Ankommen, aber bloß nicht da sein

Auf "Blausicht" hat Gerard noch besoffen getanzt, aus Taxis gekotzt und leichte Mädchen gefragt, ob sie nicht bei ihm einziehen möchten. Damit hat er zum Glück aufgehört.

Zumindest singt er nicht mehr davon. Überhaupt geht Gerard auf seinem mittlerweile vierten Album "Neue Welt" weiter weg von den detaillierten Nacherzählungen und mehr in Richtung Lebensphilosophie. Er sinniert über das Dasein im Jetzt, seine Generation und vielleicht noch die nächste, macht sich Gedanken darüber, die Welt zu verändern, ein guter Mensch zu sein und fragt sich mit Blick gen Himmel, was wohl Licht wiegt. Es ist alles ein bisschen deeper als vor zwei Jahren, es geht um mehr als bloß die letzte Nacht und den nächsten Kick. Er hinterfragt Dinge, denkt in größeren Zusammenhängen, hat uns etwas zu sagen. Das ist gut. Ob das jetzt schon mehr Pop als Hip Hop ist, ist da vollkommen egal. Aber ja, ist es natürlich.

Weggefährten-Comebacks

Und bitte, wie optimistisch und ausgeglichen kann man sein? Wow. Auf "Blausicht" noch von Selbstzweifeln und Unsicherheiten geplagt, scheint Gerard jetzt angekommen zu sein. Wo, weiß er selbst nicht, er will ja auch nicht stehen bleiben. Läuft jedenfalls bei ihm. Aber warum sollte er sich auch beschweren? Immerhin haben mit Patrick Pulsinger, Stickle und Nvie Motho ein paar sehr fähige Menschen auf "Neue Welt" produziert und gemischt. Außerdem Wandl (unverkennbar "Hymnen") und Velojets René Mühlberger, der auch Teil der FM4 Acoustic Session war. Von ihm hat er mit "Ozean" (im Original "The Sea Is The Ocean Is The Sea" – oha) sogar einen Song adaptiert. Ein Liebeslied. Und was für eines. Erfreulich sind aber auch die anderen Kollaborationen. OK Kid ist wieder mit dabei ("Panorama"), außerdem Maeckes ("Gelb") und Lot ("Durch die Nacht").

Neue Fans gesucht

Gerards neue Welt hat auch einen neuen Soundtrack. Kleinteiliger, aufregender, besser. Man könnte wahrscheinlich fast artsy sagen, aber dafür sind die Songs allesamt wohl doch zu eingängig. Sind sie aber auch eingängig genug für die jungen Massen, die ja doch immer einen großen Teil der Gerard-Fans ausgemacht haben? Vielleicht nicht. Aber vielleicht ist das auch wurscht. Denn "Neue Welt" hat auf jeden Fall das Potenzial, neue Ecken zu erschließen. Es ist nicht perfekt, aber doch richtig, richtig gut. Und Optimismus färbt ab. Gruselig.

"Neue Welt" von Gerard erschien am 4. September via Heart Working Class. Gerard kommt auch live auf Tour. Am 15.10. Graz PPC, 16.10. Linz Posthof, 17.10. Innsbruck Weekender, 18.10. Salzburg Rockhouse, 31.10. Dornbirn Conrad Sohm, 03.11. Wien WUK

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...