Der Wiener Songwriter und Underground-Poet Dima Braune ist mit seinem Solodebüt »Glücklich in Blau« sicher nicht auf Nummer sicher gegangen.

Es geht mit Volldampf los, die Gitarre bohrt sich gleich einmal mit einer freudigen Melodie ins Hirn, doch der Text in »Das, was ich nicht hab« (featuring Havarie) erzählt eine andere Geschichte. Der Opener gibt den ersten Hinweis darauf, was hier inhaltlich noch so alles auf uns wartet: »Von da an ging es nur bergab.« Folglich geht es langsamer und schlingernd mit »Swarovski Steine im Asphalt« (featuring Reiszner) weiter. Das Glitzern trübt sich, die Zweisamkeit ist doch nur oberflächlich, darunter lauert Sehnsucht und Einsamkeit: »Wir sind so alleine wie Swarowski-Steine.« Bei »Kulturadel« legt Dima Braune dann äußerst lässig frei, was im Business so alles nicht ganz richtig läuft. Man schmunzelt. Und nickt.
Die Musik auf dem Solodebüt des ehemaligen Grant-Sängers und -Songwriters setzt dabei auf von Experimentell-Psychedelischem durchzogenen Indiepop. Darin eingebettet und davon getragen geben sich die Texte trocken, lakonisch, oft melancholisch – und immer so ehrlich, dass es einfach ständig ein wenig wehtut. Doch das ist nicht unbedingt schlecht, wie man schon bei Grant gemerkt hat.
Das Schöne im Unperfekten
Je tiefer wir ins Album vordringen, desto mehr wird in gesellschaftliche Abgründe geschaut, es wird seziert, hervorgehoben und durchleuchtet. »Zahl den Doktor« (featuring Neps) hat eine Diagnose parat. Und am Ende kommt mit »Safespace« dann noch eine richtig wichtige Erkenntnis.
Hier wird der Blick so lange geschärft, bis man das Schöne im Unperfekten sehen kann. Es ist ein Soundtrack für den freien Fall, aber einer mit Reservefallschirm. Der Blick wandert bei jedem der zwölf Tracks kurz über die Oberfläche, um sich dann in die Tiefe zu stürzen. Und je öfter man das Album hört, desto mehr Schönes kann man finden.

Das Album »Glücklich in Blau« von Dima Braune erscheint am 24. April 2026 bei Feber Wolle Records. Das Releasekonzert findet am 30. April im Rhiz in Wien statt.