Compilation in Buchform: »Die guten Kräfte – Die Geschichte der österreichischen Popmusik in 100 Songs«

Von »Kabinenparty« über »Claire« bis hin zu »Griechischer Wein«: Gewissenhaft ausgesucht, gut ge­schrieben und unheimlich vielfältig – so prä­sentieren Walter Gröbchen und Thomas Mießgang in ihrem neuen Buch hundert österreichische Popsongs aus 75 Jahren.

© Paul Pibernig

»Die guten Kräfte« ist nicht das erste Kompendium zur österreichischen Popmusik und mit großer Sicherheit wird es auch nicht das letzte sein, fest steht aber, dass es ein sehr anregendes ist: Von Austro­pop bis Cloud-Rap gibt der Zeitraum von 1950 bis 2025 genug Stoff her, um die musikalische Vielfalt anschaulich zu präsentieren und in diverse künstlerische Parallel­universen abzutauchen. Neben inter­nationalen Hits made in Austria finden sich so auch diverse merk- bis denkwürdige Fund­stücke und Skurrilitäten in dem rund 250 Seiten umfassenden Sammelband.

Nahe dran

Was diese »gedruckte Compilation« besonders macht, ist die anekdotische, oft launige und durchaus ironische Erzählweise. So erhält man beim Schmökern interessante und detail­reiche Insights zu den Künstler*innen, weil die beiden Autoren teils sehr nahe an diesen dran waren oder sind.

Ausgangspunkt des Buches war, dass jeder Act mit nur einem Song vertreten sein durfte. Keine Frage, dass die Begrenzung auf hundert Lieder ein pain in the ass gewesen sein muss – schwierige Ent­scheidung, wer rein­kommt und wer dann (doch) rausfällt! Allein schon bei Falco, Österreichs Pop-Export­kaiser der 1980er-Jahre, war es definitiv nicht leicht zu bestimmen, welcher Song zum Zug kommen sollte; geworden ist es schließlich »Vienna Calling« – mit der durchaus nach­voll­zieh­baren Begründung, dass es sich um die passendste akustische Visiten­karte des Landes handle.

Walter Gröbchen (Bild: Paul Pibernig)

Zwei Urgesteine

Die schwierige Auswahl trafen Walter Gröbchen und Thomas Mießgang. Beide fallen in die Kategorie Urgestein der öster­reichischen Musikszene – vor allem als genaue Beobachter, Kommentatoren, Rezensenten, Kuratoren. Gröbchen war lange Zeit als Journalist tätig, dann im Musik­business bei Major-Labels und betreibt seit vielen Jahren das Label Monkey Music in Wien; so ist es also auch kein Zufall, dass er viele der im Buch beschriebenen Künstler*innen und deren Entwicklung gut kennt. Mießgang wiederum war durch­gehend als Journalist tätig und hat aus dieser Tätigkeit heraus auch eine ganz spezifische Perspektive auf die Musikszene.

Der vorliegende Rückblick erfolgt dabei nicht ausschließlich aus einer Zeitzeug*innen- oder gar Fan­perspektive, sondern stellt eine recht auf- und abgeklärte, freundlich-gelassene, aber nicht unbedingt distanzierte Betrachtung und Einordnung österreichischer Populär­kultur dar. Es sind auch, aber nicht nur Lieblings­lieder, die hier versammelt sind. Manchmal sind es sogar Hass­objekte – mitunter schon eine Art Aus­zeichnung.

Thomas Mießgang (Bild: Paul Pibernig)

Zusammenhänge

Was neben dem leichtfüßigen Schreibstil hervorsticht, ist, dass die Songs im sozio­ökonomischen und geo­politischen Zusammen­hang der jeweiligen Periode dargestellt werden, um damit ihre (zeitlich limitierte) Relevanz oder einen speziellen Kontext zu erklären. So kann man anhand des Buches etwa darüber spekulieren, ob beispiels­weise Blümchen Blau auch in den Nullerjahren funktioniert hätten – wohl kaum – oder ob für den Welthit von Opus das Release­datum voll­kommen egal war.

»Die guten Kräfte« belegt jedenfalls, dass die österreichische Musik­land­schaft trotz beharrlicher Unken­rufe so einiges zu bieten hat. Und es ist gut, dass uns das Buch diese Kreativität und Vielfalt charmant in Erinnerung ruft. Übrigens: Zur Compilation in Buchform gibt es auch eine Playlist.

Das Buch »Die guten Kräfte – Die Geschichte der öster­reichischen Pop­musik in 100 Songs« von Walter Gröbchen und Thomas Mießgang ist am 13. April 2026 im Milena Verlag erschienen. Am 21. Mai lesen die beiden Autoren daraus in der Kulturbühne Dakig in Gänsern­dorf. Moderation: Manuel Fronhofer (The Gap).

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