Dorfdefektmutanten

Provinz ist bekanntlich überall, in der Provinz kennt jeder jeden, und Provinz ist auch im Internet, wohin sich der Held und Raststätten-Hausmeister gerne vor seiner feindlichen Umwelt im Tiroler Heimatdorf und der Großstadt Wien flüchtet.

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Auf durch Tonbandbedienungssymbol-Vignetten gekennzeichneten Zeitebenen erzählt der Roman vom Aufwachsen im Dorf, Scheitern in der Großstadt und Weiterwursteln in der inneren Emigration der Hausmeisterei. Der Heimatroman erfüllt aber eben gerade nicht das Erwartbare und leicht zu habende, geradlinige Genre-Ironisieren, sondern lebt vom sprachspielerischen Zitat von Wittgenstein über Wolfgruber, Markennamen-Reminiszenz bis zum auf Biologie-Trivia fixierten Wikipedia-Wissen. Im Köhle’schen Diktus: Bei der Fruchtwechselwirtschaft im Wortfeld haben sich Verkreuzungen ergeben, Metaphernwildwuchs und Verkofferwortungen (siehe Titel!) schießen ins Kraut, worauf herrlich dichte Prosa gedeiht. Frei nach Hegel, frei nach Köhle: Diese Form ist kein Zufall, aber trotzdem hat sich das notwendige durchgesetzt. Als geometrischer Heimatroman wäre „Dorfdefektmutanten“ eine Kantenkugel: Der Text berührt alle Kanten der gegebenen Polysemien. Und weil der Roman so ausflockt, liest er sich stringent und angenehm locker. Paradox, aber wie unser Held weiß: „Wer liebt, muss durch das Fegefeuer der Paradoxie.“

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