Auf den Spuren des österreichischen Actionfilms

Am Donnerstag startet “Die Hölle – Inferno” von Stefan Ruzowitzky im Kino. Der Film wird als der “härteste Action-Thriller aus Österreich” angekündigt, doch wie groß ist die Konkurrenz eigentlich?

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© Still "Coconuts", Produkiton: Epo Film, Lisa Film, Verleih: Tivoli

Für atemberaubende Actionsequenzen ist das österreichische Kino nun wirklich nicht bekannt. Melancholisch, nachdenklich, satirisch, morbid – ja. Es darf auch gerne mal abgründig zugehen. Aber schnelle Schnitte, Schießereien, Explosionen und Verfolgungsjagden suchen Österreicher in heimischen Produktionen meist vergeblich. Die Hölle – Inferno, der am Donnerstag in die Kinos kommt, will das nun ändern. Regisseur Stefan Ruzowitzky, dessen “Die Fälscher” 2008 immerhin den Oskar für den besten fremdsprachigen Film erhielt, bezeichnet sein neuestes Werk als “den härtesten Action-Thriller Österreichs”. Dieser Ankündigung gerecht zu werden, ist scheinbar keine allzu große Herausforderung.

Auf der Liste der Österreichischen Kinofilme auf Wikipedia findet sich kein auch einziger Eintrag, der als angegebenes Genre “Action” aufweist. Weicht man die Genregrenzen aber etwas auf, finden sich dann doch ein paar Beispiele für den hiesigen Actionfilm. Wenn schon nicht für Thriller, dann wenigstens für Komödien. Wir haben eine kleine Auswahl für euch zusammengetragen.

Exit…nur keine Panik

Ö 1980, Regie: Franz Novotny

“Red ned so ordinär, du Oarschloch!”. Sex, Gewalt und Wiener Schmäh: Der Strizzi Kirchhoff träumt davon, ein Kaffeehaus aufzusperren. Die dazugehörige Espressomaschine ist bereits geklaut, der Rest ist eine Tour de Force durch das grindig-charmante Wien der frühen 1980er. Es wird geschossen, geschlägert und ein Würstelstand abgefackelt. Ein rabenschwarzer, zu unrecht vergessener Kultfilm.

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Planet USA

Ö 2013, Regie: Flo Lackner

Minimales Budget, maximale Explosionsdichte. Planet USA ist eine augenzwinkernde Hommage an das große Hollywood-Actionkino der 80er und 90er. So etwas wie The Expendables in der Alpenversion. Der Klagenfurter Regisseur Flo Lackner bedient sich für ein richtiges Hollywood-Feeling eines besonders eleganten Tricks: Seine Schauspieler ließ er von den deutschen Stimmen von Brad Pitt, Jamie Foxx, Johnny Depp und Spongebob nachsynchronisieren!

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All the Queen’s Men (Die Männer ihrer Majestät)

USA/D/Ö 2001, Regie: Stefan Ruzowitky

Ein echter Rekordhalter des hiesigen Actionkinos stammt vom Hölle-Regisseur Stefan Ruzowitzky selbst. Sehr stolz dürfte es ihn aber wohl nicht machen, dass seine Zweiter-Weltkriegs-Spionagekomödie als der Film mit der niedrigsten Gewinnspanne ever in die Kinogeschichte eingegangen ist. Die Differenz zwischen den Produktionskosten (15 Mio.$) und Einnahmen (23. 662$) beträgt nämlich sagenhafte Minus 99,92 Prozent. Wir schauen uns den Trailer mitsamt seinen transphoben Schenkelklopfern – “Not bad…for a bunch of queens” – an und vermuten: zurecht gefloppt!

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The Three Musketeers

Ö/UK/USA 1993, Regie: Stephen Herek

Einer für alle, alle für einen! Als Kind ist man bei Filmen nicht allzu wählerisch – schon gar nicht, wenn darin massenweise Degenkämpfe vorkommen. Wenn man wie ich in den Neunzigerjahren aufwuchs, ist man mit der Disney-Adaption der drei Musketiere, zwei davon porträtiert von Kiefer Sutherland und Charlie Sheen, bestens vertraut und kann zugegebener Maßen nicht mehr den gebotenen kritischen Abstand nehmen. In diesem Sinne: die fulminante und großartige Disney-Adaption des Romans von Alexandre Dumas entstand unter österreichischer Produktionsbeteiligung, was mich mit ein wenig patriotischem Stolz erfüllt. Gedreht wurde unter anderem in Perchtoldsdorf, Maria Enzersdorf, Hinterbrühl und Korneuburg und in der Wiener Hofburg.

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Coconuts – Immer Ärger mit der Kohle

Ö/BRD 1985, Regie: Franz Novotny

Laut der einzigen IMDB-Kritik ist Coconuts ein “Ultra chaotic Austrian road movie from hell”. Eigentlich kann es sich hierbei nur um ein Meisterwerk handeln. Wie es aussieht, kann er nicht nur jede Menge Explosionen aufweisen, sondern auch einen einfachen Plot, in dem ein Gangster sein entwendetes Geld zurück haben will, und einen jungen Rainhard Fendrich mit einer riesigen Pumpgun bewaffnet.

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Die österreichische Produktion die Hölle unter der Regie von Stefan Ruzowitzky erscheint am 19. Januar in österreichischen Kinos. Unter anderem zu sehen: Violetta Schurawlow, in der Rolle einer Wiener Taxifahrerin, die Zeugin eines Mordes wird und Tobias Moretti als Ermittler. 

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