Warum trägt in Wien der Schani den Garten hinaus und 99 andere Fragen zu Wien

In ihrem Buch „Warum trägt in Wien der Schani den Garten hinaus und 99 andere Fragen zu Wien“ erklärt Katharina Trost Kuriositäten aus der Hauptstadt.

Woher kommt das Wort grantig, seit wann gibt es den Vatertag und gab es in Wien Hexen? Diese und 97 andere Fragen beantwortet die Fremdenführerin Katharina Trost in ihrem Buch „Warum trägt in Wien der Schani den Garten hinaus und 99 andere Fragen zu Wien“. Ihr Hauptberuf als Wien-Guide half ihr bei der Recherche vieler Themen. So baut sie etwa einige Fragen ehemaliger Touristen ein. In ihrem Buch beschäftigt sie sich auch stark mit dem Wiener Dialekt und der Herkunft einiger Wörter sowie verschiedener Ortsbezeichnungen und mit den Besonderheiten kleiner Grätzl.

Als Vorgeschmack haben wir elf Fragen aus dem Buch für euch zusammengestellt.

Wie viele Eier werden täglich für die Herstellung von Sachertorten getrennt?

Seit 1832 gehört die Sachertorte zu Österreich wie Sissi zu Franz. Auch heute werden die Torten zu einem Großteil handgefertigt, jährlich werden so etwa 360.000 Stück hergestellt. Eine besondere Aufgabe wird dabei der „Eiertrennerin“ zuteil. Sie trennt, wie es ihr Name verrät, das Eigelb vom Eiklar. Pro Tag müssen je nach Saison zwischen 5.000 und 18.000 Eier getrennt werden, eine Eiertrennerin schafft davon etwa 7.500 Stück am Tag.

Warum mochten Wirte früher keine Wahltage?

Wiener Wirte freuten sich früher wahrscheinlich nicht auf Wahlsonntage. Denn ein Gesetz von 1918 verbot es ihnen, am Tag davor und am Wahltag selbst, Alkohol auszuschenken. Zwar durfte Alkohol allgemein konsumiert werden, Wirte durften ihn jedoch nicht verkaufen. Erst 1979 wurde das Gesetz zur Freude der Wirte aufgehoben.

Gab es in Wien Hexenverbrennungen?

Elisabeth Pleinacher gilt heute als die „einzige Hexe Wiens“. 1583 wurde die damals 70-jährige Großmutter auf einem Scheiterhaufen in der Nähe des heutigen Hundertwasserhauses verbrannt. Der Grund dafür: Ihre Enkelin, die sie alleine großzog, litt an Epilepsie. Die katholische Kirche, der Vater des Mädchens und ein lokaler Arzt verbreiteten daraufhin das Gerücht, dass Pleinacher eine Hexe sei und mit ihren Kräutern – Pleinacher setzte auf Pflanzenheilkunde – das Mädchen verzaubert habe. Ein Begnadigungsschreiben wurde abgelehnt, Pleinachers Enkelin wurde exorziert und in ein Kloster gebracht.

Woher stammt eigentlich die Bezeichnung „Puff“?

Das Wort Puff entstand im 16. Jahrhundert: Tric Trac, ein Vorläufer des modernen Backgammon, wurde auch „langer Puff“ genannt. Der Name leitete sich vom italienischen Wort buffo ab, was Windstoß bedeutet und sich auf das Geräusch des fallenden Würfels auf ein Spielbrett bezieht. Das Spiel wurde gerne von Männern und Frauen gemeinsam in Badeanstalten und Hinterzimmern von Gasthäusern gespielt. Weil es dort nicht immer bei einem unschuldigen Spiel geblieben ist, haben Freudenhäuser einen neuen Namen bekommen.

Warum feiern wir den Vatertag?

Den Vatertag verdanken wir dem Wiener Helmut Herz. Als Werbeleiter der Hemdenfirma Gloriette wollte er einen Weg finden, den Hemdenumsatz zu steigern. Das Ergebnis war der erste Vatertag 1956, zu dem Kinder aufgerufen wurden, Bilder von ihren Vätern einzuschicken. Die Frauen hingegen, so dachte Herz, hätten zu der Zeit noch ein schlechtes Gewissen, weil sie sich an ihre Muttertagsgeschenke erinnern konnten, und würde den Männern deshalb schöne Hemden kaufen. Seine Idee erwies sich übrigens als erfolgreich, schon im ersten Jahr verdoppelte sich der Hemdenumsatz um den Vatertag.

Warum sehen die Sängerknaben aus wie Matrosen?


