Was tun, wenn keine Genreschublade so recht passen mag? Man öffnet sich einfach eine eigene. Lucy Fair singt auf ihrem Album »Cinematic Bubble Grunge« sowohl über Exfreunde, die man sich hätte sparen können, als auch über die, denen man dann doch nicht so ungern zurückschreibt.

Lucy Fair hat nicht nur ihrem Debütalbum den Titel »Cinematic Bubble Grunge« gegeben, sondern gleich ein ganzes Genre so benannt. Obwohl, Debütalbum stimmt nicht ganz: Als Valentine hat die Berliner Musikerin Mitte der Nullerjahre bereits drei Alben veröffentlicht, jetzt gibt es unter neuem Namen sozusagen den bittersüßen Nachschlag.
Das Wechselspiel zwischen schillernder Popblase, unverblümten Texten und rotzigem Grunge, der einen zurück in die Neunziger katapultiert, zieht sich sowohl musikalisch als auch inhaltlich durch das Album. Auf »Something in the Water« bewegt man sich zum Beispiel zu punkigen Gitarrenriffs durch eine Art Traumsequenz und wird mit Blubberlauten unterhalb der Meeresoberfläche entlassen. Lucy Fair teilt inhaltlich ganz schön aus, singt über red flags in (nach der konfrontativen Grundstimmung zu urteilen, eher Ex-)Beziehungen, ist sich aber auch nicht zu schade, Selbstkritik zu äußern. Schließlich verbannt sie ihr Gegenüber in »See You in Hell« nicht einfach ins teuflische afterlife, sondern bereitet es schon mal auf ein dortiges Wiedersehen mit ihr vor.
(Don’t) Text Your Ex
Auf »Broken Hearted« bündeln sich all diese Elemente: Nach einer kurzen Streichersequenz, einem Notification-Sound und einem wuchtigen Bassdrop singt Lucy Fair selbstironisch über die Konsequenzen, die es hat, wenn man dem Ex dann doch wieder schreibt. »At least you’re prepared being broken-hearted«, lautet die Erkenntnis. Nicht nur durch diesen Song zieht sich der Klang von Streichern – in »Hellfire« und »How Do You Sleep at Night« wird man sanft von ihnen begrüßt, bei »Burning« fast orchestral in den darauffolgenden Song geleitet.
Obwohl das Album schon für sich genommen höchst cineastische Geschichten erzählt, muss es hier nicht beim Kopfkino bleiben. Die Musikerin hat die komplexe Lovestory nämlich in einen Kurzfilm verpackt. Entstanden ist dieser by the way in ihrer Zweitheimat Innsbruck. Und nach dem Hören der elf Songs bedarf der Albumtitel eigentlich keiner Erklärung mehr. Ganz im Gegenteil: Er könnte kaum treffender sein.

Das Album »Cinematic Bubble Grunge« von Lucy Fair ist heute, also am 16. Oktober 2026, erschienen.