Was geht ab im Weinviertel? – Das Viertelfestival antwortet mit 53 Kulturprojekten

In Form gleichermaßen unterschiedlicher wie zahlreicher Projekte zeigt das Viertelfestival heuer, was im Weinviertel kulturell los ist – und was fehlt. Als Impuls für die Zukunft.

© Elisabeth Jegel

Das Viertelfestival nimmt heuer das Weinviertel unter die kulturelle Lupe und stellt sich die Frage: »Was geht ab?!« Um auch gleich darauf zu antworten: »Das geht ab!« Wobei »abgehen« hier sowohl auf das, was fehlt, gemünzt ist als auch auf das, was so los ist. Zur Musik von Techno in the Winery haben sich übrigens auch Poetry-Slam-Pionierin Mieze Medusa und Sprachkünstlerin Elena Sarto in einem Liedtext darüber Gedanken gemacht. Das Ergebnis präsentieren sie unter anderem am 3. Juni auf Schloss Jedenspeigen.

Und was sonst so abgeht? Zum Beispiel das hier:

Bild: Elisabeth Jegel

Wie lange noch? Solange … – Groß denken und mutig sein

Silotürme sind die Wolkenkratzer des Weinviertels. Rund fünfzig Meter hoch, mit einem Baugerüst versehen, wird der Hasitschka-Siloturm in Raasdorf zur Projektionsfläche für das internationale Kunstprojekt »Solange«. Nach Washington, Orléans, Ljubljana, Rabat, Köln anderen europäischen Städten kommt die Installation ins Weinviertel. Die Künstlerin Katharina Cibulka stickt mit pinkem Tüll im traditionellen Kreuzstich in meterhohen Buchstaben einen Satz auf ein Gerüstnetz, zum Beispiel »Solange Gleichberechtigung eine ewige Baustelle ist, bin ich Feminist:in«.

5. Mai bis 27. Juni; Siloturm Hasitschka Agrarhandel GmbH, Die Marchfelder Straße 10, 2281 Raasdorf bei Wien


Bild: Elisabeth Jegel

Filmriss?! – Festival für Musik, Film & Kultur

Für dieses Festival im Festival wird das fast hundertjährige Kronen Kino Mistelbach ein Wochenende lang zu einem offenen Ort für Jugendkultur – zum Treffen, Feiern und Austauschen mit Film, Musik und Side-Events. Das Programm startet mit einem Konzertabend am Freitag. Live zu erleben sind der regionale Support-Act Tears of Marble, gefolgt von der Indiepopband Laurenz Nikolaus, einem der aktuellen Shootingstars der heimischen Musikszene. Am Samstag gibt es ein von Jugendlichen ausgewähltes Filmprogramm. Ab 20 Uhr wird das Public Viewing des Eurovision Song Contest-Finales mit einem DJ eingeläutet. Der Sonntag bietet ein Film- und Kurzfilmprogramm unter anderem mit der Kurzfilm-Premiere von »Kauf dir ein Eis!« von Sonja Aufreiter.

15. bis 17. Mai; Kronen Kino, Oberhoferstraße 15, 2130 Mistelbach


Bild: Elisabeth Jegel

Queere Bibliothek auf Rädern – Fahrrad(litera)Tour

Die Queere Bibliothek auf Rädern zieht durchs nördliche Weinviertel und bringt auf ihrem Weg frischen literarischen Wind in die Region. Mit einem Anhänger, vollbeladen mit Büchern, radelt die Autorin Lisa Bolyos gemeinsam mit der Fotografin Carolina Frank durch Kleinstädte und Dörfer. An verschiedenen Zwischenstopps lädt das Duo die Bevölkerung zum Verweilen, zum Schmökern und zum Entdecken queerer Perspektiven ein. Und die Queere Bibliothek macht auch bei der Mistelbach Pride Halt. Zusammen mit Gastautor*innen stellen die fahrenden Bibliothekarinnen bei Lesungen neue Bücher aus dem LGBTQIA* Segment vor.

28. bis 30. Mai; diverse Stationen, 2120 Wolkersdorf und 2130 Mistelbach


Bild: Elisabeth Jegel

Female Voices – Livemusik im Alten Schlachthof Hollabrunn

Gerade in der Rock- und Punkszene sind Bands oft stark männerdominiert. Was auf den großen wie den kleinen Bühnen abgeht, das sind Frontfrauen. Daher werden in der Veranstaltungsreihe »Female Voices« Musikerinnen und Sängerinnen in den Vordergrund gerückt und ihnen ein exklusiver Platz auf der Bühne im Alten Schlachthof Hollabrunn gegeben. Mit Konzerten unter anderem von Baits, Vulvarine, Erection, Nana Falkner & Band und Kinga Dula & the Pilgrims sowie Workshops für Nachwuchsmusikerinnen.

29. Mai, 13. Juni sowie 11. und 18. Juli; Alter Schlachthof Hollabrunn, Josef-Weislein-Straße 5, 2020 Hollabrunn


Bild: Elisabeth Jegel

Techno in the Winery

In den Weinbergen von Jedenspeigen ist eine außergewöhnliche Verbindung aus traditionellem Weinbau und moderner elektronischer Musik entstanden. Das Projekt Techno in the Winery vereint die Winzer Georg Dietzl, Michael Müllner und Werner Zirnsack mit Drummer Markus Schmid. Alle Sounds stammen aus Geräuschen von Kellereimaschinen und Weinbauzubehör: Flaschen, Gläser, Pumpen oder Stapler werden zu rhythmischen Instrumenten und eröffnen dem Techno eine neue akustische Dimension. Für eine Nummer, die zugleich der Festivalsong ist, steuern Mieze Medusa und Elena Sarto den Text bei. Und die beiden sind auch mit dem Weinbauernkollektiv in Jedenspeigen live zu erleben.