Manche Mysterien sind ziemlich einfach erklärt, wie etwa das um die Uniformen der Sängerknaben. Denn in der Nachkriegszeit waren Matrosenanzüge für Jungs in Mode, fast jeder hatte einen im Schrank hängen. Deshalb war es naheliegend, dass jeder seinen Matrosenanzug trägt, damit die Sängerknaben auch als Gemeinschaft erkennbar sind.

Woher stammt das Wort „Sandler“?

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Ziegelproduktion einer der rentabelsten Berufe Wiens. Denn durch die Errichtung der Ringstraße wurde Wien zu einer großen Baustelle, die viele Mitarbeiter brauchte. Bei der Produktion der Ziegel gab es eine Hierarchie der Herstellung. Ganz unten: der sogenannte Sandler. Seine Aufgabe war es, die Holzmodeln mit Sand einzustauben, bevor Lehm hineingefüllt wurde. Diese sehr undankbare Aufgabe, die keine weitere Spezialisierung erforderte, erscheint heute als plausibelste Erklärung für die Bezeichnung des Sandlers.

Gibt es Plätze, auf denen man legal sprayen darf?

Seit 2004 gibt es die „Wienerwand“, ein Projekt der Stadt Wien, das den Vandalismus innerhalb der Stadt einschränken sollte. In ganz Wien gibt es seitdem Wände, die mit einer weißen Taube und dem Schriftzug „Wienerwand“ markiert sind. Auf diesen dürfen Grafitti-Künstler legal sprayen. Diese Wände gibt es unter anderem im Esterhazypark und am Yppenplatz.

Wann gab es den letzten Pesttoten?

Eines der wichtigsten Merkmale des Mittelalters ist die Pest. Doch auch nach der letzten Pestwelle in Wien 1713 war die Pest noch nicht ausgelöscht. Deshalb schickte man 1898 ein Forschungsteam nach Indien. Sie sollten dort die Ursachen für die weiterhin herrschende Pest entdecken. Das Team fand den Erreger und kehrte zurück, um ihn zu untersuchen. Dabei kam es zu einem Unfall, der Labordiener Franz Barisch infizierte sich durch eine der Versuchsratten und erkrankte an der Pest. Seine beiden Kollegen Doktor Hermann Franz Müller und die Krankenschwester Albertine Pecha pflegten den Mann und infizierten sich dabei ebenfalls. Müller bekam für seine Aufopferung ein Denkmal im heutigen alten AKH. Er galt zwar als das letzte Opfer der Pest, tatsächlich verstarb seine Kollegin Albertine Pecha aber eine Woche nach ihm. Ihr wurde jedoch kein Denkmal gewidmet.

Woher stammt der Begriff „Grant“?

Der Begriff „Grant“ stammt aus dem 16. Jahrhundert. Ferdinand I reiste damals gemeinsam mit den sogenannten Granden von Spanien nach Österreich, um das Land zu regieren. Granden waren streng katholische spanische Aristokraten. Die Zustände in Wien gefielen ihnen gar nicht. Die ausgelassene Lebensart der Bevölkerung war ihrer Meinung nach Schuld an den Krisen des Landes wie etwa der Pest. Deshalb verboten sie jegliche Feste sowie Glücksspiel und Prostitution. Das mochten die Wiener verständlicherweise nicht, was zum heutigen Begriff „grantig sein“ führte.

Wie kam es zur Erfindung der Schneekugel?

Dass Schneekugeln einmal ein Symbol für kitschige Dekoration werden, hätte man im 19. Jahrhundert nicht gedacht. Der Wiener Chirurgie-Instrumente-Mechaniker Erwin Perzy erfand das heutige Souvenir, weil er in Operationssälen nach einer besseren Lichtquelle suchte. Er verwendete eine Schusterkugel, die damals bei Handwerkern beliebt war, um Lichtquellen punktuell zu verstärken. Perzy schaffte es nicht, die Reflexion weiter zu streuen und so eine größere Lichtquelle zu schaffen, indem er Staub in das Wasser hinzufügte. Dafür hatte er eine bessere Idee: Er setzte einen Miniaturnachbau der Basilika von Mariazell in die Kugel und schenkte sie einem Freund. Zwei Jahrhunderte später gilt die Schneekugel immer noch als eines der beliebtesten und kitschigsten Souvenirs.

Wer wissen möchte, woher der Begriff Schanigarten stammt, kann Katharina Trosts Buch „Warum trägt in Wien der Schani den Garten hinaus und 99 andere Fragen zu Wien“ beim Metroverlag kaufen

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