Go Gery Go

Der Lifeball drohte zur Selbstverständlichkeit zu werden. Dass er das gestern nicht war, lag vor allem an zwei Menschen. Von viel mehr Menschen gibt es hier Fotos.

"Ich hab so viele Freunde verloren … ich hätte nicht gedacht, dass ich 2015 den Ball einem verstorbenen Freund widmen muss … ich war einer der ersten in Österreich mit Aids, die Ärzte wussten nicht was es ist." Bumm. Es war nicht einfach, dass die Show nach der sehr emotionalen Rede von Gery Keszler weitergehen musste. Seine Worte brachten viele Widersprüche und Großartigkeiten dieses Balls auf den Punkt. Feiern für den guten Zweck, das sei heute nicht leichter, sondern schwerer als früher zu organisieren. Es geht um Geld, um Medienpräsenz, Deals, Aufträge, Firmen-Beteiligungen. "Die Leute werden immer unverschämter", sagte Keszler.

Awesome

Der Lifeball drohte eine Selbstverständlichkeit zu werden. Immerhin ist Aids nicht mehr die tödliche Seuche, die es in den Neunzigern war. Ein paar Promis lassen ihre Auftritte bei der Gala vom Stapel, weil sie gerade einen Event oder ein Album zu promoten haben. Die Kostüme sind arg beeindruckend, verschlingen aber neben Wochen an Vorbereitung natürlich auch Geld. Jedes Jahr werden ein paar Reden gehalten wie awesome alles hier ist. Und dann wird im Rathaus hart gefeiert.

Die Produktplatzierungen am Ball sind nur ein Symptom von vielen. Die einen halten sich eher zurück (Wolford) oder schenken halt ihr Bier aus (Ottakringer), die anderen fahren mit Auto über den roten Teppich ein (Audi), bekommen kurze Andachtsmomente (Jean-Paul Gaultier) oder wollen ihr Logo auf der Hauptbühne im Arkadenhof gleichwertig neben Aids-Schleife in den Visuals (Red Bull hätte normalerweise mehr Gespür).

"Ich weiß nicht, ob ich die Gala nächstes Jahr brauche", meinte Keszler, der den Lifeball zu dem gemacht hat, was er heute ist. Sie findet vorab in der Hofburg als ein Fundraiser statt. Die Eröffnungsshow war dagegen Herzstück des Abends, eine Show mit Jugendstil und Lippizanern, Symphonieorchester und Eurotrash, mit Geschichte und neuen Mythen, dem Tod ganz wienerisch in einer Hauptrolle und richtig großem Tennis. Die Reden zeigten hinterher einen anderen Zwiespalt auf. Denn fernsehtauglich war das sicher nicht, viel zu lang, zu ernst, mit zu vielen Menschen. Aber eben die einzige Möglichkeit zu zeigen, was dieser Ball bewirkt.

Gorgeous

Der Lifeball war heuer merkbar anders und neu. Conchita Wurst ist ein Kind dieses Lifeballs, wie sie bei einem ihrer drei Auftritte meinte. Und sie war nicht nur das offizielle Gesicht dieses Balls. Es sind Idole wie sie, die souverän mit ihrem Leben und ihrer Stimme umgehen, die es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht. Dass der nämlich einerseits hier in den Köpfen und andrerseits ganz real mit Gesetzen schon 50 Kilometer weiter bedroht ist, haben wir u.a. auch in unserer Coverstory geschrieben. Ob es Conchita Wurst ohne den Lifeball heute in dieser Form gäbe, darf man anzweifeln. So nebenbei sollte man ihr Album kaufen. Könnte ja passieren, dass Andreas Gabalier dann mit seinem "Mountainman" nicht das Gipfelkreuz der Charts sieht. Gery Keszler hat zu alldem mit seiner Rede ein großes Ausrufezeichen über die Bedeutung des Balls gesetzt.

Important

Das soziale Aids wütet noch immer, meinte Keszler. Die Medizin hat dabei in der Behandlung von Aids viel Fortschritte gemacht. Medikamente sind heute viel leistbarer. Vor zehn Jahren sind noch 1,7 Millionen Menschen weltweit an Aids gestorben. Heute sind es 1,3 Millionen. Das sind 1.300.000 Millionen Menschen zu viel. Damit sich das ändert, braucht es auch diesen Ball. Mit seinem Glanz, seinen vielen unglaublich schönen Menschen und all seinen Widersprüchen.

www.lifeball.org/spenden

ejaf.org

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