Projekt „Creau“: Ochs, Esel & mehr

Dieses Wochenende eröffnet der Ochs & Esel Wintermarkt in der „Creau“. Das Gelände neben der Trabrennbahn soll auch künftig von und mit Kreativen genützt werden. Wir haben mit dem Team gesprochen.

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Wer die U-Bahnstation Stadion Krieau verlässt und beide Stadien ignoriert, wird schnell fündig. Das Gelände der „Creau„, kurz für Creative Au, liegt auf der anderen Straßenseite, direkt neben der Trabrennbahn. Seit zwei Monaten trifft sich dort ein Team aus neun Leuten, das das etwa einen Hektar große Gelände künftig als Zwischennutzungsprojekt bespielen will und eher zufällig zusammengefunden hat. Ihr erstes Projekt: ein Wintermarkt. Bei „Ochs + Esel“ soll das Gelände dieses und nächstes Wochenende nun auch einem größeren Publikum vorgestellt werden. Das Flair der Trabrennbahn blieb zum Teil erhalten. Die Ställe wurden gereinigt, die Boxen aber erhalten – sie sollen die einzelnen Verkaufsstände bilden. Das Rondeau in der Mitte des Geländes, früher eine Pferdeführanlage, wird zum beheizten Aufenthaltsraum und bietet Platz für Konzerte und Lesungen. Aber auch sonst unterscheidet sich Ochs + Esel vom klassischen Christkindlmarkt: Lichtinstallationen von Neon Golden und 4youreye ersetzen die klassische Weihnachtsbeleuchtung, ausgeschenkt wird selbstgemachter Glühwein, für das leibliche Wohl wird mit regionalen Produkten gekocht. Dabei ist der Wintermarkt nur ein Pilotprojekt – die Fläche der Creau steht dem Team in den nächsten zwei Jahren als Zwischennutzungsprojekt zur Verfügung. Wir haben uns schon vor zwei Wochen mit dem Team getroffen und über den Wintermarkt und die weitere Planung gesprochen.

Wie hat das alles angefangen und wie habt ihr euch kennengelernt? 

Lukas Böckle: Birgit Brodner von der IC Projektentwicklung ist vor einem Jahr auf mich zugekommen und hat gemeint: Hier wäre ein Quartier, wo wir was machen könnten. Es gab dann einige Verhandlungen und im April haben wir uns geeinigt und den Vertrag unterschrieben. Im Sommer haben wir dann mit der Sommerküche langsam angefangen, die Location zu nützen. Dann entstand Pop-In Creau durch ein Kollektiv, mit dem ich schon bei meiner ersten Zwischennutzung in der Schönnbrunner Straße zusammengearbeitet habe. Zu denen hab ich dann gesagt, sie können hier aus den Stallungen mehr oder weniger machen, was sie wollen. Entstanden ist daraus eine Ausstellung und so habe ich Andrea kennengelernt und dann nahm alles seinen Lauf.

Seit wann plant ihr den Wintermarkt?

Andrea Junker: Seit etwa zwei Monaten. Wir wollen uns dabei auch als Gruppe kennenlernen und schauen einfach, wie wir am besten miteinander arbeiten können. Außerdem lernen wir dadurch auch, was man aus dem Gelände machen kann und wie man es vielleicht auch anderen Veranstaltern zur Verfügung stellen kann.

Stefan Kienberger: Wir sehen den Wintermarkt auch ein bisschen als Teambuilding. Wir haben vorher in der Konstellation ja nie zusammengearbeitet. Andere Leute machen einen Workshop, wir machen einen Markt. (alle lachen)

Eva Perner: Ich glaub es ist auch total wichtig, die Menschen draußen auf diese Weise mal herzuholen, um zu schauen, wie groß das Potential ist und wie die Leute das annehmen. Es gibt ganz viele Ideen. Der Wintermarkt ist eigentlich so eine Einladung nach draußen um auf das Gelände zu kommen und zu schauen, was man machen kann.

Was stört euch an klassischen Christkindlmärkten und was wollt ihr anders machen? 

David Kreytenberg: Das Plastik.

Lukas Böckle: Die Musik. Und das Ambiente.

David Kreytenberg: Die Massenware. Wir haben beim Konzept der Gastronomie auch sehr darauf geachtet – obwohl wir Anfragen von größeren Brands durch Vorprojekte wie Albert & Tina hatten  – dass wir mit regionalen Getränkepartnern arbeiten. Es soll ein warmer, sympathischer, regionaler und kreativer Ort werden und dadurch wollen wir uns abheben.

Stefan Kienberger: Wir haben auch nicht die klassische Christkindlmarktbeleuchtung. Bei uns leuchtet 4youreye und Neon Golden.

Worauf freut ihr euch am meisten? 

David Kreytenberg: Die regional angebaute Bio-Maroni (lacht) Und den selbstgemachten Glühwein.

Lukas Böckle: Wir haben einen tollen Winzer, den Karasek, von dem wir den Wein bekommen und wir machen das dann selbst, das ist einfach was anderes.

