Gegen den Strom

Durch die Kanalisation bis vor die Haustür eines Wiener Exorzisten – heute erscheint die neue Ausgabe von „Rokko’s Adventures“. Das Heft bietet wieder jede Menge unkonventionelle Themen. Unser Interview mit Rokko zeigt: nach wie vor übermenschlich.

Eine bunte Themenauswahl abseits des Mainstream – das bietet „Rokko’s Adventures – Magazin für Tiere, Menschen, Sensationen“, das jetzt bereits zum 8. Mal erscheint. Dafür ist das Heft schnell bekannt geworden und dafür wird es auch gefeiert. Der umfangreiche Sammelband erscheint halbjährlich und ist eine Bereicherung für die österreichische Printlandschaft. Dabei steht nur ein kleines Team rund um das Synonym Rokko dahinter. Auf Anzeigenwerbung legt man keinen Wert. „Rokko’s Adventures“ ist anders.

Nach Eigenangaben ist Rokko’s Adventures unabhängig, unparteilich und übermenschlich. Wie kommt Letzteres zur Geltung? Was ist das einzigartige an Rokko’s Adventures?

Rokko: „Übermenschlich“ u. a. darum, weil man ja nicht weiß: gibt es Rokko? Mann, Frau, Getier? Eine Kunstfigur, die von einem Dutzend verschiedener Schreiberlinge ausgefüllt wird? Oder der Herr Bundespräsident nach Feierabend? Ich diene auch nur dem Rokko.

Entgegen des Blogging/Social Media Trends stampfst du fast im Alleingang ein Printmedium aus dem Boden. Gerade jetzt, wo man allerorts vom Zeitungssterben spricht. Warum Papier, warum Druck?

Aus Liebe zum Sprengstoff.

Was ist für dich das Spannendste beim Gestalten des Hefts?

Das Spannendste ist das Leute-Treffen, sich deren Weltbild erklären lassen und das dann zu dokumentieren und zu reflektieren. Selbstverortung und Analyse muss später jeder für sich selbst betreiben. Mir taugen am meisten die völlig unterschiedlichen Wirklichkeitswahrnehmungen und das Umgehen damit, das nur für die jeweilige Person funktioniert. Auf der einen Seite zum Teil extrem radikal, in der Funktion aber ganz gewöhnlich: ein Surrogat für ein schönes Leben. Und wenn man sich diese Lebensweisen anschaut, sollte man nie so arrogant werden, eigene Ansprüche auf andere zu übertragen. Toleranz statt Totentanz. Freundlichkeit statt Trauerzeit. Kopulieren statt Redigieren. Eitern und Scheitern. Stampf, Mampf, Krampf. Mama ist der Beste.

In Rokko’s Adventures findet man keine Anzeigenwerbung. Steckt dahinter eine tiefe Überzeugung?

Ich hab das mitgekriegt bei anderen Heften, dass die Anzeigenkunden plötzlich inhaltliche Verantwortung übernehmen wollen. Paradebeispiel: Umschlagseite hinten – Werbung für irgendeinen neuen Glumpad-Film. Im Heft: eine eh-klar positive Rezension, bei der einfach der Pressetext ein wenig umgemogelt worden ist und basta – alle sind zufrieden. Also Rokko’s Adventures wurde genau deswegen gegründet, um solchen – nennen wir es mal – Zusammenarbeiten aus dem Weg zu gehen, keine vorhersehbare Werbebroschüre zu machen, sondern ein Informationsblatt.

Kommerzielle Anzeigen wären absolut ok, wenn dafür keinerlei inhaltliche oder gestalterische Kompromisse eingegangen werden müssen. Aber bisher verliefen alle Gespräche diesbezüglich enttäuschend: die kamen immer mit einem Koffer Geld UND einem Vorschriftenkatalog. Und unter solchen Bedingungen kann man dieses Ding nicht machen, dann würd es bald aussehen wie eines jener Hefte, von denen es jetzt schon viel zu viele gibt. Also auf die Kohle wär ich schon mordsgeil gewesen, aber wieder musste ich verlautbaren: „No way, Jose!“, spuckte mir in die Hand, zog den Rotz nach oben und dachte mir: „Ja leck mich doch, der Herr hat vielleicht ein schickes Hemd getragen! Ich hätte ihn fragen sollen, wo er das gekauft hat.“ Aber währenddessen sitze ich schon in der Straßenbahn, drifte irgendwohin ab und muss den fetten Köter von der vergilbenden Dame anstarren, die mir gegenüber sitzt. „Jetzt die Cows live sehen…das wär das Schönste, was ich mir grad vorstellen kann.“

Wie lässt sich das Heft dann überhaupt finanzieren?

Durch den Verkauf und verschiedenste Hack’n, bei denen ich bezahlt werde. Andere Leute geben das für einen feschen Winterurlaub, ein Autoreifen-Set und neue Skistecken aus – ich mach lieber ein Heft.

Wann arbeitest du daran, parallel zum Brötchen verdienen? Kann man die Gestaltung des Hefts als Hobby bezeichnen?

Ich arbeite immer daran, wenn ich dazu komme. Daneben mach ich alles, was anfällt und sein muss, war schon Straßenkehrer, auf Montage, schneeschaufeln, kellnern, Aufpasser, Schwiegersohn, Sicherheitstüren-Checker, Nachtportier, bei der Aids-Hilfe, im Blumenladen. Fürn Tagada-Boy hat’s leider nie gereicht. Hobby würd ich nicht sagen. Eher Baby.

Was ist Rokko für ein Wesen?

Eine Mischung aus Tumor, Affe und Salonjunge.

Deine Einschätzung: Warum kommt Rokko’s Adventures so gut an?

Weil hinter jedem zweiten Pickerl, das auf dem Heft klebt, eine kleine Briefmarke mit LSD-Geschmack versteckt ist. Wir und die Leserschaft sind im Grunde ein Haufen kleiner, dreckiger Hippie-Schweine, die genug davon haben, auf alles hinzudreschen, was sich bewegt. Wir wollen uns gegenseitig streicheln und die Zunge in den Mund stecken, bis wir endlich wieder kotzen können.

Im Rahmen der aktuellen Ausgabe gibt es zwei Release-Shows:

9. Dezember im Fluc (gratis): The Striggles, Hella Comet, Heifetz, Ader Rebell

17. Dezember im Brut/ Konzerthaus: HGich.T

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