Cro im Interview

Im Interview erklärt Cro, was er wie richtig gemacht hat, warum er sich trotz ausverkaufter Tourneen noch nicht als Superstar fühlt, warum er hohe Summer von Major Lables abgelehnt hat und fragt sich, was andere Rapper nur von seiner Mutter wollen.

Wie hast du dich gefühlt, als bei der Fernsehshow "Deutschland sucht den Superstar" ein kleiner Junge deine Single "Easy" gerappt hat?

(lacht) Das war natürlich eine Überraschung. Wow, krass, witzig – das dachte ich mir dabei.

Sind da nicht Star-Gefühle bei dir aufgekommen?

Naja, nö. Das Drumherum, was gerade alles passiert, finde ich noch krasser. Das DSDS-Kind war halt süß und niedlich, aber ich hab mir jetzt nicht gedacht, wow, ich hab’s geschafft.

Hat es in der deutschen Rap-Szene an Spaß, positiver Energie und vielleicht auch Naivität gefehlt?

Jetzt in der letzten Zeit? Also früher was das ja normal, dass Rap nett, humorvoll und Spaß war. Das wurde dann etwas von Aggro und der ganzen Gang verdrängt. Ich glaube, das kommt jetzt wieder ein bisschen zurück.

Du wirst auch als Gallionsfigur dieser Veränderung wahrgenommen. Siehst du dich selbst so?

Ich selber sehe mich noch nicht ganz so. Ich glaube aber, dass alles danach aussieht. Wenn mich andere so nennen, die "Gallionsfigur vom neuen Zeitalter", dann passt das schon. Dann sage ich, okay, cool.

Du bleibst bescheiden.

Naja, wie würde das denn jetzt kommen, wenn ich herumrennen würde und sagen: Yes, ich bin jetzt euer Führer. Huhu! Das wäre ja voll doof.

Könnte dein doch sehr schneller Erfolg auch nur ein schneller Hype sein?

Für mich fühlt es sich anders an. Wenn es jetz nur ein kurzer Hype wäre, dann würde nicht gerade jeder… (überlegt). Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll. Ich fühle, dass es nicht bloß ein Hype ist und nicht bloß eine Blase ist, die platzt.

Es wurde gemunkelt, dass du sehr große Angebote von großen Labels abgelehnt hast. Warum war das für dich so klar?

Als das Ganze gerade explodiert ist, im Dezember und Januar, kamen dann alle Majors. Four Music, Universal, Warner, alle. Die haben uns nach und nach ihre Angebote gemacht und sie wieder gestoppt. Irgendwann waren wir auf unmenschlich hohen Summen. Diese ewige Verhandlungsscheiße hat sich echt über drei Monate hin gezogen. Wäh! Es war ganz ekelhaft, mit ständigem Essen gehen. So, dass ich dann irgendwann sagte, ich habe keinen Bock drauf. Das läuft von alleine auch. Das ist auf jeden Fall cooler und wir verdienen noch mehr. Yeah! (lacht) Wie beim Drogenbusiness – scheiß auf die Zwischenhändler (lacht).

Wie sieht der Autorenvertrag für dich aus, den du mit Universal gemacht hast?

Da bin ich halt, um die Connections zu anderen Künstlern zu knüpfen, um auch mal was für andere zu schreiben. So einen Autorenvertrag hat ja eigentlich jeder.

Wie geht es den Rappern aus deinem Umfeld mit deinem großen Erfolg?

So an sich ziemlich gut, die sind alle cool damit und gönnen mir das. Aber es schwingt auch immer etwas mit. Neid ist halt irgendwo immer da.

Stichwort: Hipster-Bashing. Es gibt von Rappern aus anderen Lagern auch schon sehr starke Abgrenzungen zu deiner Person. Wie geht es dir mit solchen Reaktionen?

Ich weiß nicht, das meiste davon kriege ich gar nicht mit. Wenn irgendjemand rumquatschen will, dann soll er quatschen. Das passt schon. So wie dieser KC Rebell in einem Interview. Ich glaube, der beleidigt meine Mama und ich weiß nicht warum. Ich finde sowas total doof. Mir wurde das nur erzählt. Er behauptet auch, Cro wäre zu 99 Prozent Marketing. Warum behauptet der denn sowas? Der hat doch übrhaupt keine Ahnung. Was bei uns Marketing war, war so gut wie nix, nullkommanix. Man hat sich überlegt, was geht ab und: okay, wir machen das so. Ein Video und das passt. Das war überhaupt nichts mit Marketing, nur alles eine spontane Schnapsidee von uns Idioten. Aber naja, wenn er es so nennen will. Das finde ich dann fies, wenn irgend so ein Holzkopf und Dummkopf, der keine Ahnung hat, einfach Lügen erzählt. Der quatscht da über sein ganzes Leben und die Überschrift ist Cro. Cool, scheiß auf den da. Aber es geht trotzdem an mir vorbei.

