Erst die gute Nachricht, bitte!

Nathalie Halgand eröffnete die Galerie, die ihren Namen trägt, mit dem deutschen "Bricoleur" Clemens Behr und seiner Einzelausstellung "Erst die gute Nachricht, bitte!". Wir waren dort und können bestätigen, dass eine schlechte Nachricht nicht folgte. Nicht mal der Wein ging aus.

Schön ist es im Mezzanin der Stiegengasse 2, wo es sich die Inoperable Gallery nach einigen Locationwechseln zuletzt gemütlich gemacht hatte. Nathalie Halgand, die zusammen mit Nicholas Platzer nämliche – nennen wir’s der Einfachheit halber mal "Street Art Gallery" – betrieb, bleibt der lichtdurchfluteten Altbauwohnung beim Naschmarkt treu, macht das jetzt aber allein mit anderem Konzept und weniger urban. Auf der Website steht geschrieben, dass man sich jetzt mit Künstlern beschäftigt, die den "Zeitgeist zeitgenössischer Kultur formen oder kommentieren". Richtig: das heißt erstmal genau nichts und kann alles bedeuten. Aber das ist auch in Ordnung: Natürlich will man sich die kuratorischen Möglichkeiten möglichst offen halten. Wichtiger ist ohnehin, wer und was ausgestellt wird und man wird wohl zugestehen, dass Halgand hier schon oft den richtigen Riecher bewiesen hat. Zum Start ihrer eigenen Galerie holte sie sich den jungen deutschen Künstler Clemens Behr.

Gut, sich mit künstlerischen Positionen aus dem Fenster lehnen, schaut schon anders aus – es wird wenige Leute mit einem Gespür für Ästhetik und die sogenannten "schönen Dinge" geben, die den Arbeiten von Behr so gar ncihts abgewinnen können. Das ist alles schon recht adrett und man möchte es sich sofort zu Hause aufhängen (leistbar ist es auch noch!). Aber nur dekoratives Eyecandy ist es dann eben auch nicht, nein, ganz im Gegenteil.

Erstens macht der gute Behr einen recht detailverliebten und perfektionistischen Eindruck, was immer irgendwie sympathisch ist, besonders bei Künstlern, die mit gefundenen Materialien arbeiten. Man hat da ja schon eher öfter den Eindruck, dass da lustig alles zusammengeschmissen wird, was man am Weg zum nächsten Tschik Automaten auftreiben konnte. Nicht so bei Behr. Das sind minutiös geplante Kompositionen, die nicht nur auf den gebotenen Raum eingehen und mit ihm interagieren. Auch innerhalb der Werke kommt es zu spannenden Wiederholungen und Verweisen auf einander. Und würde man sich für ein Werk entscheiden, und es mit nach Hause nehmen, würden die anderen irgendwie fehlen. Obwohl wir hoffen, dass wir ganz gute Fotos gemacht haben, geht auch auf ihnen etwas ganz Wichtiges verloren: die große– schon erwähnte – Liebe zum Raum und seiner Spezifika kann man nur nachfühlen, wenn man live dort war. Solltet ihr machen.

Bis 23. April läuft die Ausstellung "Erst die gute Nachricht, bitte!" noch in der Galerie Halgand.

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