Ein Traum in Gelb-Rot-Braun

Sonntag. Was tun? Klar, ein Ausflug mit der U6 nach Alterlaa.

Die Headline könnte auch »Warum ein Sonntag in Alterlaa das Geilste ist« lauten, tut sie aber nicht. Denn es gibt bestimmt – wenn auch nur wenige – geilere Sonntagnachmittagsbeschäftigungen. Zum Beispiel Formel 1 auf ORF 1.

Also, Alterlaa. Dort wird sicher auch F1 geschaut. Aber wahrscheinlich doch lieber am Dach im Pool geplanscht. Eigentlich ist alles da, trotzdem wirkt es im Park und im »hauseigenen« Einkaufszentrum trist und ruhig. Es kommt ein Feeling wie in einer ländlichen 9.000-Seelen-Gemeinde auf – eine verdichtete Kleinstadt in der Familien ihr Glück suchen. Das Glück trug auch der Architekt von Alterlaa, Harry Glück, im Namen – Pionier im sozialen Wohnbau. Seine architektonische Faszination aus Beton mit Balkon – die auch als #architectureporn bezeichnet werden könnte – lässt sich leiwand fotografieren und bietet visuell Spannendes.

Wie bei Oma und Opa

Ein Gelb-Rot-Braun-Traum aus den 70ern mit viel Grün wie bei Oma und Opa. Im nächsten Mynth oder Inner Tongue-Video dann Omas braunes Sofa mit Fliesentisch und Kaktus. Auch das würde gut werden. Interessante Strukturen, Linien und Formen lenken den Blick und der Charme des Heruntergekommen-Seins tut sein Übriges. Eine vereinsamte Telefonzelle, orange-braune Helvetica-Letter neben dem Eingang der Schule und sogar die grün-abgefuckten Mülleimer wirken besonders. Was ehemals clean, straight und für den Architekten sowie Bewohner selbstverständlich war, beeindruckt jetzt und wird durch die Makel und Spuren wieder etwas lebendiger, persönlicher, es hat Geschichte. Nahezu historisch wird es auch beim Zahnarzt. Cyan und ausschließlich in gemeinen Bauhaus-Buchstaben gesetzt: »zahnarzt«. Einige Jahrzehnte jünger sind die Schriften am runden Gebäude im Park. Mit Hilfe eines Narrow-Schnitts der Arial und der geometrischen Avant Garde in Form des »Sport Wien«-Logos wird der Eingang der Sporthalle gekennzeichnet. Eingang der Hölle, sowohl für Sportmuffel als auch für typo-affine Menschen.

Bei der U6-Station dann wieder Helvetica. Na Servus, Oida. Jetzt freut man sich fast schon wieder auf Otto Wagners U-Bahn-Stationen und Jugendstil.

Wir waren schon einmal in Alterlaa unterwegs – mehr zu Wiens faszinierendstem sozialen Wohnbau lest ihr hier.

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