Kobrakasino veröffentlichen ihr zweites Studioalbum. »Alarm für Kobrakasino« ist ein zweischneidiges Schwert.

Kobrakasino sind wunderschöne Engel, die die Popgöttin aus dem Äther unter die Discokugel geatmet hat. Auf »Alarm für Kobrakasino« spielen sie hochemotionalen Elementarteilchen-Pop, bei dem Gedanken und Töne um die wesentlichen Dinge im Alltäglichen kreisen und die zur Verhandlung feilgebotenen Schwerpunkte wie Sehnsucht, Leistungsdruck und Beziehungskisten mit einer so süßen musikalischen Zuckerglasur überzogen sind, dass selbst der ärgste Kostverächter ein bissl schnabulieren will.
Das zweite Studioalbum erscheint beim Eigenlabel der Band und bezirzt die Basalganglien aller Tanzbereiten genauso, wie es das melancholische Potenzial der Nachdenklichen umflort. Während der verführerisch-milde Gesang unseren Ohren schmeichelt, schlenzen die pulsierenden Beats den Langspieler bisweilen ordentlich in die Kurve. Die Arrangements sind dabei klar und licht. Das Songwriting ist eingängig. Ein Paradebeispiel dafür ist die elektrisierende Nummer »Das Herz von meinem Chef«.
Fresh!
Und doch hakt da irgendetwas. Die äußerst geschickt arrangierte Songmelange oszilliert irgendwo zwischen Synthpop, NDW-Romantik und fetzigen Indieriffs. Also eh da, wo grad alle in der besonders coolen Popnische oszillieren. Und weil ebendort die Hoffnung zu trenden wohnt, klingt diese Platte auch einigermaßen nach Lifestyle, Anbiederung und Algorithmus anstatt nach künstlerischer Initiative und musikalischer Innovation. Aus der Zentrale heißt es zudem, man habe das alles mit einer Indiesleaze-Ästhetik angereichert. Fresh! Für die Musik aber irrelevant.
Wenn sich also deutschsprachiger Pop anhört, als hätte man ihn bei Zalando bestellt, ist der Verdacht des schnöden Product-Placements nicht ganz von der Hand zu weisen. Das mindert zwar die künstlerische Glaubwürdigkeit, nicht aber zwangsläufig die Qualität des Dargebotenen und muss beim Schunkeln nicht jeden stören. Sehr gut gemacht ist »Alarm für Kobrakasino« allemal. Ob das Trio langfristig die Aufmerksamkeit der Konsument*innen aufrecht halten kann, wird sich zeigen. Denn Trends sind schon immer so schnell gegangen, wie sie gekommen sind. Oder sind Kobrakasino eine negative Dialektik der Popmusik?

Das Album »Alarm für Kobrakasino« von Kobrakasino erscheint am 12. Juni 2026 bei Sirene Records. Die nächsten Konzerttermine der Band: 2. Juli, Wien, Flucc — 3. Juli, Graz, Parkhouse.