Ein Weg nach Laibach

Laibach kann mehr als nur den Soundtrack zu Iron Sky. Über die Jahrzehnte sind ganz unterschiedliche Interpretationen von Dylan, Opus oder Queen entstanden. Niko Alm hat sich durch Hymnen gehört, die sich nur allzu gern missverstehen lassen.

1978 nahm das englische Label Mute Records seinen Betrieb mit dem Release von “Warm Leatherette” auf. Laibach (Wer gern Praha sagt: Ljubljana) interpretiert den Club-Klassiker von The Normal als “Warme Lederhaut” zum Einstieg eines Best Of, das sich selbst als Einstiegsangebot von Mute tarnt.

Aber mehr kann „An Introduction to… Laibach / Reproduction Prohibited“ auch gar nicht bieten, als den allernotwendigsten Einblick in die Welt der Slowenen. Zu verschieden und umfangreich sind die Ergebnisse ihrer Arbeitsweise, die vor allem in Form von Neuinterpretationen breite Bekanntheit erlangt haben: „The Final Countdown“, „Opus Dei“ (Life is Life), „Ballad of A Thin Man“, „Across the Universe“ waren natürlich schon durch frühere Interpretationen von Europe, Opus, Bob Dylan und The Beatles populär. Die Besonderheit der Verlaibachung liegt in der Ausarbeitung eines hymnischen, zeitlosen Anspruchs dieser Songs, den die – eigentlich so falsch bezeichneten – Originalversionen niemals einlösen konnten. Laibach transformieren Pop zu Pathos und räumen den totalitären Kern unter dem massentauglichen Zuckerguss hervor. Manchmal gelingt das einfach auch, indem ein Text übersetzt und im bassigen Laibach-Deutsch rezitiert wird. So geschehen etwa bei Queens „One Vision“, das bis auf den Titel „Geburt einer Nation“ ziemlich wortgertreu übertragen wurde und erstaunliche Textzeilen freilegt.

Im Pop ist der Komponist tatsächlich oft auch Interpret, aber es gibt in der Musik keine Originale, sondern nur Interpretationen. An Siddarthas „B Mashina“ wird das nach der ersten Version Laibachs auf dem Album „WAT“ in der zweiten Bearbeitung für den Soundtrack von „Iron Sky“ mustergültig vorgeführt. Zum besten, das Laibach in der Disziplin Evolution zu bieten hat, zählt die Weiter- und Neuentwicklung von Nationalhymnen auf „Volk“ die in den Auszügen „Germania“ und „Anglia“ auf „An Introduction to… Laibach“ zu finden ist. Die Grenze zur Eigenkomposition ist so fließend, dass Laibach sogar soweit geht Coverversionen gleich selbst zu schreiben. So geschehen bei der Kraftwerk gewidmeten Bro Hymn „Bruderschaft“.

Als Teil des Kollektivs NSK (Neue Slowenische Kunst) repräsentiert Laibach keine Band im klassischen Sinn, wenngleich sie sich in vielen Belangen so inszenieren, als vielmehr einen Zustand zu Musik und ihrem popkulturellen Phänotyp, der in seinen Verherrlichungsformen sehr oft regimegetreu agiert. Das führt Laibach vor und nimmt dabei seit 30 Jahren nicht wenige Missverständnisse in Kauf. In den 80ern sein Publikum mit der Anrede „Österreicher, ihr seid Deutsche“ zu adressieren, löste damals die gleichen Reflexe aus, die auch heute erwartet werden dürfen.

"An Introduction To… Laibach / Reproduction Prohibited" erscheint am 30. August via Mute.

Bild(er) © Miro Majcen, Nejaaka
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