Es muss nicht immer krachen

Das Dorotheum setzt am Mittwoch, den 29. Februar, erstmals auf das Label „Österreichisches Design“. Man darf gespannt sein, ob sich das Risiko auszahlt.

Design von Josef Hoffmann oder Adolf Loos erzielt seit langem Spitzenpreise. Doch abseits des Dauerbrenners „Wien um 1900“ kann man international mit Design aus Österreich nur sehr wenig anfangen. Und das, obwohl heimische Gestalter durchaus Weltruhm genießen, nur werden sie eben nicht mit „österreichischem“ Design assoziiert (so es solches überhaupt gibt): Friedrich Kiesler machte in Amerika Karriere, Josef Frank in Skandinavien und dass Coop Himmelb(l)au oder Hans Hollein aus Österreich stammen, ist den meisten herzlich egal.

Und nun also diesen Mittwoch die Auktion „Austrian Design“ im Dorotheum, mit einer stattlichen Anzahl von 168 Losen. Schon beim Durchblättern des Kataloges überrascht, dass die frühesten Objekte eben nicht aus Wien um 1900, sondern aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg stammen. Gut so! Der Schwerpunkt liegt auf Möbeln der 1920er bis 1960er-Jahre, auch ein paar Stücke der jüngeren Vergangenheit sind dabei, wobei man hier auf Künstlernamen wie Franz West oder Heimo Zobernig setzt (und nicht auf die jüngste Designergeneration, denn bei der klingeln die Kassen nicht so laut).

Neben den schon erwähnten Großkalibern wie Hoffmann und Frank sind auch viele Namen aus der zweiten Reihe vertreten, was die Ausstellung zu einem Lehrstück in heimischer Designgeschichte macht. Hugo Gorge, Fritz Reichl, Oskar Riedel – wer kennt die schon? Hier sind Vertreter eines gemäßigten Ansatzes zu entdecken, die internationale Anregungen aufnehmen und sie in die hiesigen Handwerks- und Gestaltungstraditionen einzubetten versuchen. Stahlrohr sieht man nur selten, dafür umso mehr Nußholz, Mahagoni und Messing. Bei den besten Stücken ist man versucht, Vergleiche zur ebenfalls nie radikalen skandinavischen Moderne zu ziehen, manches hat das Zeug zur Ikone, etwa die smarten Lampen von J. T. Kalmar . Bei anderem wiederum wird einem augenscheinlich bewusst, warum die meisten Vertreter der moderaten Wiener Moderne international kaum bekannt sind: Da gibt es Kommoden oder Stühle, die genau so aussehen, wie man sich die Atmosphäre im Vor- und Nachkriegsösterreich vorstellt.

Noch kein internationaler Markt

Die Initiative zu dieser Auktion ging von drei Designhandlungen aus, die sich seit längerem unter dem Label „Design Tradition“ zusammengetan haben: Lichterloh, Rauminhalt und Kunsthandel Patrick Kovacs. Sie haben sich in den vergangenen Jahren (oder fast schon Jahrzehnten) für österreichisches Design dieser Zeit eingesetzt und so manche Inneneinrichtung vor dem Sperrmüll bewahrt (Lichterloh „rettete“ etwa die Kaffeehausmöbel von Josef Zotti, die einst im Café Museum standen). Sieht man jetzt einmal von so Ausreißern wie Carl Auböck ab, gibt es allerdings für heimische Möbel und Lampen der Zwischenkriegs- und der Nachkriegszeit bislang international keinen Markt.

Man darf also gespannt sein, ob die Rechnung aufgeht, denn bei gewöhnlichen Design-Auktionen des Dorotheums geht ein Großteil der Sachen ins Ausland. Werden die internationalen Einkäufer und Sammler plötzlich heiß auf eine Lokalgröße wie Oswald Haerdtl? Oder bleiben die „moderat modernen“ Dinge liegen? Wem alles Kommerzielle egal ist, sollte sich die Vorbesichtigung dennoch nicht entgehen lassen: Heimische Kulturgeschichte in vielen Facetten ist hier zu sehen. Eine Gelegenheit, die sich in dieser Form noch nie ergeben hat.

Auktion: 29. Februar, 16 Uhr

www.dorotheum.at

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