Andrea Junker: Außerdem haben wir das großartige Rondell, wo man sich gemütlich reinsetzen kann, wo es warm ist und wo es Konzerte gibt.

Was erwartet ihr euch?

David Kreytenberg: Wir erwarten uns einen tollen Markt und dass wir diesen Ort feiern können und natürlich auch viel Austausch. Also Networking in schönem, kuscheligen Rahmen. Und danach werden wir uns im Januar in eine kreative Schaffenspause zurückziehen und ein paar Weichen stellen und im Februar oder März dann mit konkreten Konzepten starten.

Beim Wintermarkt werden die Pferdeboxen ja zu Verkaufsständen, gibt es schon konkrete Pläne, wie der Stall danach genutzt werden soll? 

David Kreytenberg: Das Konzept ist schon, dass man den Stall X als Venue und vielleicht als Location für weitere Veranstaltungen nützt. Wir werden den nicht umbauen, der bleibt wie er ist und soll dann auch so weitergenutzt werden.

Lukas Böckle: Es gibt jetzt in jeder Box zwei Steckdosen und Licht. Wir haben gekärchert und gekalkt. Die Fluchtwegleuchten sind gemacht. Oben gibt es Infrarot-Paneele, insofern passt das wirklich gut. Es sind aber auch andere Nutzungen denkbar.

Wie sehen die Pläne für das Gelände gesamt aus? Ihr habt ja auch abgesehen vom Stall viel Platz… 

Andrea Junker: Die Vision sind auf jeden Fall kulturelle Geschichten, in Richtung Kunst und Lichtbespielung. Jeder von uns hat schon auf verschiedenen Festivals gearbeitet und jetzt schauen wir, wie sich das verknüpfen lässt. Es gibt hier irre Möglichkeiten und wir haben einen Hektar Land – das ist richtig viel, das darf man nicht vergessen. Wir können draußen Dinge aufbauen und sind nicht auf den Stall beschränkt.

Eva Perner: Wir hatten auch Kontakt mit einem Verein, der Jugendliche bei der Berufssuche unterstützt, die würden hier gerne Hochbeete aufbauen. Im Endeffekt kann man den Garten auch als Experimentierfläche nutzen.

David Kreytenberg: Insgesamt wünschen sich alle die Förderung von Kreativwirtschaft im weitesten Sinne. Das schließt sowohl Veranstaltungen mit ein, als auch Werkstätten oder Räume für kreative Konzepte.

Lukas Böckle: Die Fläche draußen wäre eigentlich auch dazu da, dass man so etwas wie einen modernen Biergarten mit unterschiedlichen Hochbeeten macht. Das kann zusammen mit Jugendlichen passieren oder mit der Boku. Oder aber mit Studenten von der TU. Momentan ist vieles einfach noch offen, aber Ideen haben wir genug.

Stefan Kienberger: Der Riesenvorteil, den wir hier alle haben ist, dass wir alle relativ viel Erfahrung mit unterschiedlichsten Veranstaltungen haben und alle auch extrem große Netzwerke mitbringen. Jetzt sind wir dabei, das alles zu verbinden und in die richtige Richtung zu bringen.

Wie sieht es hier mit den Nachbarn aus? 

Lukas Böckle: Wir haben Pferde als direkte Nachbarn und da muss man natürlich schon aufpassen. ACDC und David Guetta werden hier nicht spielen, das ist zu laut. Man muss auch schauen, dass man mit den Nachbarn zurechtkommt, weil sonst macht man sich die Location kaputt.

David Kreytenberg: Es ist keine Partylocation. Es soll hier kein Club stattfinden… erstmal (lacht)

Lukas Böckle: Der David probiert es eben immer wieder. (alle lachen)

Marlies Stohl: Ich glaub der Ort ist im Endeffekt optimal für… sagen wir mal „in die Jahre gekommene Partymenschen“. Es ist abgesperrt, man kann mit Kindern kommen, es ist gut erreichbar und es wird von Leuten bespielt, die viele kreative Ideen haben.

Stefan Kienberger: Im Sommer können hier auch Unplugged-Konzerte stattfinden. Beim Wintermarkt wird erstmals der Vinylograph vorgestellt. Das ist ein Automat der Live Platten mitschneidet. Von den Künstlern, die hier live auftreten, werden jeweils ein bis zwei Nummern aufgenommen und das wird dann zu Gunsten von Licht ins Dunkel versteigert. So etwas lässt sich natürlich auch im Sommer wiederholen.

Tut es nicht weh, wenn man weiß, in zwei Jahren ist es aus?

Lukas Böckle: Das Objekt ist weg, aber das Netzwerk bleibt ja. Das ist das wichtigste. Das hab ich auch bei den anderen Zwischennutzungen gelernt. Das Projekt selbst bleibt immer länger, aus denen sich wieder tolle andere Sachen ergeben.

Der Ochs + Esel Wintermarkt ist von 10.-12. Dezember und von 17. bis 18. Dezember geöffnet und bietet eine Mischung aus Musik, Lesungen, Performances und einem Markt mit zahlreichen Ausstellern direkt in den ehemaligen Pferdestallungen. Alle Infos zum umfangreichen Programm findet man hier

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