaulich wird der Drang von Rainer dokumentiert, die Figur in der Kunst nach ihrer Dekonstruktion im Laufe des 20. Jahrhunderts wiederherzustellen. Mal in der Frühphase radikal, mal auch sanfter. Eine Reise durch das Leben im selbstkritischen Spiegel des über 80-Jährigen. Die Malerei als visuelle Form des geistigen Bewusstseins behält nach wie vor ihre Gültigkeit. Nicht nur, dass alle gezeigten Werke aus dem Privatbesitz des Künstlers kommen, sind einige davon das erste Mal der Öffentlichkeit zugänglich. Übrigens: der künstlerisch ebenso unerbittliche Klangmagier Hans-Joachim Roedelius wohnt übrigens auch in Baden.

VISAGES von Arnulf Rainer

Ausstellungsdauer: 20. November 2010 – 31. Mai 2011

Arnulf Rainer Museum

Josefsplatz 5

2500 Baden

www.arnulf-rainer-museum.at

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