Bilderbuch bündeln auf »∞+1« ihre diversen musikalischen Inkarnationen der letzten fünfzehn Jahre. Dabei schlägt das Pendel zwischen »Art« und »Pop« eher Richtung »Art« aus. Getanzt werden darf trotzdem.

Synthesizerfanfaren ertönen, ein wie für das Stadion gemachtes Schlagzeug setzt ein und Maurice Ernst singt mit verfremdeter Stimme davon, einen Striptease hinlegen zu wollen. Kurz könnte man denken, Bilderbuch kehrten auf »∞+1« in die Ära des futuristischen Pop der Alben »Schick Schock« und »Magic Life« zurück. Schon nach einigen Takten des Openers »Finstere Erleuchtung« legt sich aber eine Schwere über den Track, die sich durch große Strecken des Albums zieht und einen deutlichen Gegensatz zum Überschwang früherer Tage darstellt.
Bilderbuch waren mit ihrem Sound eigentlich immer der Zukunft zugewandt – nur sieht die im Jahr 2026 einigermaßen finster aus. Das schlägt sich auf die Musik nieder und ist besonders stark im Song »Irgendwo« zu hören: Zu finster dröhnenden Gitarren und einem stampfenden Stakkatobeat singt Ernst von Krieg in der Ferne und Drohnen am Himmel. Im Refrain heißt es dann doppeldeutig: »Irgendwo brennt immer ein Licht.« Und tatsächlich: Trotz aller Härte und Finsternis, scheint auch etwas Zugewandtheit und Hoffnung durch den Track. Dieses Vereinen von Gegensätzen ist eine große Stärke Bilderbuchs. »Irgendwo« ist ein erstes Highlight auf »∞+1«, das die Band mit einem sehenswerten, surrealen Videoclip gekrönt hat.
Bauch, Beine und Lobotomie
Weniger brachial, dafür umso tanzbarer sind die beiden anderen Vorabsingles »Zahlen als Beweis« und »Push Reality«. Letzteres ist eine sarkastische Bestandsaufnahme der immer extremer werdenden Selbstoptimierungskultur zwischen Ozempic und Schönheits-OPs. Oder, wie Bilderbuch es ausdrücken: »Bauch, Beine und Lobotomie«. Musikalisch ist der von einer minimalistischen Bassline und hypnotischen Synthesizern dominierte Song ein Glanzstück, das hoffentlich dank wagemutiger DJs seinen Weg in die Clubs des Landes finden wird.
An anderen Stellen ist das Album weniger auf klare Songstrukturen und mehr auf Atmosphäre konzentriert. Dies und der häufige Einsatz von Stimmverzerrern machen das Hören von »∞+1« auf Dauer recht fordernd. Trotzdem bietet es einige äußerst starke Songs und zeigt, dass die Band auch nach vielen Jahren im Geschäft experimentier- und spielfreudig geblieben ist.

Das Album »∞+1« von Bilderbuch erscheint am 9. Oktober 2026 bei Maschin Records. Die nächsten Bilderbuch-Konzerttermine: 7. August 2027, Linz, Domplatz — 14. September, Wien, Arena-Open-Air — 15. September, Wien, Arena-Open-Air — 16. September, Wien, Arena-Open-Air.