Es stört dich, dass du auf einen Markenaspekt reduziert wirst. Gleichzeitig spielst du sehr mit austauschbaren, beliebigen Symbolen. Hast du Bedenken, selbst auch zu einem beliebigen Symbol zu werden, wie etwa die Panda-Maske?

Ich habe die Maske absichtlich so ausgelegt, dass man den Fokus nicht auf mich legt, sondern auf die Musik. Ich habe jetzt keine Angst, dass ich nur auf den Panda reduziert werde.

Empfindest du es als große Herausforderung, die derzeitige Aufmerksamkeit in eine Karriere zu verwandeln?

Ich mach mir da eigentlich gar keinen Druck. Ich mach einfach und kuck, was passiert. Man kann es eh nicht planen. Das Leben geht nicht geradeaus. Es geht halt immer links-rechts und man muss dann immer neu kucken, wo man steht. Ich mach mir da jetzt keine Stress, es läuft sowieso wie es läuft.

Was machst du richtiger als andere Rap-Akteure in Deutschland?

Gute Frage, das müsste man eigentlich die fragen, die diese Musik feiern. Die können dann sagen, was ich richtig mach. Ich mach halt einfach worauf ich momentan Bock hab und es kommt, glaube ich, gut an. Vielleicht, weil ich noch so nahe an der Jugend dran bin. Viel Glück spielt auch eine Rolle. Es gibt viele, die alles richtig machen, gut rappen, schöne Beats haben, was weiß ich – gut aussehen und es würde perfekt passen, aber die haben einfach nicht das Glück.

Gibt es Fehler, die du in deiner bisherigen Karriere bereust?

Wenn dann nur Kleinigkeiten, da fällt mir auch nichts ein. Aber im Grunde haben wir oder hab ich komischerweise alles richtig gemacht. Es gab keinen Schritt, bei dem ich dachte, oh nein Scheiße. Das war so wirklich alles perfekt, es könnte nicht besser laufen.

Hat sich daraus für dich ein Muster ergeben, um bei künftigen Schritten wieder alles richtig zu machen?

Nö, ich habe nur bemerkt, dass man sich gar nicht so groß Gedanken machen, sondern einfach machen sollte. Das ist viel wichtiger als ewig zu planen. Wenn man sich ewig verkopft, dann stagniert man irgendwann – um mal hier eloquent zu wirken – und verplant sich jahrelang. Eigentlich ist es viel wichtiger, den Scheiß zu machen, rauszuknallen, fertig aus. So mach ich das auch in Zukunft.

Hast du einen größeren Erwartungsdruck gespürt, weil "Raop" im Sommer kommen muss?

So ein Grunddruck ist natürlich immer da, wann es Menschen danach hören. Feiern die es jetzt oder nicht? Und man weiß es nicht. Oh Gott, oh Gott. Aber es war verblüffenderweise echt nicht mehr Druck als davor. Weil ich halt einfach zu Hause war und ich mach es sowieso nur so, wie ich es mag. Da ändert sich ja nichts, ob das jetzt Hunderttausend hören oder nur Zwei. Deswegen war der Druck jetzt nicht arg viel größer. Aber trotzdem ist es natürlich krass, was geht. Wow! Im Nachhinein wird mir immer mehr klar, okay, das Album steht jetzt, ich hab das in zwei Monaten so gemacht und jetzt soll es fertig sein – was?! Ich bin ja immer selbstkritisch, nie zufrieden damit und jetzt hören es halt ganz viele Menschen. Und das soll jetzt das neue Ding sein? Oh Gott. Ich weiß es noch nicht, aber ja. Es wird schon, es wird schon.

Deine Konzerte sind ausverkauft und du bist fast das ganze Jahr über ausgebucht. Wie sehen die kommenden Monate bei dir aus?

Jetzt geht die Festivaltour los, da kommen dann fast alle Festivals, die es so in Deutschland gibt (lacht). Die geht dann bis Spätsommer und im Herbst kommt die große Headliner-Tour, die geht einen Monat. Dann ist mal ’ne große Pause, in der ich mal wieder Zeit habe, um Musik zu machen, zu chillen oder Urlaub. Dann kommt wahrscheinlich im Frühling (2013) wieder ’ne Tour. Es hört nicht auf, ich bin gefangen in der Maschine und komme nie wieder raus.

Aber dir gefällt es in der Maschine, oder?

Ja klar, logisch. Noch macht’s Spaß, auch wenn es jetzt vielleicht ein wenig anstrengend wirkt.

Das Debütalbum "Raop" von Cro erscheint am 6. Juli via Chimperator.

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