3. Juni; Schloss Jedenspeigen, Schlossplatz 1, 2264 Jedenspeigen


Bild: Elisabeth Jegel

Es Wir(d)t – Männer weinen nicht

Ein Kurzfilmabend beim einstigen Stidl-Wirtshaus in Pillichsdorf, einem Ort, der Generationen geprägt hat und dem nun der Abriss droht. Die dort aufgewachsene Regisseurin Anna Josefine Holzer erweist dem Wirtshaus mit einem Film die letzte Ehre. Dieser verbindet Tanz mit weiteren Erzählformen und handelt von Männern verschiedener Generationen, Erinnerung, Verlust und Männlichkeit im Wandel. Zu sehen sind die Tänzer Simon Mayer, Daniel Bojanowsky, Paul und Roland Scheer, die Musiker Justin Konrad und Konstantin Josef sowie Männer aus dem Ort. Der Abend verbindet Musik, Film und gemeinsames Essen: Livemusik und eine Filmvorführung im Hof, dazu Gulasch nach Familienrezept – ein Abend zum Zusammensein, zum Fühlen, zum Vatertag.

13. und 14. Juni; ehemaliges Stidl-Wirtshaus, Wolkersdorfer Straße 61, 2211 Pillichsdorf


Bild: Elisabeth Jegel

Pavillon – 6 Empfänge, 1 internationales Café

Orth an der Donau ist mit der deutschen Ostseeinsel Fehmarn in einer Städtepartnerschaft. Im Rahmen des Viertelfestivals kommen nun fünf weitere internationale Partnerstädte hinzu – mexikanische, marchfeld-kroatische, nepalesische, italienische und und und. Orth feiert eine kleine feine Weltausstellung vor Ort(h). Botschaften, Konsulate und Diplomat*innen, Fahnen, Fanfaren und (in)formelle Empfänge ohne Ende!

13., 19., 20., 26. und 27. Juni sowie 3. und 4. Juli; Kirchenplatz und Hauptplatz, 2304 Orth an der Donau


Bild: Elisabeth Jegel

Yachtclub – Regatta radikaler Möglichkeiten

Ein leerstehender Gebäudekomplex, eine ehemalige Jugenderziehungsanstalt, wird zur temporären Produktionsstätte für künstlerische Forschung, kollektive Prozesse und konkrete Gestaltung. Im Zentrum steht die Frage nach Regeln und Räumen: Wer stellt sie auf? Wer kann sie verändern? Und was entsteht, wenn wir sie gemeinsam neu schreiben? Das großzügige Gelände wird für Besucher*innen geöffnet und bietet ein vielseitiges kulturelles Angebot, wie Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen. Aber auch an ruhigen Tagen, wird der offene Garten mit seiner gemütlichen Gartenbar zum sozialen Treffpunkt, der zum Verweilen einlädt und Nachbar*innen, Besucher*innen mit Künstler*innen vernetzt.

19. Juni (Eröffnung) sowie 22. Juni bis 19. Juli; ehemalige Erziehungsanstalt, Marktplatz 27, 3470 Kirchberg am Wagram


Bild: Elisabeth Jegel

Do schau her – Was geht ab in Großmugl?

Früher konnte man sich an dreizehn verschiedenen Orten der Geselligkeit in Großmugl treffen. Heute gibt es in den acht Katastralgemeinden keine wirkliche aktive Gastwirtschaft mehr. Aber doch noch einige ehemalige Protagonist*innen oder Nachkommen, die in diesen Häusern leben. An zwei Wochenenden öffnen ein paar davon wieder ihre Pforten. Im Hof des Gasthauses Gratzl ist neben musikalischen Beiträgen aus der Region als besonderes Highlight Der Nino aus Wien zu hören. Im legendären Gasthaus Schillinger wird wieder vegan aufgekocht. Und im Gasthaus Grabmayr wird eine alte Kegelbahn reaktiviert.

27. und 28. Juni sowie 4. und 5. Juli; ehemalige Gasthäuser Gratzl, Grabmayer und Schillinger, 2002 Großmugl


Bild: Elisabeth Jegel

Kunst Blunzn (von Mathias Lefèvre)

Willi war Fleischhauer, doch dann musste er das Familienunternehmen schließen. Die Großkonzerne waren übermächtig. Nach einigen Supermarktjobs und einer Umschulung zum »Käsesommelier« arbeitet er jetzt, mit 57, als Aufseher im Nitsch Museum. »Mit Kunst kenne ich mich nicht aus, aber der Herr Krawetz hat gemeint, ich bin der perfekte Museumswärter, weil der Herr Nitsch hat auch mit Blut gearbeitet, wie ich.« Im Museum hat er viel Zeit sich seine Gedanken zu machen. Über Blut, Nitsch und die Leistungsgesellschaft. Eine humorvolle Auseinandersetzung mit unserem wirtschaftlichen System und der Zeit, in der wir leben. Ein Theaterstück von Mathias Lefèvre mit Günter Franzmeier als Willi. Inszenierung: Ursula Leitner.

3. Juli (Uraufführung) sowie 4. und 5. Juli; Nitsch Museum, Waldstraße 44–46, 2130 Mistelbach


Das Viertelfestival 2026 findet von 6. Mai bis 19. Juli im Weinviertel statt. Sämtliche Details zum umfangreichen Programm sind unter www.viertelfestival.at abrufbar.

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