Al­go­rith­misch bezirzte Basal­ganglien – »Alarm für Kobrakasino« von Kobrakasino

Kobrakasino veröffentlichen ihr zweites Studioalbum. »Alarm für Kobrakasino« ist ein zwei­schneidiges Schwert.

© Minna Rothbart

Kobrakasino sind wunderschöne Engel, die die Pop­göttin aus dem Äther unter die Disco­kugel ge­­atmet hat. Auf »Alarm für Kobrakasino« spielen sie hoch­emotionalen Elementar­teilchen-Pop, bei dem Gedanken und Töne um die wesent­lichen Dinge im All­täg­lichen kreisen und die zur Ver­hand­lung feil­gebotenen Schwer­punkte wie Sehnsucht, Leistungs­druck und Beziehungs­kisten mit einer so süßen musikalischen Zucker­glasur über­zogen sind, dass selbst der ärgste Kost­verächter ein bissl schnabu­lieren will.

Das zweite Studio­album erscheint beim Eigen­label der Band und bezirzt die Basal­ganglien aller Tanz­bereiten genauso, wie es das melancho­lische Potenzial der Nach­denk­lichen umflort. Während der verführerisch-milde Gesang unseren Ohren schmeichelt, schlenzen die pulsierenden Beats den Lang­spieler bisweilen ordentlich in die Kurve. Die Arrangements sind dabei klar und licht. Das Song­writing ist eingängig. Ein Parade­beispiel dafür ist die elektrisierende Nummer »Das Herz von meinem Chef«.

Fresh!

Und doch hakt da irgendetwas. Die äußerst geschickt arrangierte Song­melange oszilliert irgendwo zwischen Synthpop, NDW-Romantik und fetzigen Indie­riffs. Also eh da, wo grad alle in der besonders coolen Popnische oszillieren. Und weil ebendort die Hoffnung zu trenden wohnt, klingt diese Platte auch einiger­maßen nach Lifestyle, Anbiederung und Algorithmus anstatt nach künstlerischer Initiative und musikalischer Innovation. Aus der Zentrale heißt es zudem, man habe das alles mit einer Indie­sleaze-Ästhetik angereichert. Fresh! Für die Musik aber irrelevant.

Wenn sich also deutsch­sprachiger Pop anhört, als hätte man ihn bei Zalando bestellt, ist der Verdacht des schnöden Product-Placements nicht ganz von der Hand zu weisen. Das mindert zwar die künstlerische Glaub­würdigkeit, nicht aber zwangs­läufig die Qualität des Dar­gebotenen und muss beim Schunkeln nicht jeden stören. Sehr gut gemacht ist »Alarm für Kobrakasino« allemal. Ob das Trio langfristig die Auf­merk­samkeit der Konsument*innen aufrecht halten kann, wird sich zeigen. Denn Trends sind schon immer so schnell gegangen, wie sie gekommen sind. Oder sind Kobrakasino eine negative Dialektik der Popmusik?

Kobrakasino »Alarm für Kobrakasino«

Das Album »Alarm für Kobrakasino« von Kobrakasino erscheint am 12. Juni 2026 bei Sirene Records. Die nächsten Konzert­termine der Band: 2. Juli, Wien, Flucc — 3. Juli, Graz, Parkhouse.

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