„To Be A Beast“ Dino Spiluttini über innere Dämonen

Wer hätte gedacht, dass es so schön sein kann, eine Bestie zu sein. »To Be A Beast« huldigt dem Kampf mit unseren inneren Dämonen.

© Tine Marie Spiluttini

Es braucht schon eine eigenwillige Drift, um auf die Idee zu kommen, Ambient zu machen oder auch nur zu hören. Im Fall von Dino Spiluttini war es die Abgeschiedenheit und Isolation eines alten Bauernhauses abseits vom Hamburg. Ambient ist für die meisten Menschen ja nur im Rahmen von Wellnessresorts oder als Soundeffekt im Film erträglich. Gerade Film, wo Drones instrumentell als Soundeffekt eingesetzt werden, liefert Zeugnis ihrer Wirkungsweise und Wirkmächtigkeit: Sie setzen die Atmosphäre einer gesamten Szene, subkutan und subtil, manchmal sogar manipulativ. Ambient ist natürlich mehr als bloße Filmuntermalung, sondern eine für sich stehende musikalische Ausdrucksform. Akustik-Gouache, wenn man so will. Hallgeräte, Vierspurkassettenrekorder und ein Tonbandgerät ersetzen den Pinsel und verfremden Spiluttinis Klaviarminiaturen, um die Geister darin zum Leben zu erwecken, wie er sagt. Ein iterativer Prozess aus Hören und Verfremden und erneutem Hören und Verfremden.

Und die Geister die Spiluttini ruft, fahren mit dir Gefühlskarussell oder Fahrstuhl gen Himmel, nur um dir von dort einen präziseren Blick auf den Abgrund zu erlauben. »To Be A Beast« ist das Ergebnis eines Kampfes mit dem eigenen inneren Biest, mit Körperlichkeit, Identität und Krisen, wie der Musiker erklärt. Die zwölf Stücke sind dessen Artefakte und Abstraktion und stehen nun ganz universell für den menschlichen Widerstreit der manichäischen Dämonen in uns. Es ist Spiluttinis bisher roughestes Werk und es huldigt einer streitbaren, uneitlen Ideen von Schönheit – Erhabenheit vielleicht. Die Stücke sind dabei genreuntypisch kompakt. Die Dramaturgien die Spiluttini in knapp vier Minuten entspinnt („Permission To Sleep“, „Kerstin In Ecstasy“ oder „Wreck The Infinite“), sind unaufhaltsam wie der Golfstrom und entführen in einen dunkel und geheimnisvoll schimmernden Ozean, der genauso rätselhaft bleibt, wie die Kreaturen, die ihn bewohnen. Gewiss ist nur: Es gibt einen Himmel über diesem Ozean und Spiluttini kennt den Weg dorthin.

„To Be A Beast“ von Dino Spiluttini erscheint am 30. März 2017 bei Cut Surface. Heute gibt’s im Wiener Rhiz den dazugehörigen Release-Gig.

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