Emo-Pop in Neonsepia – Das Debütalbum »Mount Pleasant« von Anthea

Österreichs »Hyperpop-Royality« Anthea stellt uns endlich den Langspielerstling vor und dieser präsentiert sich auf ganz unerwartete Weise bewegend.

© Vrinda Jelinek

»Already late to the party« flüstert Anthea ins Mikro, während der Clubbeat von »Dance With Me« aus der Anlage dröhnt. Und das kann durchaus als ironischer Metakommentar verstanden werden. Denn wenn einer der ersten Acts, die in Österreich mit dem Label »Hyperpop« bedacht wurden, im Jahr 2026 das Debütalbum herausbringt, mag das eine gewisse Sorge auslösen. Diese Bedenken wären womöglich berechtigt, würde Anthea immer noch die gleiche Musik wie zu Zeiten von »XEA« machen: schnell, maximalistisch, etwas, das die Beine in Bewegung und die Bauchdecke zum Beben bringt. All dies scheint spätestens seit dem »Brat«-Sommer ein wenig, naja, done. Stattdessen begegnet uns auf »Mount Pleasant« – sofern es so etwas geben kann – minimalistischer Hyperpop.

Hyperminimalismus

Spannenderweise heben sich »minimalistisch« und »hyper« aber nicht einfach gegenseitig auf, sondern drehen die Platte in eine ganz neue Richtung. Da ist zwar nach wie vor einiges an Effekt auf der Stimme, es gibt eingängige Melodien sowie eine Affinität zu Popstrukturen der Nullerjahre. Aber gleichzeitig wirkt alles reduzierter, melancholischer, zurückhaltender. Die Neonfarben wurden sachte in Sepiatinte getaucht. Vom Emo-Punk der Neunziger sei das Album laut Pressetext inspiriert. Das merkt man durchaus und ist ja ein Weg den schon einige andere so ähnlich gegangen sind. 100 Gecs etwa ließen sich 2023 auf dem Nachfolger zu ihrem genredefinierenden Erstling unter anderem von Nu-Metal inspirieren. Und Kenji Araki, ein Langzeit-Collaborator von Anthea, der auch auf diesem Album mehrfach vertreten ist, hat sich zuletzt gemeinsam mit Producer-Kollegen Ybsole im Bandprojekt Enns kontemplativ-analogeren Tönen gewidmet.

Achtung: Pathos!

Anthea steht diese Entwicklung jedenfalls gut. Die Reduktion an Tempo und überfordernden Soundlayern lässt Texturen und Texte klarer leuchten, lässt Raum zum Atmen, zum Ausruhen. Ausstieg aus statt Überzeichnung der Attention Economy. Oder anders gesagt: Statt den Beinen werden nun die Emotionen in Bewegung versetzt, statt der Bauchdecke bebt nun die Seele. Klingt pathetisch, ist aber so.

Anthea »Mount Pleasant«

»Mount Pleasant« von Anthea ist am 11. März 2026 erschienen.

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