Die Idee

Ein junges Start-up aus Wien hegt den Wunsch, die aktuelle Modewelt ein wenig auf den Kopf zu stellen. Grosse Ambitionen treffen harte Realitäten. Tag für Tag. Ab jetzt als neue Gründerserie in The Gap.

Wir sind jung, chronisch unterfinanziert und legen uns zielstrebig mit einer der ältesten und etabliertesten Industrien an. Jeder weiß: Mode ist schön. Wir denken an Träume aus Stoff, an Designer und Models, an Bussi links und Bussi rechts.

Die reale Modeindustrie ist wenig überraschend ein gigantisches, auf maximale Gewinnoptimierung getuntes Ungetüm, deren Marketingkampagnen das eigene Tun und Handeln bis zur Unkenntlichkeit verschleiern und mystifizieren. Es werden Trends im Akkordtakt am Massenmarkt verheizt und der Ursprung dieser Trends – oft kleinere Designer – links liegen gelassen. Dass es ein/e Designerin von kleineren Boutiquen in den breiteren Markt schafft ist ein ökonomischer Gewaltakt, der oft nur mit viel Glück Hand in Hand geht.

Den Weg, den ein junger Designer hinter sich bringen muss, damit er es überhaupt in Boutiquen schafft, ist sogar noch steiniger. Ohne größeres Startkapital ist die Gründung eines Labels, das am Markt auffällt, nahezu unmöglich. Designer sind mit Mindestabnahmemengen von Stoffhändlern, Sourcing von Materialien, Vernetzung und Testing mit Produktionspartnern, Kosten für Produktion, idealerweise Showrooms und Fashion Weeks, Vertriebsnetzaufbau und hoffentlich Shopmieten und Angestellten konfrontiert. Selbst wer nur die ersten Schritte Richtung Traumberuf und Existenz machen will, braucht bereits sehr viel Energie, Kapital und Glück. Für Absolventen von Modeschulen/-universitäten sind Förderungen oft der einzige Weg. Diese jedoch können unmöglich einen repräsentativen Querschnitt der jungen Kreativen und ihrer Ideen zu einem Karrierestart verhelfen. Es gibt tolle Ideen für moderne, frische, authentische Mode von talentierten Kreativen, die es verdient haben, bis zum Endkunden zu kommen.

Die Stärken des Internets nützen

Das Internet ist die neue DNA der Modewelt geworden und verändert diese Tag für Tag – auch wenn die Industrie es teilweise nicht wahrhaben will (siehe The Gap #104). Blogs und Streetstyle-Fotografen finden die Trends und das Gute daran: Junge Designer erhalten mehr Aufmerksamkeit als früher. Aber das Problem der ersten Schritte bleibt. Und hier möchten wir ansetzen. Der Gedanke hinter unserem Projekt: Internet trifft Mode. Und zwar genau in ihrem Kern – der Produktion – und das für talentierte Designer gratis. Wir bieten jedem, der Ideen für authentische Modeprodukte hat und potenzielle Kunden von diesen überzeugen kann die Möglichkeit zu Produktion, Marketing und Verkauf. Wir möchten unterstützen und Talenten helfen, es auf den Markt zu schaffen. Denn wir sehen diese Talente täglich in Modeschulen oder im eigenen Freundeskreis.

Der Ablauf: Man veröffentlicht seine Modeskizzen auf Garmz.com. Wollen genügend Leute dieses Produkt haben und dafür, so realisieren wir die Produktion mit unseren Schneidern und Manufakturen. Erst ein Stück für den Designer. Und wenn Kunden dieses Produkt reservieren, für alle und auf Webshop-Lager. Die Verarbeitungsqualität der Produkte ist auf, wenn nicht gar über, Marktstandard. Die Designs hoffentlich kreativer und frischer. Die Designs bleiben im Besitz der Designer. Wir realisieren nur die Produktion und den Vertrieb und übernehmen hierfür alle Kosten und jegliches Risiko, teilen aber den Profit.

Der Weg bis heute: Bisher stecken zwei Jahre harte Arbeit in dem Projekt. Vor allem die Anpassung an Realitäten der Produktion ist ein fortwährender Prozess. Wir stehen kurz davor zu starten und hoffen, so unsere Annahme, dass es Ideen für bessere Modeprodukte und noch unbekannte Talente gibt, sich beweisen zu können. Ende April geht unsere Plattform in erster Variante online und ab da möchten wir möglichst viel Tempo machen. Kurz gesagt: Das kommende Jahr wird spannend.

In den nächsten Ausgaben: Wir sind sehr gut darin, Fehler zu machen und hoffen noch besser darin zu sein, aus ihnen zu lernen. Was wir bisher alles falsch gemacht haben, warum unser Team aus fünf Nationen besteht, warum wir öfter bei Kreativ- und Wirtschaftsförderungen abgelehnt wurden als es jeder andere Designer des Landes jemals schaffen könnte, was wir auf Schotterstrassen in Ungarn und Bulgarien erlebt haben, wie viele Gründe uns genannt wurden, warum wir aufgeben sollten und wie man „MONEY“ korrekt auf Investor-russisch ausspricht, möchte ich gerne in den nächsten Kolumnen erzählen.

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