Wir Einmaligen

Distinktionsdruck ist die Geißel unserer Zeit. Wir arbeiten alle verdammt hart daran, unseren Individualismus zu betonen und gehen dabei nur klugen Marketingstrategen auf den Leim. Das ist die Kernthese dieses unterhaltsamen Bandes.

Marketingstrategen auf den Leim. Das ist die Kernthese dieses unterhaltsamen Bandes. Die Stärken des Buches liegen auch in der Unterhaltung. Beinahe kabarettistisch führen die beiden Autoren die Verhaltensweisen derer vor, die wir hierzulande Bobos nennen. Das Verfassen eines Kinderbuches etwa wird als einfach zu realisierende Königsklasse der kreativen Selbstverwirklichung geschildert. Wo sie Philosophen und Soziologen als Zeugen anrufen, bleiben sie an der Oberfläche und bringen keinerlei neue Erkenntnisse oder Erklärungsmodelle. Zwischen den gelungenen Kalauern sollen Zitate von Ernst Jünger, Ortega y Gasset, Michel Focault oder Pierre Bourdieu für die intellektuelle Verankerung sorgen. Das sind allesamt ehrenwerte Denker. Allerdings eignen sie sich kaum dazu, aktuelle Phänomene wie Social Media hinreichend zu erklären. Noch schwieriger wird es beim Happy End, das ein derartiges Buch scheinbar haben muss (»Heiterkeit ist da deutlich gesünder als zynische Desillusionierung«). Errichello und Zschiesche empfehlen lustvolles Surfen zwischen verschiedenen Gruppen und Massenphänomenen und meinen zum Schluss auch noch, es sei »immens wichtig, dass auf dieser Erde einige Dinge weiterlaufen«.

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