Bei »Into Dust« von Iris Electrum gibt es mindestens genauso viel zu hören wie zu sehen. Mit seiner neuen Single widmet sich das Ensemble rund um Johannes Wakolbinger zusammen mit Anja Plaschg dem Kreislauf des Lebens.

»You vanish into dust, without your digits and your tasks«, heißt es gleich zu Beginn von »Into Dust«. Der Song selbst löst sich allerdings nicht so schnell auf: Fünfeinhalb Minuten nehmen sich Iris Electrum Zeit, um ihre musikalische Tragkraft voll auszubreiten.
Für die Single hat die elfköpfige Gruppe rund um Johannes Wakolbinger mit Anja Plaschg zusammengearbeitet, die vielen wohl auch als Soap & Skin bekannt ist. Gemeinsam mit Friede Merz verleiht sie dem atmosphärischen Artpop-Sound stimmlich eine gewisse Ruhe. Warme Streicher tragen den Gesang der beiden, bis der Song nach gut zweieinhalb Minuten für einen kurzen Moment verstummt und innehält. Danach baut er sich Stück für Stück wieder auf, zu den Streichern stoßen elektronische Klänge und später auch Bläser. Nicht nur im Gesang, sondern auch in der Musik wird durchgehend schön melodisch harmoniert.

Inhaltlich scheint »Into Dust« um das zu kreisen, was vom Menschlichen übrig bleibt, wenn Aufgaben, Kontrolle und all die noch so kleinen Systeme, in denen wir uns bewegen, irgendwann wegfallen. Liebe ist hier jedenfalls »nothing technical«, sondern »warm« und »soft«. Der Song vermittelt gewissermaßen ein Gefühl von innerem Frieden mit dem Leben und all seinen Hürden – die Sängerinnen summen wiederholt und könnten dabei kaum wohlwollender klingen. »Mhm, mhm …«
Wie im Traum
Das dazugehörige Musikvideo ist in Zusammenarbeit mit Marianne Andrea Borowiec und Hannes Starz entstanden. Dass beide in der Filmbranche tätig sind, merkt man ziemlich schnell: Ästhetische Naturaufnahmen treffen auf Schattenspiele und einen Wechsel von Farbe und Schwarz-Weiß. Manche Bilder sind gestochen scharf, andere verschwimmen – so, als hätte man gerade ein Sekündchen zu lange in die Sonne geschaut. Die Augen eines älteren Mannes, die konsequent an der Kamera vorbeischauen, tauchen immer wieder auf. Durch die große Abwechslung, die das Video mit sich bringt, wirkt es fast wie eine wirre Traumsequenz in einem Film.
Spielfreude und ein gewisser Raum, der offen bleibt für Interpretation, sind wohl die größten Konstanten der Komposition. Es macht nämlich ganz schön viel Spaß, sich das Video auch ein zweites Mal anzusehen und eigene Schlüsse zu ziehen. Mögliche Lesarten gibt es jedenfalls genug. Entlassen werden Zusehende von Kinderaugen, die – anders als die Augen es alten Mannes – direkt in die Kamera blicken. Ein schöner Abschluss eines Werks über Vergänglichkeit und das Leben als Kreislauf.

Die Single »Into Dust« ist der erste Vorgeschmack auf das kommende zweite Album »Invitation to My Tears« von Iris Electrum, das am 2. Oktober 2026 bei Introvert Utopia erscheint. Um die Veröffentlichung angemessen zu feiern, wird bereits am 30. September um 19:30 Uhr zu einer Album-Release-Show ins Radiokulturhaus in Wien geladen.