Gebt euch die Kugeln!

Die Zahl neuer Eissalons in Wien wächst. Durch 8 Eispaläste, die mit besonders kreativen Konzepte glänzen, hat sich Manfred Gram geschleckt.

Kaum zu glauben. Rein quantitativ ist Österreich in Sachen Eis Europameister. Zu diesem Schluss kommt zumindest die Wirtschaftskammer, die 2013 erhoben hat, dass auf 15.000 Einwohner ein Eissalon kommt. Das schafft nicht einmal Italien, das ja als Inbegriff der Speiseeiskultur gilt.

Und die Zahl der Eissalons wächst. Insbesondere in Wien, wo sich seit einigen Jahren in dieser Hinsicht förmlich ein Salonboom abzeichnet. 154 deklarierte Eisläden zählte man 2015 in der Bundeshauptstadt, nicht eingerechnet sind dabei die zahlreichen Kaffeehäuser und Konditoreien, die ebenfalls Eis in ihren Karten stehen haben, aber nicht als Eissalon ausgewiesen sind. Einhergehend damit ist die Diskussion, wer denn nun das beste Eis der Stadt verkauft. Es wird hitzig besprochen und ist eine Glaubensfrage. Tichy? Eissalon am Schwedenplatz? Eissalon Tuchlauben? Wie bei allen Glaubensfragen lässt sich auch hier keine vernünftige Antwort finden.

Was aber auffällt: Die Erdbeer-Vanille-Schoko-Troika wird zunehmend gebrochen, da junge Quereinsteiger mit perfekt durchgestylten Konzepten kreative Rezepte austüfteln und den alten Eis-Königen den Rang ablaufen. Vom Ziegenkäse über Wodka-Zitrone bis hin zu Spinat-Avocado reichen die Kugelvariationen, die man sich in die Tüte kommen lassen kann. Den Fresshipster freut es. Das Know-how lernten die neuen Eismacher übrigens meist auf Eiscréme-Universitäten in Italien, den USA oder Deutschland. Dementsprechend wird nicht nur auf qualitätsvolle – nicht selten biologische – Zutaten Wert gelegt, sondern auch die Handwerkstradition, die hinter einem guten Eis steht, betont. Den Unterschied zum Industrieeis schmeckt man, der Kugelpreis geht mitunter aber auch ins Gesalzene. Hier ein grober Überblick über das Eistreiben in der Stadt.

Schelato

Wenn ein Filmemacher und ein Modedesigner einen Eissalon eröffnen, schlägt die Kreativität Kapriolen. Nebst Klassikern und einem formidablen Karamell-Eis mit Fleur de Sel gibt es Kreationen wie Granatapfel-Basilikum, Gurke oder Eisbecher, die schon einmal mit Blauschimmelkäse, Kirschen und Speck serviert werden. Charmant ist der Gastgarten und abends wird die Eisdiele zur Bar für alle die wissen, was sonst noch so cool ist. Ein Extraplus gibt es für das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Eis Greissler

Die Pioniere der neuen Eiskultur in Österreich sperrten 2011 ihren ersten Laden auf. Das Eis wird ohne künstliche Aromen, künstliche Zusätze und Farbstoffe gemacht. Das Geschäft läuft, der Eis-Greißler hat mittlerweile fünf Filialen (zwei in Wien, eine in Wiener Neustadt, Graz und Klagenfurt). Die sterile Vintage-Heimeligkeit der Geschäfte lassen anscheinend nicht nur der Tante Emma das Herz aufgehen. Dazu kommt noch die eine oder andere Gefriertruhe an neuralgischen Punkten wie etwa dem Karmelitermarkt.

Leones

Giorgio und Lisa Leone kommen aus der Kommunikationsbranche und haben sich nach mehrjähriger Planung ihren Traum vom Eissalon erfüllt, Besuch auf der Gelato University in Bologna inklusive. Aus Top-Bioprodukten zaubert man für viele schon jetzt das beste Slow-Food-Eis Wiens. Wert legt man bei Leones auch auf Design, schließlich schleckt das Auge ja mit. Neben der Stammfiliale in der Lange Gasse gibt es bis Ende August übrigens in der Praterstraße16 eine Pop-up-Filiale.

Gefrorenes

In zwei Filialen in der Währinger Straße werden altösterreichische Eisrezepte umgesetzt. Alles echt bio natürlich. Bedient werden aber auch k. u. k. Klischees mit Eiskreationen wie Apfelstrudel, Sachertorte und Sissi-Mandel. Modern zeigt man sich dafür bei Sorbets wie etwa von der Erdbeere, Grapefruit oder Honigmelone, die als vegan ausgeschildert werden. Alles in allem treibt es Nostalgie-Heinzis hier die Tränen in die Augen. Wie damals in der guten alten Eiszeit.

Ice Dream Factory

Hier wird üppiger, amerikanischer Eis-Stil gepflegt. Geil versaute Köstlichkeiten wie Browniestückchen, Heidelbeersauce oder Erdnussbutter werden mit viel Liebe zur Qualität und zu Details verarbeitet. Extrem cremig, extrem gut. Die selbstgemachten Waffeln erledigen den Rest.

Veganista

Die Schwestern Cäcilia Havmöller und Susanna Paller traten mit ihrem Eisgeschäft den Vegantrend bei Gefrorenem los. Gelernt wurde das Handwerk auf einer Ice Cream University in den USA. Die Sorten wechseln ständig, raus kommen Kreationen wie: Orange-Olivenöl-Safran, Heidelbeer-Lavendel oder Basilikum. Das Geschäft brummt, mittlerweile betreibt das Duo drei Filialen und hat ein Kochbuch geschrieben.

Vidoni

Vidoni gibt es in Wien schon seit 1901. Einst machte man Salami, heute allerdings (vorwiegend) veganes Eis. Zurecht stolz ist man in diesem Salon, dass man ohne Sojamilch auskommt. 30 Sorten gibt es täglich. Insgesamt verfügt man über rund 150 Rezepte. Die sehr sorbetähnlichen Fruchteissorten sind uneingeschränkt zu empfehlen.

Heiling

Ein burgenländischer Steinmetz kaufte ein burgenländisches Traditionsunternehmen am Eissektor, verpasste ihm einen frischen Anstrich und expandierte. Heiling Eis behauptet sich seit dem Vorjahr in Wien, heuer sperrte man zwei neue Filialen auf. Das Erfolgsrezept: Frische Zutaten, keine Zusatzstoffe und halbverrückte Sorten wie Apfelkuchen, Salzburger Nockerl oder Griechischer Joghurt.

Wer sich nach alten Eis-Klassikern sehnt, der mag diesen Artikel lesen und ein nostalgisches Schmatzen unterdrücken.

Bild(er) © Schelato, Eis Greissler, Veganista, Giorgio + Lisa
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