Schnee im April

Prince ist tot. Einst adelte der Meister aller Klassen ein Meisterwerk mit der gleichnamigen spartanischen Ballade als letzter Nummer. Nun geriet „Sometimes It Snows In April“ zum Mozart’schen Requiem.

Prince Rogers Nelson ist nicht mehr. Das geht nicht leicht über die Lippen. Ebenso wenig geht es leicht über die Tasten. Der wohl universell begabteste Musiker seiner Generation ist abgetreten. Offenbar an den Folgen einer Grippe verstorben. Schleich dich, Tod, du bedienst dich reichlich an den Falschen in letzter Zeit.

Ganz zu Beginn das Gerücht um ein Genie, das alle arrivierten Musikanten stehen lässt. Dann bat man ihn in die heiligen Hallen der Warner, weil keiner glaubte, dass er das Material alles selbst eingespielt hatte. Also spielte er es auf allen Instrumenten vor und bekam seinen million dollar deal, gegen den er später mit million sellers im Köcher rebellieren sollte.

Pures Gold

Ein Scheibe nach der anderen pures Gold, rasante Entwicklungssprünge, Blaupausen für eine neue Ära, die Bestand hatten. Wie nur ganz wenige Künstler schaffte es Prince, immer wieder neue Facetten einzubringen und untypisch lange für eine Pop-Karriere am Ball zu bleiben. Wie David Bowie war er zudem einer der Pioniere darin, das Internet als direkten Draht zu den Fans zu nutzen, sich vom Regelwerk der Plattenfirmen zu befreien. Mit einem mittelguten Album unter seiner Regie verdiente er auf diese Art mehr als mit jedem mit Hits zugepflasterten Longplayer zuvor. Ein bedrückender Spiegel der Musiklandschaft.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass Prince im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Die genauen Umstände seines Ablebens sind noch offen. Es heißt, er sei in den Tagen davor wegen einer Grippe in Behandlung gewesen.

Mal ehrlich. 57 kann gar nix. Aber wenigstens daheim in seinem geliebten Minneapolis. Dort, wo der Zeuge Jehovas in seinen kaum vorhandenen Schaffenspausen von Tür zu Tür ging und ein „Let’s talk about God“ von sich gab. Jener Mann, der zuvor trotz seiner geringen Körpergröße die heißesten Damen zum Jubelschrei brachte. Mancher auch eine Karriere samt Tantiemen kredenzte. Bei wenigen sogar mal länger verweilte.

Gesegnetes Genie

Zu hastig sein Schaffen, zu rastlos sich seiner Mission hingebend. Es war vergleichbar mir Beatles gegen Stones, Blur gegen Oasis, wie die Welt ihn und Michael Jackson sah. Wobei die Fahrwässer klar differenziert abgesteckt waren. Der begabte Sänger und pedantische Performer Jacko gegen das überbordend gesegnete Genie, das weit über 40 Instrumente zum Jubilieren brachte. Und das in allen Sparten – ob an den Tasten, Strings, Schlag oder bei den Bläsern.

Weltbeste Musiker an seiner Seite, denen er den schwierigen Part lieber gleich vorspielte, wenn die es nicht verstanden. Galant schwierige Jazz-Harmonien leger in ein vermeintlich luftiges Arrangement eingewoben. Den heftigen dirty Funker nochmals anziehen lassen, die Ballade mit Schmalz vom Feinsten umwolken. Das Genre Pop in seiner Interpretation frisch aufgestellt, den Blues gegenwärtig leben lassen. Live sowieso nur zum Niederknien, auch hierzulande wurde man mehrmals reichlich beschenkt.

Es bleiben Meilensteine wie sieben Grammys und weit über 100 Millionen verkaufte Tonträger samt einem Gegenentwurf zur Plattenindustrie. Und ein trauriger Tag – sometimes it even snows in April.

Bild(er) © Warner Bros Records
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