»Sicario 2«: Spiel ohne Regeln

Nach dem erfolgreichen Kampf gegen ein Drogenkartell im ersten Teil, sollen Alejandro Gillick (Benicio Del Toro) und Matt Graver (Josh Brolin) in »Sicario 2« im Auftrag der Regierung die Schlepperei an der amerikanisch-mexikanischen Grenze zu bekämpfen – koste es, was es wolle.

© Constantin Film

Denis Villeneuve landete bereits 2015 mit »Sicario« einen Überraschungserfolg, der Film wurde für drei Academy Awards nominiert, eine Fortsetzung war bloß eine Frage der Zeit. Die Regie des zweiten Teils übernahm der gebürtige Italiener Stefano Sollima, der sich in seinem Heimatland bereits einen Namen machen konnte, was die was die Inszenierung von Krimis und Thrillern mit thematisch brisantem Gegenwartsbezug anbelangt. In seinem Spielfilmdebüt »A.C.A.B. – All Cops Are Bastards« porträtert er etwa eine Spezialeinheit, die versucht, Krawalle einzudämmen, danach übernahm er die künstlerische Leitung der ersten beiden Staffeln von »Gomorrha – Die Serie«, der Serienadaption des gleichnamigen Romans über Machenschaften der Mafia in Neapel. Für Netflix drehte Sollima zudem die Thrillerserie »Suburra«, die sich mit den Verstrickungen von Politik im Vatikan auseinandersetzt. Seinen Erfahrungsschatz bringt er nun mit an die amerikanisch-mexikanische Grenze…

Wer sich nicht erinnern kann: Der erste Teil von »Sicario« endete damit, dass Kate Macer von ihrem Kollegen Alejandro Gillick vor die Wahl gestellt wurde, entweder die Rechtmäßigkeit ihres Grenzschutzeinsatzes zu unterschreiben, oder sich durch einen Kopfschuss töten zu lassen. Im Verlauf des düsteren Thrillers wurde die von Emily Blunt gespielte FBI-Agentin Zeugin von moralisch und rechtlich grenzwertigen Methoden, die die CIA im Kampf gegen mexikanische Drogenkartell anwendete. Während ihr Ansatz hauptsächlich daraus bestand, mit rechtsstaatlichen Mitteln Verantwortliche ins Gefängnis zu bringen, waren Alejandro Gillicks Motive persönlicher Natur. Ihm ging es viel mehr um Blutrache, nachdem ranghohe Mitglieder eines Kartells seine Familie töten ließen. Macer, die im Angesicht des Todes ihre ausweglose Situation begriff, entschied sich widerwillig dafür, die vorschriftsgemäße Durchführung des CIA-Einsatzes zu bescheinigen.

Eine grausame Welt

Im Sequel zu »Sicario« setzt Alejandro Gillick, gespielt von Benicio Del Toro, seinen Rachefeldzug gegen mexikanische Drogenkartelle fort. War es im ersten Teil Drogenschmuggel, der eingedämmt werden sollte, ist es nun Schleusungskriminalität. CIA Offizier Matt Graver (Josh Brolin) wählt erneut einen harten Kurs mit Hang zur Illegalität, um die amerikanische Grenze zu sichern. Ein Einsatz ohne Regeln wird ihm und seinem Vollstrecker Gillick genehmigt, da islamistische Terroristen den Weg über die Grenze von Mexiko genommen haben sollen, um sich in einem Supermarkt in die Luft zu sprengen. Damit fällt ihr CIA-Einsatz gegen die Schlepperorganisationen unter Terrorismusbekämpfung, was für die Regierung vorerst jedwede Mittel zu heiligen scheint.

Das Böse lauert potenziell überall und schlägt unbarmherzig und brutal zu. Stefano Sollimas düstere Weltsicht, die für seine Filme und Serien so bezeichnend ist, passt gut zum »Sicario«-Franchise, das sich dem Drogenkrieg in Mexiko annimmt, bei dem auch nach Jahren des Blutvergießens kein Ende in Sicht ist. Einen moralischen Kompass, wie er im ersten Teil durch die Figur von Kate Macer verkörpert wird, gibt es im zweiten Teil nicht. Nach Meinung der Filmfiguren kann in einer Welt, die vom Bösen beherrscht ist, mit rechtlichen Mitteln nur bedingt Besserung erreicht werden. Zum Ende hin sind es stattdessen die beiden männlichen Protagonisten, die durch einen letzten Auftrag vor eine moralisch schwierige Entscheidung gestellt werden.

Einen Krieg anzetteln

Was Actionszenen betrifft, weiß »Sicario 2« nicht zu enttäuschen. Das Versprechen, das der Film bereits von Beginn an gibt, beispielsweise wenn gezeigt wird, wie sich amerikanische Einsatzkräfte eine Verfolgungsjagd mit Terroristen am Grenzübergang liefern, löst der Film über seine gesamte Laufzeit ein: Spannend inszenierte und choreographierte Actionszenen dominieren das Geschehen. Das Grenzgebiet wird als düsterer und hochgefährlicher Ort gezeichnet, über den niemand wirklich Kontrolle hat und der sich auch in Panzerfahrzeugen nicht risikofrei durchqueren lässt. Das von CIA angestrebte Ziel der vollständigen Eskalation trägt seinen Teil dazu bei: »Du musst mir helfen einen Krieg anzuzetteln« –  »Gegen wen?« – »Gegen alle«.

Vom Ausgang der riskanten Mission können sich Filmfans ab 20.7. selbst überzeugen, wenn »Sicario 2« in den österreichischen Kinos anläuft. 

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