Der Sound der Verunsicherung durch kaputte Speaker gejagt – »Smogstar« von Culk

Culk fangen auf ihrem vierten Album das Lebensgefühl der Groß­stadt ein: Zwischen Verloren- und Verliebtsein, dem Wunsch, sich neu zu erfinden, und der Erkenntnis, sich noch gar nicht gefunden zu haben. Dabei klingt die Wiener Band so laut und hymnisch wie noch nie.

© Sophie Löw

Haben Bands eine bestimmte Zeit im Musik­business hinter sich, setzt nicht selten ein gewisser Schliff im Sound ein. Produktionen werden cleaner, die Songs poppiger. Bei Culk ist das Gegenteil der Fall: Von An­fang an gab sich ihr Postpunk ausgefeilt, kühl und durchdacht. Auf ihrem vierten Album »Smogstar« klingen sie nun aber betont noisig und rau.

Es ist ein Album, das sich immer wieder darum dreht, sich neu zu erfinden – oder sich überhaupt erst mal zu finden. Die Neu­aus­richtung des Sounds ist da nur logisch. Waren auf früheren Alben etwa The Cure oder Siouxsie and the Banshees Referenzen, passen jetzt eher Sonic Youth oder die frühen Placebo als Vergleich. Trotzdem bleiben Culk unverkennbar sie selbst. Das liegt vor allem am außer­gewöhnlichen Gesangs­stil von Sophie Löw: Ihr ge­dehnter, mal ver­letzlich-flüsternder und dann doch wieder kraft­voller Vortrag ist das große Allein­stellungs­merkmal der Band.

Euphorie und Nostalgie

Der Noiserock-Lovesong »Kaputte Speaker« eröffnet das Album überraschend hymnisch, etwas, das man von den bisher eher introvertiert wirkenden Culk so nicht er­wartet hätte. Nach einem leisen Anfang dreht der Song auf und hebt, von über­einander­geschichteten Gitarren getragen, förm­lich ab. Ganz so euphorisch bleibt das Album nicht; immerhin geht es hier um existenzielle Fragen und Unsicherheiten, die das Leben in einer modernen Großstadt mit sich bringen.

Besonders schön und poetisch werden diese im grüblerischen »Weiß nur, wer ich nicht bin« in Szene gesetzt. Sophie Löws Texte schaffen es darin – ohne zu explizit zu werden –, Themen zu setzen und Bilder zu zeichnen. Das englisch­sprachige »Twenty, Eighteen« ist ein weiteres Highlight: Hier trifft Löws von Nostalgie durchzogener Gesang auf nervöses Schlagzeug und eine Gitarre, die auch Sonic Youth gut gestanden hätte. Für sich genommen, sind viele der weiteren Songs ähnlich eindrücklich, auf Album­länge können der Sound und Löws Gesang aber auch etwas ermüden. Trotzdem: »Smogstar« ist die erfrischende Neu­aus­richtung einer der zurzeit interessantesten Wiener Bands.

Culk »Smogstar«

Das Album »Smogstar« von Culk erscheint am 4. September 2026 bei Siluh Records. Die nächsten Konzert­termine der Band: 10. September, München (DE), Strom — 11. September, Leipzig (DE), Conne Island — 12. September, Hannover (DE), Kulturzentrum Faust —15. September, Berlin (DE), Neue Zukunft — 16. September, Jena (DE), Trafo — 17. September, Hamburg (DE), Reeperbahn Festival — 18. September, Münster (DE), Gleis 22 — 19. September, Flensburg (DE), Volksbad — 21. September, Köln (DE), Bumann & Sohn — 22. September, Düsseldorf (DE), Zakk — 23. September, Nürnberg (DE), MUZ — 24. September, Karlsruhe (DE), Kohi — 25. September, Mainz (DE), Schon Schön — 26. September, Schorndorf (DE), Manufaktur — 1. Oktober, Wien, Flex — 16. Oktober, Salzburg, Arge Kultur.

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