»Go Boomer Go!« heißt das Debütalbum von Post, der neuen Band einiger Pilgerväter des österreichischen New Wave und Punkrock.

Warnung: alte, weiße Männer! Die Älteren hier (*lol*) kennen manche dieser Wiener Punk- und New-Wave-Haudegen von früher, als sie ab den Siebzigerjahren in legendären Formationen wie Chuzpe, Willi Warma oder Target of Demand daran beteiligt waren, der österreichischen Musikszene zuerst aus den Windeln zu helfen, um sie hernach mitzuprägen. Rainer Krispel, Robert Wolf, Christian Unger und Tom Niesner haben sich nun unter dem Bandnamen Post zu einer Art All-Star-Truppe versammelt.
»Go Boomer Go!« ist jedoch kein parodontöser Wir-wollen-es-noch-mal-wissen-Schmafu. Es klingt auch nicht wie früher, im Sinne eines nostalgischen Revivals. Dieses Debüt ist rasiermesserscharf in seinen Statements und räudig in der Gegenrede. Das Wortmaterial ist so böse wie gewieft. In kantigen Paarreimen ringen dort Ironie und Vorschlaghammer mit akuter Ignoranz und dunkler Aufklärung. Ein bisschen Gonzo, ein bisschen Amok ist das allemal – vor allem aber ist es aktuell.
Rohe Poesie
Stilprägendes für die Platte findet sich in der turbulenten Wucht von The Clash, im sozialkritischen Zorn Sigi Marons. An anderer Stelle hat man die musikalisch-metaphorische Tschick von Dr. Feelgood in der Pappn. Zwischen rasantem Highspeed-Shuffle, kratzbürstigen, direkt aus den Gitarrenhälsen gequetschten Riffs, verspielten Soli und dem traditionellen Staccato des Punk ist hier ein Album entstanden, das gerade wegen seiner abgeschabten Tonalität in die Vollen geht. Das Songwriting ist kompakt, die Arrangements sind schnörkellos.
Und dann kommt noch Krispels Gesang hinzu, der mit roher Poesie die Dringlichkeit und Authentizität unterstreicht. Intoniert wird im Wiener Grant oder im Düsseldorfer Punkrock-Deutsch. Die Realität, gegen die angesungen wird, ist meist nackt und ungeschönt. Generationenkonflikte hingegen werden mit Humor statt Verbitterung aufgerollt. Zu schade für Selbstironie ist man sich auch nicht, während man dem Wahnsinn unserer Zeit – genau wie einst – mit künstlerischem Widerstand und ruppigem Schmäh begegnet. Post, das ist gesellschaftspolitisches Tacheles statt glattkomponierte Empörungsökonomie. »Go Boomer Go!«, das ist Klartext!

Das Album »Go Boomer Go!« von Post erscheint am 10. April 2026 bei Voller Sound. Die nächsten Konzerttermine der Band: 24. April, Wien, Recordbag — 8. Mai, Neunkirchen, Exil — 28. Mai, Wien, Schallter — 29. Mai, Linz, Stadtwerkstatt.